Oliver Kalkofe ist ein bekannter deutscher Moderator und Komiker. Den meisten Zuschauern wird er vor allem wegen durch Formate wie Kalkofes Mattscheibe oder SchleFaZ (Die schlechtesten Filme aller Zeiten) auf Tele 5 ein Begriff sein. Darüber hinaus hat sich Kalkofe auch einen Namen als Produzent und Autor von sowie Darsteller in Der Wixxer und Neues vom Wixxer gemacht, die vor kurzem in einer üppig ausgestatteten Edition von Turbine Medien herausgebracht wurde. Im Kino waren beide Filme große Erfolge bei Publikum und Kritik. Im Interview sprechen wir mit Oliver Kalkofe über seine Erinnerungen an den Dreh, über Parodien und die Zukunft des Wixxers.

Welche Erinnerungen hast du an die Dreharbeiten zu den beiden Wixxer-Filmen? Gibt es vielleicht eine oder mehrere Episoden, die dir besonders im Gedächtnis geblieben sind?
Da gibt es sehr viele, alleine schon deswegen, weil mich das Projekt mehrere Jahre begleitet hat. An Neues vom Wixxer habe ich die definitiv schöneren Erinnerungen, denn bei Der Wixxer lief vieles noch nicht so, wie wir das wollten. Beim ersten Film gab es noch viele Schwierigkeiten, aber beim zweiten fühlten wir uns sicherer und wohler, und dazu kam noch die Erfahrung mit Joachim Fuchsberger drehen zu dürfen. Diese Begegnung mit ihm ist eine der schönsten Erinnerungen, die ich habe, wobei wir anfangs sehr nervös waren und dachten, er würde uns und den Film gar nicht möglich, weil er sich mal so in der Zeitung geäußert hatte, ohne ihn allerdings zu sehen. Wir haben ihm dann den Wixxer geschickt und er nahm seine Äußerung von damals zurück, denn er erkannte dass wir uns nicht einfach über die Originale lustig machten, sondern viel Respekt und Liebe in die Arbeit gesteckt hatten. Der Tag, an dem Fuchsberger das erste Mal zum Dreh kam, war auch das erste Mal, dass ich ihn persönlich gesehen habe, denn vorher hatten wir nur schriftlichen Kontakt gehabt. In der Nacht vorher hatte ich auch ganz schlecht geschlafen, sein Flieger war ausgefallen und ich träumte, er wäre entführt worden. Wir machten uns Gedanken darüber, was er von uns und dem Projekt halten würde, doch als er dann kam, drehten wir gerade eine Szene vom Finale und ich ging zu ihm und sagte, wie sehr wir uns freuen würden, dass er nun bei uns sei. Dann drehte er sich um, schaute mich einen kurzen Moment ernst an, bis sich sein Gesicht aufhellte und er meinte: „Ja, was meint ihr denn, wie ich mich freue endlich bei euch zu sein.“ Als er mich dann noch in den Arm nahm, fielen mir und der Crew wirklich Steine vom Herzen. Daraus ergab sich eine wunderbare Drehzeit mit ihm und eine wunderbare Freundschaft.

Ich finde es immer noch unglaublich, dass ein Joachim Fuchsberger in seiner Rolle sich gar zu Witzen über den Stuhlgang herablässt und dies mit einer solchen Ernsthaftigkeit.
(lacht) Das war wirklich Wahnsinn. Joachim Fuchsberger war viel lockerer und cooler, als ich es je gedacht hatte. Er war ein Mensch, der uns immer wieder total beeindruckt hat, sodass ich sagen muss, dass ich nur hoffen kann, im Alter mal wenigstens ansatzweise so drauf zu sein, wie er es am Set von Neues vom Wixxer war. Er war immer höflich, nett und respektvoll zu absolut jedem am Set, hatte einen tollen Humor und wachen Geist. Ich bin unendlich dankbar, dass ich ihn kennenlernen und mit ihm zusammenarbeiten durfte.

Wahlweise werden die Filme als Hommage und dann wieder als Parodie gesehen? Wie stehst du dazu?
Ich denke, die Filme vereinen beides. Eine gute Parodie kann man nur machen, wenn man das Originalmaterial auch liebt oder zumindest in irgendeiner Form schätzt, denn sonst wird es einfach nur ein billiges Nachäffen. Die Wixxer-Filme sind eine Hommage an die Wallace-Filme, die ich als Kind geschaut habe, extrem spannend fand und vor denen ich mich ernsthaft gruselte. Wenn man sie sich später dann noch mal ansieht, bemerkt man natürlich, das vieles auch übertrieben, altmodisch oder albern war, vergisst aber dennoch nicht, wie viel Spaß man an den Streifen hatte. Für mich war wichtig, dass sich diese echte Freude an den Originalen in den Wixxer-Filmen wiederfand, so wie auch all die Aspekte, die sie eben einmalig machten, z.B. die unheimliche Atmosphäre, der Nebel, die s/w-Welt oder die maskierten Schurken. Mein Mittel, um eine Geschichte anzugehen, führt nun mal immer über den Humor. Dabei möchte mich aber nicht über die Vorlage einfach lustig machen, sondern die Idee der Vorlage parodistisch weiterführen. Deswegen gibt es in den Wixxer-Filmen Figuren, wie sie in den Originalen vorkamen, aber auch welche, die neu hinzukamen oder die Originale weiter überspitzt haben. Die Figur des Wixxers selbst ist zwar eine Parodie, aber man muss ihn auch ernst nehmen. Und genau so kann man das auf die Filme an sich übertragen: Sie sollen als Komödie und Parodie funktionieren, aber man soll auch sehen, dass wir vor den Original-Wallace-Filmen großen Respekt haben.

