(„Vanilla Sky“ directed by Cameron Crowe, 2001)

Vanilla SkyNach dem Tod seines Vaters übernimmt David Aames (Tom Cruise) dessen millionenschwere Verlagsfirma. Dem neu erlangten Ruhm folgen neue Freunde und attraktive Bekanntschaften wie das Model Julie Gianni (Cameron Diaz), mit der es David mehr als einmal durch die Bettlaken zieht. Bei seiner Geburtstagsfeier wird er zudem der schönen Sofia Serrano (Penélope Cruz) vorgestellt. Ausgerechnet von seinem besten Freund Brian Shelby (Jason Lee), der ebenfalls ein Auge auf die schöne Latina geworfen hat. Die beiden können dennoch nicht voneinander lassen und verbringen den Abend miteinander. Der eifersüchtigen Julie passt die ganze Romanze gar nicht in den Kragen und kurz darauf geraten sie und David, in Folge einer Auseinandersetzung, in einen schweren Autounfall. Für sie kommt jegliche Hilfe zu spät, während er mit einem entstellten Gesicht davonkommt. Sein Verstand beginnt ihm Streiche zu spielen und als die totgeglaubte Julie vor seiner Tür steht, scheint der Albtraum Wirklichkeit geworden zu sein.

Das englische Remake der spanischen Vorlage Abre los Ojos (Open Your Eyes) aus dem Jahre 1997, war trotz der durchwachsenen Kritiken ein Kassenerfolg. Thriller, Romanze, Drama und Science-Fiction. Der Film bietet ein Rundum-Paket vieler Genres, kann und will sich aber nicht auf ein tragendes festlegen. Cameron Crowe, der bereits Jahre zuvor mit Tom Cruise an Jerry Maguire arbeitete, versucht das komplette Spektrum der menschlichen Emotionen zu erreichen, lässt dabei aber einen Großteil der Zuschauer auf der Strecke zurück. Dies ist überwiegend dem kreativen Kniff geschuldet, der sich erst gegen Ende des Films offenbart. Wirft man dennoch einen Blick hinter den cineastischen Vorhang, entdeckt man eine bezaubernde Penélope Cruz, die bereits im spanischen Original die Rolle der Sofia verkörperte; gepaart mit einer atemberaubenden Cameron Diaz, die nicht ohne Grund für ihre Rolle als beste Nebendarstellerin nominiert wurde. Dem gegenüber stehen ein charmanter Tom Cruise und ein zu bemitleidender, aber inspirierender Jason Lee. Gekrönt wird die Darstellung mit dem außergewöhnlichen Soundtrack, der einen mit jeder weiteren Minute tiefer in seinen Bann zieht. Von Josh Rouse über Paul McCartney bis hin zu The Chemical Brothers deckt der Film jegliche tonale Emotionskette ab und lässt keine Sekunde ungehört.

Versucht man sich, wenn auch nur für einen Moment, von den Tönen zu lösen, findet man sich in einem Netz der Erinnerungen und Sehnsüchte der Protagonisten wieder. Selten war ein Film so einschüchternd und zugleich mitfühlend. Es fällt schwer, über die Handlung des Films zu reden, ohne dem Mysterium jeglichen Rückenwind zu nehmen. Die Details verstecken sich in simplen Schnitten, sich wiederholenden Kamerafahrten, minutiösen Kulissen und herausragenden Darstellungen. An den einen mögen diese Nuancen vorübergehen, während sich andere im vanillefarbenen Monet Himmel verlieren. Ist es ein Eifersuchtsdrama, eine Romanze zweier unterschiedlicher Charaktere, ein nervenzerreißender Thriller oder gar etwas völlig anderes?

Vanilla Sky ist so verwirrend, wie einleuchtend; so gefährlich real, wie wundersam abstrakt. Dem Süßen folgt das Saure und nur wer das Saure zu spüren bekommen hat, der weiß das Süße erst zu schätzen. Hinter dem Thriller, dem Drama, der Romanze verbirgt sich ein wertvolles Kunstwerk der Filmgeschichte. Der Film ist zugegebenermaßen keine leichte Kost, hinterlässt jedoch eine lauernde Neugierde. Selbst nach dem zweiten und dritten Mal fallen einem immer wieder Details innerhalb des Puzzles auf, und selbst wenn der Genre-Mix zeitweise etwas schwer im Magen liegt, sind es die malerischen Erinnerungen und musikalischen Untermalungen, die dem Film seine Leichtigkeit verleihen.



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Vanilla Sky
3.91 (78.18%) 11 Artikel bewerten

Vanilla Sky
Das Remake übertrifft durch eine fantastische Schauspielerriege, sowie einem einzigartigem Soundtrack Potpourri. Der Genre-Mix ist nichts für entspannte Sommerabende, regt er vielmehr zum Nachdenken und Philosophieren an. Eine vergessene Illusion der Filmkultur, die so manchen Augen neuen Reizen öffnen wird.
9von 10

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Eine Antwort

  1. Martin Zopick

    ACHTUNG SPOILER!!

    Das Drehbuch spielt mit den Erwartungen der Zuschauer, indem es ständig zwischen den Zeitebenen und Realitäten hin und her wechselt. Eine Hilfe dabei ist das Gesicht des Helden: wenn David (Tom Cruise) gut aussieht sind wir in der Vergangenheit, hat er ein entstelltes Gesicht, sind wir im Hier und Jetzt.
    Hinzu kommt, dass er zwischen zwei Frauen hin und her pendelt: Julie (Cameron Diaz) seine ‘alte Flamme‘ und Sophie (Penelope Cruz), seine Neueroberung.
    Einen Autounfall, bei dem Julie stirbt, überlebt David nur heftig entstellt lebt fortan mit Gesichtsprothese. Er will Julie umbringen, tötet aber Sophie. Jetzt geht das Bäumchen-Wechsel-Dich Spielchen erst richtig los. Julie mutiert mal zum Geist, mal zur Stalkerin, Sophie verschwindet. Er muss sich aber auch auf den Mädels abarbeiten. Drum lässt sich David einfrieren in einem Verfahren, das man Kryonik nennt. Die Option, die ihm Tilda Swinton später in ihrem Cameo bietet, ist, erneuter Suizid oder weiterhin als lebender Toter zu existieren. Da macht David doch glatt ersteres.
    Die langen Dialoge zwischen David und dem Psychiater Dr. McCabe (Kurt Russell) helfen ebenso wenig weiter wie das Gespräch zwischen ihm und dem Chirurgen. Da kann man sich dann schon eher an den Postern an der Wand festhalten: z.B. ‘Außer Atem‘ oder ‘Jules und Jim‘ oder wenn Bob Dylan oder die Beach Boys dazu singen. Und was der von Paul McCartney entlehnte Titel mit dem Film zu tun hat, bleibt wohl das Geheimnis von Regisseur Cameron Crowe. Klingt aber gut, oder? Wäre noch der Mut von Tom Cruise zur Hässlichkeit zu erwähnen, als Kontrast zu den vielen Schönheiten um ihn herum.
    Unterm Strich bleibt ein kompliziertes Verwirrspiel ohne Lösung. Da gibt es nichts zu verstehen. Staunen und sich wundern reicht.

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