Kritik

Meuterei am Schlangenfluss Bend of the River

„Meuterei am Schlangenfluss“ // Deutschland-Start: 25. Dezember 1952 (Kino) // 10. August 2017 (DVD/Blu-ray)

Nach einer langen Zeit, in der er sich als Bandit und Gesetzloser durchgeschlagen hat, beschließt Glyn McLyntock (James Stewart), dass es an der Zeit ist ein solides Leben zu führen und begleitet einen Siedlertreck nach Oregon. Unter der Leitung Jeremy Bailes (Jay C. Flippen) soll eine neue Siedlung gegründet werden, eine Chance für McLyntock, sich als Farmer zu probieren und ein für allemal mit seinem alten Leben abzuschließen. Jedoch ist der Weg gefährlich und so trifft es sich gut, dass McLyntock in dem Banditen Emerson Cole (Arthur Kennedy) einen Begleiter findet, der ihn, nachdem ihn McLyntock vorm Galgen gerettet hat, zusammen mit diesem die Siedler vor einem Indianerangriff schützt. Als der Trech schließlich in Oregon ankommt, trennen sich die Wege der beiden Männer, wobei Bailes Tochter Laura (Julie Adams) zunächst noch in der Stadt verweilt, wurde sie doch bei dem Angriff von einem Pfeil verwundet. Nach einigen Monaten ist die Siedlung auf einem guten Weg, doch es fehlen die versprochenen Vorräte und auch von Laura hat niemand mehr was gehört. Als McLyntock in Portland nach ihr sucht, bemerkt er eine Veränderung in dem Ort, der nun von Goldschürfern überrannt ist, was den Preis für die Vorräte in die Höhe getrieben hat. Wieder mit der Hilfe Coles gelingt es McLyntock nicht nur Laura zu befreien, sondern auch die Vorräte auf den Dampfer zu verladen. Doch dieses Mal sind den beiden Männern nicht nur Banditen auf den Fersen, sondern zudem gibt es noch einen inneren Feind zu bekämpfen.

Die Versuchungen des Westens

Insgesamt sechs Western drehten US-Regisseur Anthony Mann und Darsteller James Stewart zusammen und auch wenn nicht alle ihrer Kollaborationen auf positives Kritikerecho stießen, wie beispielsweise Meuterei am Schlangenfluss, so markierten sie doch für beide eine sowohl wirtschaftlich wie auch künstlerisch sehr erquickliche Zusammenarbeit. Interessant ist ihre zweite Arbeit gerade deswegen, weil innerhalb der Geschichte mit eben jener Eindeutigkeit in der Zuweisung von Gut und Böse im Westerngenre gespielt wird. Meuterei am Schlangenfluss ist ein Film über Läuterung und Versuchung, eine Geschichte, die sich religiöser Motive bedient, aber diese mit dem Gründungsmythos der USA verbindet.

In vielen Western geht es um den Gedanken der Expansion und der Entdeckung, doch in Manns Film geht es vielmehr um das Konzept der Versuchung, die von eben jenem neuen Land ausgeht. Ähnlich wie beispielsweise schon Charlie Chaplin in Goldrausch sind es immer wieder die Ressourcen, welche zu einer Veränderung des Landes, in diesem Falle des kleinen Städtchens Portland, sowie der Menschen an sich beitragen. Das Gold steht hierbei an der Spitze, doch es sind auch Gewürze, Samen und andere Dinge, welche zum Spielball der Interessen werden, welche Begehrlichkeiten wecken und wegen derer es auch zu Blutvergießen kommt. Selbst die streng religiös erzogene Laura wird von jenen Versuchungen verführt, gesteht sie doch dem fassungslosen McLyntock, dass sie es für lukrativer hält in Portland zu bleiben, ein Akt des Verrates an ihrer Familie wie auch den anderen Siedlern.

Ein leuchtendes Beispiel

Ein Film wie Meuterei am Schlangenfluss definiert sich durch seine Dualität, welche von den Themen kommt, die das Drehbuch bedient. Doch auch ästhetisch, beispielsweise durch das Licht, die Musik wie auch die Farben, betonen Mann und Kameramann Irving Glassberg den Kontrast zwischen dem leuchtenden Beispiel der Siedlung, einer von Unschuld und Glauben geprägten Utopie, und dem düsteren, durch Selbstsucht und Gier bestimmten Orte wie Portland. Fast möchte man meinen, Drehbuchautor Borden Chase habe als Basis für die Geschichte jenes Fundament des Amerikanischen Traumes genommen, welcher nur durch harte Arbeit, Engagement und Ehrlichkeit erreicht werden kann. Die Siedlung erscheint fast wie eben jene „city upon a hill“, wie sie Prediger John Winthrop einst beschrieb und welche als leuchtendes Beispiel dienen soll für eben jene Werte des Amerikanischen Traumes, aber natürlich auch für die der Religion.

Besonders spannend wird die Geschichte gerade dann, wenn sich diese Dualität auch in den Seelen der Charaktere widerspiegelt. Figuren wie McLyntock oder Cole, betont durch ihre jeweiligen Darsteller, zeigen vor allem jenen inneren Kampf, der zwischen den beiden bereits beschriebenen Extremen changiert. Die Frage, die McLyntock an einer Stelle Jeremy Baile richtet und sich eigentlich auf Cole bezieht, mag auch auf ihr zurückweisen, geht es doch darum, ob sich jemand, der vorher Unrechtes begangen hat, ändern kann, womit nicht nur das Schicksal der Figur an sich auf dem Spiel steht, sondern vielmehr, ob jene Utopie der Unschuld überhaupt möglich ist.

Credits

OT: „Bend of the River“
Land: USA
Jahr: 1952
Regie: Anthony Mann
Drehbuch: Borden Chase
Vorlage: Bill Gulick
Musik: Hans J. Salter
Kamera: Irving Glassberg
Besetzung: James Stewart, Athur Kennedy, Julie Adams, Rock Hudson, Jay C. Flippen, Lori Nelson

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Meuterei am Schlangenfluss
„Meuterei am Schlangenfluss“ ist ein in vielerlei Hinsicht beeindruckender Western. Anthony Mann verhandelt im Gewand eines Western die Erfüllbarkeit amerikanischer Grundwerte, ob Menschen sich verändern können oder durch Gier und Selbstsucht alleine bestimmt werden.
7von 10

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