Dies scheint ja seinerzeit auch viele Kritiker und Zuschauer überrascht zu haben, die dich nur aus Kalkofes Mattscheibe kennen und mit einer gewissen Erwartungshaltung in den Film gingen.
Das ist richtig und die ersten Reaktionen gingen auch in die Richtung, dass sich einige vielleicht etwas anderes vorgestellt hatten. Doch das war auch die Absicht von Bastian Pastewka, Oliver Welke und mir, weil wir keine Fans sind von solchen Filmen, in denen ein Schenkelklopfer-Spruch nach dem nächsten kommt. Figuren wie „Der lustige Dicke“ oder „Der tuntige Schwule“, wie man sie in so vielen Klamauk-Filmen findet, interessierten uns nicht. Wir selbst sind eher Fans von Monty Python oder Filmen wie Die nackte Kanone oder Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, sprich liebevoll gemachte Parodien oder eben anarchische Komödien wie Das Leben des Brian. Diese Art von Humor war zwar zu der Zeit, als wir in die Planung zu dem Projekt gingen, im deutschen Kino nicht gerade angesagt, aber etwas anderes hat uns nicht interessiert. Aber gerade weil wir uns an diese Art von Humor gehalten haben und bei allem Retro-Feeling dadurch eine zeitlose Welt schufen, wie sie auch in den Wallace-Filmen vorkommt, sind die Wixxer-Filme so gut gealtert. Man muss ja bedenken, dass es das England der Wallace-Filme auch nie wirklich gegeben hat. Dieses mysteriöse Schwarz-Weiß-England, in ewigen Nebel getaucht und in dem sich seltsame, maskierte Superschurken in Froschkostümen herumtreiben, ist in dieser Filmversion eine rein deutsche Erfindung. Es ist eher wie eine Märchenwelt und deswegen, wie eben Märchen, zeitlos. Das kann man dann natürlich umso besser mit modernen Zeiten ironisieren und aktuelle Bezüge einbauen, aber das Ganze spielt in einer undefinierten eigenen Zeitblase. Deswegen kann man sich die Filme auch heute noch anschauen und kann eigentlich kaum sagen, dass sie gealtert sind, denn die Wixxer-Welt war schon immer altmodisch.

In beiden Filmen wird ja gerade mit diesem Aspekt dieser unwirklich erscheinenden Märchenwelt, die dann aber auch wieder Bezüge zum Hier und Jetzt aufweist, gespielt. Wie lange haben du und dein Team gebraucht um beispielsweise diesen Effekt des Übergangs von der schwarz-weißen in die farbige Welt hinzubekommen?
Vieles, von dem, was wir uns mit Der Wixxer vorgenommen hatten und dann auch umsetzten, war zu der Zeit, als der Film in Produktion ging, sehr gewagt, weshalb ich auch eben sagte, dass ich mit dem zweiten Film schönere Erinnerungen verbinde. Als wir Der Wixxer planten und schrieben, gab es keine Comedy-Filme dieser Art in Deutschland, weshalb alle sehr gespannt waren, wie sich Michael Herbigs Der Schuh des Manitu im Kino wohl machen würde. Keiner glaubte an den gigantischen Erfolg, den der Film dann hatte, gerade weil man damals auch die Bullyparade ja noch eher ein kleineres Publikum und nicht den Mainstream ansprach. Durch den Erfolg von Manitu kam dann aber auch ein gewisser Druck. Zum einen erwartete man, dass jede Parodie danach noch lustiger mit dieser Art von Humor sein sollte und außerdem befürchtete man z.B. von Seiten des Verleihs, die Schwarz-Weiß-Sequenzen, die wir im Wixxer planten, könnten ein gewisses Risiko darstellen und der Film wäre dadurch nicht bunt genug. Diese Bedenken, wie auch viele andere, begleiteten die Dreharbeiten, weshalb auch vieles, was wir uns vorgenommen hatten, beim Dreh oder im Schnitt herausfiel. Eine Zeitlang befürchtete man sogar, der Anfang in schwarz-weiß könnte für jüngere Zuschauer zu verwirrend sein – als ob sie dann den Kinosaal verlassen und sich beim Vorführer beschweren würden. Das Publikum wird halt immer erst einmal für dumm gehalten und mit allem Neuen hat man Angst sie zu überfordern. Dabei wollen die Zuschauer etwas sehen, das sie noch nicht bereits tausendmal gesehen haben. Wir waren uns sicher, dass das Publikum das schon alles verstehen würde – und zum Glück wurde das ja auch bewiesen. Bei Neues vom Wixxer waren alle deshalb viel entspannter und wir hatten wesentlich mehr Freiheiten.

