Kritik

„Motherland: Fort Salem – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 20. November 2020 (Amazon Prime Video)

Im Rahmen der Hexenprozesse in Salem, Massachusetts haben die Hexen nicht nur ihr wahres Gesicht gegenüber den Menschen gezeigt, sondern auch ihre Macht, was dazu führte, dass speziell das US-Militär sich die Hilfe der Hexen zusichern wollte. Unter dem Kommando der mehrere hundert Jahre alten Hexe Sarah Adler (Lyne Renée) werden seit Jahren schon in Fort Salem junge Hexen darin ausgebildet, ihre Kräfte für die Verteidigung ihrer Heimat einzusetzen, wobei sie im Gegenzug innerhalb der Gesellschaft hohes Ansehen genießen und sich in Freiheit bewegen. 300 Jahre nach Unterzeichnung jenes Friedensvertrages mit den Hexen gibt es nun eine neue Bedrohung, die unter dem Namen „The Spree“ nicht nur immer mehr Zuspruch gewinnt, sondern auch immer mehr Opfer fordert. In dieser unruhigen Zeit beginnen die jungen Hexen Raelle Collar (Taylor Hickson), Abigail Bellweather (Ashley Nicole Williams) und Tally Craven (Jessica Sutton) ihre Ausbildung an Fort Salem. Ihre unterschiedlichen Hintergründe und Einstellungen lassen vor allem Raelle und Abigail immer wieder aufeinanderprallen. Doch für ihre Streitereien untereinander bleibt ihnen kaum Zeit, denn unter ihnen befinden sich bereits Agenten von „Spree“.

Ideologisch verwundbar
Innerhalb der Popkultur standen Hexen und Hexerei für das Übernatürliche, aber durch ihr Weiblichkeit vor allem für die Probleme, welche viele Gesellschaften noch heute im Umgang mit Sexualität und Geschlechterrollen haben. Eliot Laurence geht mit der von ihm kreierten Serie Motherland: Fort Salem noch einen Schritt weiter und zeigt ein alternatives Amerika, in welchem Hexen ein integraler Bestandteil der Armee sind und Ansehen in der Gesellschaft genießen. Dennoch befasst sich auch Fort Salem mit Themen wie Geschlechterrollen, verbindet diese mit sehr aktuellen Aspekten wie Konformismus und eine Rückkehr zum Militarismus, im Handeln wie auch der Rhetorik.

Im Zentrum der Handlung steht, wie sollte es anders sein bei einer Geschichte, in welcher Patriotismus und die Armee eine Rolle spielt, der Kampf zweier Ideologien. Die Figur der Hexe, ansonsten eher in die Außenseiterposition gedrängt, wird hier für eine dieser Weltansichten verpflichtet, oder lässt sich vielmehr verpflichten unter der Gegenleistung eines Daseins abseits von Verfolgung. Gerade unter den Charakteren sieht man schnell, wie unterschiedlich dieser Aspekt aufgenommen wird, von totaler Verweigerung bis hin zur familiären Verpflichtung aufgrund eines Stammbaums, der nichts anderes erlaubt. Fort Salem vermischt in seiner ersten Staffel immer wieder diesen Kampf der Ideologien, das Drängen nach Anpassung mit dem Bedürfnis nach Freiheit, was gerade die von Taylor Hickson gespielte Raelle repräsentiert.

Die Gefahr des Rausches
Verglichen mit anderen Serien wie The Handmaid’s Tale erfindet Fort Salem das Rad nicht unbedingt neu, aber kann seinen Zuschauer vor allem durch die unterschiedlichen Charaktere und deren Hintergründe für sich gewinnen. Verwurzelt zum einen in Versatzstücken US-amerikanischer Geschichte wie dem Bürgerkrieg aber auch der Rolle des gesellschaftlichen Status innerhalb der amerikanischen Gesellschaft, zeigt sich dem Zuschauer eine buntes und sehr spannendes Allerlei von Figuren, die keinesfalls für ein gleiches Ziel kämpfen und zudem immer wieder aneinander geraten. Gerade vor dem Hintergrund der klaren, rigiden Strukturen des Militärs ergeben sich Reibungspunkte, speziell bei der Vermischung dieser mit Bräuchen wie der Walpurgisnacht, die jener Klarheit eher entgegengesetzt ist.

Daneben erzählt Fort Salem von einer Nation, die im Krieg mit sich selbst ist. Unsicher, wer ein Spitzel ist und wer nicht, ergibt sich eine Atmosphäre der Paranoia und einer Unklarheit, wer hier eigentlich böse ist und wer nicht. So erscheinen auch die Oberen des Militärs alles andere als eine weiße Weste zu haben, sondern vielmehr versteckte Ziele zu verfolgen, für welche die jungen Protagonistinnen Gefahr laufen instrumentalisiert zu werden.

Credits

OT: „Motherland: Fort Salem“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Steven A. Adelson, Amanda Tapping, Haifaa Al Mansour, MJ Bassett, Rebecca Johnson, Shannon Kohli, David Grossman
Drehbuch: Eliot Laurence, Brian Studler, Christopher Oscar Peña, Joy Kecken, Maria Maggenti, Nicole Avenia, Nikki McCauley, Eli Edelson
Idee: Eliot Laurence
Musik: Brandon Roberts
Kamera: Jon Joffin, Michael Wale
Besetzung: Taylor Hickson, Amalia Holm, Demetria McKinney, Jessica Sutton, Ashley Nicole Williams, Lyne Renée

Bilder

Trailer

Interview

Wie war das, in der Serie fliegen zu dürfen? Und welche Rolle würde sie sonst gerne mal spielen? Diese und weitere Fragen stellen wir Hauptdarstellerin Taylor Hickson in unserem Interview zu Motherland: Fort Salem.

Kaufen/Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Motherland: Fort Salem – Staffel 1
„Motherland: Fort Salem“ ist eine spannende Serie über Hexerei, Konformismus und die Angst vorm Kontrollverlust. Mag die Serie – zumindest in der ersten Staffel – das Rad nicht neu erfinden, so überzeugt sie doch durch ihre unverbrauchten und engagierten Darstellerinnen sowie die Welt, die sie erschafft.
7von 10

Hinterlasse eine Antwort