Kritik

Beautiful New Bay Area Project

„Beautiful New Bay Area Project“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Eigentlich wollte sich Amano (Emoto Tasuku), der junge Chef einer Stadtplanungsfirma in Yokohama, ja nur mal ein wenig auf der Baustelle am Fluss umsehen und schauen, was die Männer dort so treiben. Stattdessen ist es eine Frau, die seine Aufmerksamkeit erregt. Zu seiner Verärgerung muss er jedoch feststellen, dass Takako (Mita Moa) so gar nicht für seine Annäherungsversuche zu begeistern ist. Also macht er, was jeder Mann in dieser Situation machen würde: Er klaut ihren Ausweis! Die wiederum will sich das nicht gefallen lassen und nimmt die Verfolgung auf …

Die Suche nach dem Sinn

Eigentlich bringt man Kiyoshi Kurosawa mit sehr düsteren Stoffen in Verbindung, etwa mit den beiden Thrillern Cure und Creepy. Umso überraschter durfte man sein, dass der japanische Filmemacher eine ungekannte Vorliebe für das Alberne besitzt. Zumindest lässt diesen Schluss sein Kurzfilm Beautiful New Bay Area Project aus dem Jahr 2013 zu. Dabei handelt es sich um einen der wenigen eindeutigen Schlüsse, die man hier ziehen kann. Denn auch wenn das Mini-Werk nicht viel mit den ausgewachsenen Filmen des Regisseurs und Drehbuchautors gemeinsam hat, dann doch zumindest eins: Es ist ziemlich seltsam.

So braucht es beispielsweise eine ganze Weile, bis der Kurzfilm eine konkrete Handlung vorweisen kann – was bemerkenswert ist bei einer Laufzeit von nur 30 Minuten. Zuvor läuft Amano durch die Gegend, inspiziert ein wenig, ohne dass wirklich klar ist, worauf das hinauslaufen soll. Ebenso wenig lässt sich Beautiful New Bay Area Project in eine Genreschublade pressen. Satirische Züge sind unbestreitbar, teilweise wird es etwas surreal. Zum Schluss dann auch actionreich, wenn Takako eine unerwartete Schlagfertigkeit demonstriert – wortwörtlich.

Das ist durchaus unterhaltsam, die Kampfszenen lassen sich gut ansehen. Die Büroaufnahmen sind gelungen. Außerdem ist der absurde männliche Übergriff in durch #MeToo sensibilisierten Zeiten heute noch relevanter als damals – wenn auch absurd umgesetzt. Dennoch sollte man sich nicht zu viel Inhalt versprechen. Kurosawa hat eine Kuriosität zusammengestellt, die eher Zeitvertreib als wirklicher Denkanstoß ist.

Credits

OT: „Beautiful New Bay Area Project“
Land: Japan
Jahr: 2013
Regie: Kiyoshi Kurosawa
Drehbuch: Kiyoshi Kurosawa
Musik: Hiroyuki Nagashima
Kamera: Ryo Saitoh
Besetzung: Tasuku Emoto, Mita Moa

Filmfeste

Nippon Connection 2014

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Beautiful New Bay Area Project
Ein Mann inspiziert eine Baustelle, klaut einer Frau ihren Ausweis und wird danach von ihr verfolgt. Kiyoshi Kurosawas Kurzfilm „Beautiful New Bay Area Project“ ist so absurd, wie er sich anhört, eine eigenwillige Mischung aus mehreren Genres, über die man nachgrübeln kann, die aber in erster Linie zur Unterhaltung dient.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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