Kritik

Higurashi Rei

„Higurashi Rei“ // Deutschland-Start: 28. August 2020 (DVD/Blu-ray)

Wenn ein Werk aus der Unterhaltungsbranche erfolgreich ist, liegt der Impuls nahe, von der Popularität durch weitere Werke zu profitieren. Schwierig wird das aber, wenn besagtes Werk so sehr in sich abgeschlossen ist, dass es eigentlich keine Fortsetzungsmöglichkeiten mehr gibt. So geschehen bei der Animeserie Higurashi. Während die erste Staffel der Spieleadaption eine Reihe interessanter Alternativszenarien aufzeigte rund um ein abgelegenes Bergdorf, in dem immer wieder mysteriöse Morde geschehen, bildete die zweite Staffel den Abschluss der Erklärung, inklusive einer Auflösung des Rätsels. Eine dritte Staffel war da eigentlich gar nicht mehr möglich.

Nebengeschichten für den Heimgebrauch

Mit Higurashi Rei erschien dennoch eine, wobei man klar sagen muss, dass die Bezeichnung dritte Staffel eine Mogelpackung ist. Zum einen handelt es sich hier nicht um eine TV-Serie, sondern mehrere Episoden, die direkt für den Verkauf auf DVD produziert wurden. Vor allem aber wird hiermit die Geschichte der beiden Staffeln gar nicht fortgeführt. Stattdessen gibt es fünf Folgen, die Nebengeschichten erzählen, die mit der Haupthandlung nur zum Teil etwas zu tun haben und in eine ganz andere Richtung gehen.

Besonders auffällig sind die erste und die fünfte Episode, die sich völlig vom Mystery-Horror des Originals verabschieden und stattdessen reine Komödien sind. Vereinzelt fanden sich zwar auch in der Urgeschichte humorvolle Momente zur Auflockerung. Bei Rei gab man sich jedoch ganz der Albernheit hin. Die erste Folge rund um Keiichi, der mithilfe seiner neuen Badehose zum Frauenschwarm werden will, ist dabei typische Anime-Wegwerfware, die Fanservice und peinliche Situationen mit Humor verwechselt. Die fünfte Episode, in der Rena einen magischen Stein verschluckt, der sie sich immer wieder in andere neu verlieben lässt, geht zwar in eine ähnliche Richtung, hat aber immerhin ein paar amüsante Szenen. Nett sind zudem hin und wieder eingebaute Meta-Elemente.

Ein Mysterydrama ohne Ende

Der interessanteste Teil wartet jedoch dazwischen, in drei zusammenhängenden Folgen, welche dem Original noch am nächsten kommen. Darin findet sich Rika nach einem Unfall in einer Parallelwelt wieder, in der die Ereignisse der Serie nie stattgefunden haben, ihre Eltern noch leben, dafür aber keiner ihrer Freunde da ist. Higurashi Rei spielt auch da mit den Mystery-Elementen der ersten Geschichte, wandelt sich jedoch mit der Zeit in ein persönliches Drama rund um das Thema, die eigene Vergangenheit hinter sich zu lassen. Das Szenario an sich ist gelungen, die Umsetzung nicht ganz so. Ausgerechnet beim Finale wird richtig gepatzt, das viel zu lange ist und mit repetitiven Holzhammeraussagen offensichtlich dem Publikum nicht zutraut selbst zu denken.

Große Fans der Hauptserie können sich die Nebengeschichten natürlich mit ins Regal stellen, um die Sammlung komplett zu machen. Und zumindest hin und wieder schimmert hier ja auch durch, was den Auftakt von Higurashi so sehenswert machte. Alle anderen können Higurashi Rei ignorieren. Zwar sind die drei Geschichten, vor allem die erste und letzte, eigenständig, sodass theoretisch auch Quereinsteiger mit an Bord sein können. Dennoch richtet sich der Anime eindeutig an Leute, die mit den Figuren bereits etwas verbindet und die noch einmal in das kultig-mörderische Dorf zurückkehren wollen.

Credits

OT: „Higurashi no naku koro ni: Rei“
Land: Japan
Jahr: 2009
Regie: Toshifumi Kawase
Drehbuch: Toshifumi Kawase
Musik: Kenji Kawai
Animation: Studio Deen

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Higurashi Rei
Auch wenn „Higurashi Rei“ als solche verkauft wird, handelt es sich dabei nicht wirklich um die dritte Staffel der Animeserie. Stattdessen gibt es drei Nebengeschichten, zwei davon als Comedy, die dritte als Mysterydrama. Das ist nicht nur inhaltlich schwankend, sondern auch qualitativ. Tatsächlich sehenswert ist das so oder so nur für Fans des Originals.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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