Kritik

Mate

„Mate“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Nicht nur in der Liebe klappt für den Fotografen Joon-ho (Shim Hee-sub) gerade nicht so besonders, auch auf seinem Bankkonto sieht es alles andere als gut aus für ihn, sodass er sich nun auf Jobsuche begeben muss sowie sich abermals mit Dating-Apps befassen. Während es ihm schon bald gelingt einige, wenn auch zeitlich begrenzte Stellen zu ergattern, sieht es in Sachen Beziehung nach wie vor eher mau aus und sein einziges Treffen mit einer Bekanntschaft über eine Dating-Plattform verläuft im Sande. Als er dann eine Stelle bei einem Magazin als Fotograf angeboten bekommt, ist die Überraschung groß, denn vor ihm steht Eun-ji (Jung Hye-sung), eben jene Frau, mit der jenes bisher einzige Treffen hatte nach seiner Trennung. Wie sich herausstellt, hat sie für einen Artikel über Dating-Apps sich bei einigen von diesen angemeldet und so eben Joon-ho getroffen, der zunächst gar nicht begeistert davon ist, Teil dieser Recherche gewesen zu sein. Mit der Zeit ergibt sich mehr zwischen den beiden und sie kommen darin überein, eine Freundschaft Plus zu führen, da keiner von ihnen momentan eine feste Beziehung haben will. Besonders Eun-ji kommt diese Einigung gelegen, hat sie doch ein Verhältnis mit ihrem und Joon-hos Chef. Joon-ho hat derweil mit einer anderen Person in seinem Leben zu kämpfen, nämlich seinem Vater, der todkrank in einem Hospital liegt und den er seit Jahren schon nicht mehr gesehen hat.

Die Frage zwischen Mann und Frau
Der zweite Film des Südkoreaners Jung Dae-gun, der nun auf dem Korean Independent Online Festival gezeigt wird, befasst sich mit Themen wie Partnerschaft, Beziehungen und Familie sowie mit sozialen Medien als maßgebliche Faktoren, welche diese Aspekte unseres Lebens verändert haben. In Mate wagt er einen Blick auf die „Generation N Four“, eine Generation, die eine veränderte Sicht auf Beziehung, Heirat und Kinder vertritt und sich von der traditionellen Sichtweise auf diese Themen abhebt. Der Ton des Film changiert hierbei zwischen romantischer Komödie und Drama, versteht sich aber auch als eine Art Porträt zweier Menschen, die versuchen, eben jene Aspekte ihres Lebens in den Griff zu bekommen, aber gefangen sind, da sie sich nicht festlegen wollen.

Es ist ein zentraler Satz, der ungefähr zu Anfang von Mate steht und so etwas wie die These aufwirft, die nun in den folgenden 90 Minuten verhandelt wird, nämlich die Frage, ob eine Freundschaft zwischen Mann und Frau überhaupt existieren kann. Auch in Jung Dae-guns Drehbuch steht die seit Rob Reiners Harry und Sally bekannte Frage im Raum, die beide Protagonisten meinen, für sich schon längst beantwortet zu haben. Doch zwischen Joon-ho und Eun-ji geht es nicht nur um die körperliche Liebe, sondern um zentrale Entscheidungen, was ihr Leben angeht, bei denen sie sich aber nicht festlegen lassen wollen. Ist die Beziehung zu ihrem Boss ein ewiger Quell der Freude wie auch des Unglücks für sie, sind die Gespräche mit der Mutter, die eine ganz andere Sichtweise auf viele Aspekte des Lebens repräsentiert, eine Konfrontation mit dem, was in Joon-hos Leben fehlt. Dabei ist die Neudefinition, so scheint es Jung Dae-guns Skript zu beschreiben, nicht das Problem, aber die Distanz, die man zwischen sich und dieser etabliert hat, welche bisweilen in die Selbst-Isolation führt.

Nur eine Notfalllösung
Interessant wird es in Mate vor allem dann, wenn die beiden Konzepte des Lebens miteinander kollidieren, auch wenn Jung Dae-gun seinem Thema wenig Neues abgewinnen kann. Dem Zusammenhalt der Familie oder eines Paares steht gegenüber das Fragmentarische der Moderne, die fast schon erholsame Erkenntnis, die Familie des Gegenübers ist genauso verteilt wie die eigene. Dabei erscheint dies bei genauem Hinsehen weniger eine Tatsache zu sein, als vielmehr ein subjektives Empfinden oder eine Phrase zu sein, die man eben bei einem Date hinter sich bringen muss. Besonders das erste Treffen zwischen Joon-ho und Eun-ji wirkt so, als ob man, der Logik eines Algorithmus folgend, spezifische Informationen abhaken will, um sich besser zu „verkaufen“ gegenüber dem anderen.

Die Optionen des modernen Lebens, ähnlich den Vorschlägen der Dating-App, stehen für die Bandbreite an Entscheidungen, die man vor sich hat, die aber auch den Konflikt ausmachen. Auf die Dauer nur die „Notfalllösung“ für den Anderen zu sein genügt nicht.

Credits

OT: „Meiteu“
Land: Südkorea
Jahr: 2019
Regie: Dae-gun Jung
Drehbuch: Dae-gun Jung
Musik: Narae
Besetzung: Hee-sub Shim, Hye-sung Jung, Hae-yeon Gil, Sin-hwan Jeon

Bilder

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Mate
„Mate“ ist eine ganz solide Mischung aus Drama und romantischer Komödie. Jung Dae-gun greift in seinem zweiten Spielfilm durchaus viele interessante Themen auf und kann sich auf seine beiden Hauptdarsteller verlassen, doch im Großen und Ganzen bleibt Mate doch etwas sehr beliebig und gefällig.
6von 10

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