Kritik

Bad Boy

„Bad Boy“ // Deutschland-Start: 5. März 2020 (Kino)

Pawel (Antoni Królikowski), der seit frühster Kindheit der Gesinnung seines Vaters folgt und dem Fußballverein KP Unia Racibórz seine Treue geschworen hat, verbringt im Prinzip den gesamten Tag damit, sich um das Fußballgeschäft im weitesten Sinne zu kümmern, denn er agiert als Führungsperson der Fan- und Holliganszene seines Vereins. Er entwickelt den Plan den Vorsitz des Vereins zu übernehmen, um daraufhin diesen zum besten Club der Welt zu machen. Um dieses Vorhaben jedoch auch umsetzen zu können, sind zwei Dinge nötig: Geld und Macht. Das eine holt sich die Szene durch Überfälle und verstärkten Drogenhandel und das andere durch aggressive Brutalität gegen Vereins- und Vorstandsmitglieder. Pawels älterer Bruder Piotr (Maciej Stuhr) hingegen ist als rechtschaffener Polizist das komplette Gegenteil seines gewalttätigen Bruders. Auch er ist in dieses Vorgehen verwickelt, muss dieses allerdings mit aller Macht bekämpfen. Um die Hooligangruppierung von Innen heraus zu zerstören, schleust die Polizei die Anwältin Ola (Katarzyna Zawadzka) ein, die dafür sorgt, dass Pawel Erfolg hat und gleichzeitig Beweise sammelt für die Verbrechen der Hooligans.

Mit uns ist nicht zu spaßen!

Seit jeher werden die polnischen Fußballfans als die gewaltbereitesten der Welt betrachtet, womit sie regelmäßig die Aufmerksamkeit der internationalen Medien auf sich ziehen. Die Hooligangruppierungen feinden sich jedoch eher aus Tradition an, als das es noch wirklich etwas mit der sportlichen Entwicklung zu tun hätte. Messer, Macheten und selbstgebaute Waffen sind mittlerweile gang und gebe und finden immer häufiger ihren Einsatz. Zudem zeigt der Club Wisla Krakau, dass es tatsächlich bereits solche Fanübernahmen des eigenen Clubs gibt, wie sie in diesem Film eindrucksvoll beschrieben wird.

Mit einem dramatisch aggressiven Auftakt beginnend, schafft es Patryk Vega (Plagi Breslau – Die Seuchen Breslaus) die Spannung von Beginn an immer weiter zu steigern. Einführend werden die einzelnen Protagonisten vorgestellt sowie ein erster Eindruck des gesamten Films geliefert, in welchem zwei rivalisierende Fanszenen aufeinandertreffen und fast schon in Wettkampfsportmanier gewisse Regeln im gegenseitig brutalen aufeinandertreffen festgelegt sind. Kaum zu glauben, dass plötzlich ein älterer Mann mit seinem Fahrrad sorglos durch die spalierstehenden und gewaltbereiten Hooligans fährt.

Ein Extremum führt zum Nächsten

In dessen Folge werden immer wieder durch viele sehr harte Cuts extreme Stimmungsschwankungen erzeugt und damit in kürzester Zeit auch die Handlungsschwerpunkte gewechselt, ohne jedoch jemals von dem grundliegenden roten Faden abzuweichen. Im Prinzip entwickeln sich zwei Geschichten parallel – die eines jeden Bruders. Den wesentlichen Fokus erhält jedoch die Hooligan-Geschichte, welche zudem auch den größeren Thrill ausmacht. Es ist sogar fraglich, ob die Verbrechensbekämpfung überhaupt notwendig gewesen wäre für die Handlung, da diese weitestgehend keine wirkliche Rolle spielt und den Film nicht weiter dramatisiert. Andererseits bietet dieser Part stets einen angenehmen Kontrast zu den sonst eher aufreibenden Bildern, die das Publikum gleich mehrfach arg zusammenzucken lässt.

Die Darstellung Pawels durch Antoni Królikowski ist dabei herausragend gelungen und trotz der wenigen Filmerfahrung, die er bisher gesammelt hat, begeistert sein Spiel. Neben seiner Figur ist jedoch auch die der Anwältin, gespielt von Katarzyna Zawadzka, lobend zu erwähnen. Auch sie hat mit Bad Boy und In meinem Kopf ein Universum gerade mal zwei größere Produktionen in ihrer Vita aufzuweisen. Dennoch durchlebt sie im hiesigen Film einen vollständigen Charakterwandel, der zu jedem Zeitpunkt glaubhaft wirkt und zeitgleich fassungslos macht und am Glauben an die Menschheit rüttelt. Die zwei Extreme der Persönlichkeitsebenen dieser Figur werden vor allem im Konflikt zwischen dem alltäglichen Anwalt-Dasein und der davon abweichenden sexuellen Sehnsucht genial dargestellt.

Credits

OT: „Bad Boy“
Land: Polen
Jahr: 2019
Regie: Patryk Vega
Drehbuch: Olaf Olszewski, Patryk Vega
Musik: Lukasz Targosz
Kamera: Norbert Modrzejwski
Besetzung: Antoni Królikowski, Maciej Sturh, Katarzyna Zawadzka, Andrzej Grabowski, Malgorzata Kozuchowska, Piotr Stramowski

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Bad Boy
„Bad Boy“ weiß stets zu verblüffen und zu verschrecken. Trotz eigentlich recht ausschweifender Spieldauer vergeht die Zeit wie im Fluge, was nicht zuletzt daraus resultiert, dass die Stimmung zu jedem Zeitpunkt angespannt ist und der Film kaum Luft zum Atmen lässt. Ein schrecklicher Ausbruch der Emotionalität folgt auf den anderen.
9von 10

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