Besonders interessant finde ich das Kostüm vom Wixxer? Abgesehen einmal von den herrlichen Kostümen der Wallace-Filme, welche Inspirationen gab es dafür?
Unsere Vorgabe für die Kostüme war natürlich, dass sie vom Design her auch in den alten Wallace-Filmen hätten vorkommen können, aber trotzdem etwas moderner, denn hätte man damals die Mittel gehabt, wären die Kostüme vom Grünen Bogenschützen oder dem Schwarzen Abt mit Sicherheit auch anders ausgefallen.

Bei der Figur des Wixxers war die Vorgabe „Der lachende Tod“ aus Im Banne des Unheimlichen, aber nicht zu sehr in Richtung Udo Lindenberg, dafür lieber mit einem Hauch ‚Matrix‘. Das Kostüm fand ich schon immer herrlich albern, aber auch irgendwie angsteinflößend, also im Grunde eine Spiegelung der Gefühle, die ich für die Wallace-Filme ganz allgemein empfand. Der Wixxer bekam davon dann ein Upgrade, das eher in Richtung Kampfanzug ging, sodass man ihn als Bedrohung auch heute noch ernst nehmen konnte.

Neben Darstellern wie Joachim Fuchsberger versammeln die Filme ja auch eine ganze Reihe von Menschen aus dem Bereich Comedy wie Anke Engelke, Christoph Maria Herbst und Olli Dittrich. Wie hast du diese Leute für das Projekt gewonnen?
Zu der Zeit, als Der Wixxer in Produktion ging, hatten sie alle noch nicht so viel Kino-Erfahrung wie heute. Anke Engelke war bekannt aus Wochenshow und Ladykracher, hatte aber noch keine großen Filme gedreht,  Christoph Maria Herbst wurde uns empfohlen und hat dann, wie jeder weiß, eine solch grandiose Performance hingelegt als Hatler, dass es uns schon beim Dreh umgehauen hat. Olli Dittrich hatte schon ein paar Improvisationsprojekte mit Anke gehabt und Bastian sowieso, daher gab es also diverse Verbindungen, über die wir all unsere Wunschdarsteller schnell für unser Projekt gewinnen konnten. Wir haben eigentlich genau die Leute ausgewählt, die wir als Schauspieler toll fanden oder über die wir auch selbst lachen konnten, aber nicht einfach Comedians oder Stars, die vielleicht gerade angesagt waren. Bastian und ich hatten keine oder nur sehr wenig Film-Erfahrung und deshalb wollten wir Darsteller, die sozusagen vieles wieder herausreißen konnten. (lacht)

Auch auf die Gefahr hin, dich vielleicht mit dieser Frage zu nerven, aber wie stehen eigentlich die Planungen zu Triple Wixx? In Bezug auf die derzeitige Krise im Kino bedingt durch die Corona-Krise, meinst du, dass es dann noch Kinos geben wird, in denen der Film laufen wird?
Das Universum der Filme lässt natürlich noch sehr viele Geschichten zu und wir waren schon ein paar Mal kurz davor, einen dritten Teil zu drehen. Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn die Wixxer-Welt noch einmal ihre Tore öffnen würde, vielleicht ergibt sich irgendwann einmal ein Sternbild mit drei X und es klappt tatsächlich. Ich bin mir sicher, der Wixxer sitzt irgendwo in einem Verlies oder geheimen Bunker und plant die Weltherrschaft, und wie bei allen Superschurken weiß man eben nie, wann genau er dann wieder zuschlagen wird. Ich wäre für seine Rückkehr jedenfalls bereit, und es muss ja auch nicht unbedingt fürs Kino sein.

Doch ich hoffe und glaube auch, dass das Kino generell überleben wird. Ich habe zwar eine gute TV-Kino-Anlage daheim, aber dennoch lässt sich dies mit der Erfahrung, wirklich im Kino zu sitzen und konzentriert einen Film zu genießen, absolut nicht vergleichen. Ein Film, an dem vielen Menschen so viele Jahre gearbeitet haben, verdient es einfach, in einem Kino zelebriert zu werden. Man soll ihm den Respekt zollen, ihn ganz auf ihn einzulassen, ohne die Ablenkungen, die man zwangsläufig zu Hause immer hat. Gerade in schwierigen und verrückten Zeiten wie diesen brauchen wir das Kino dringender denn je – und deshalb dürfen wir es auch niemals sterben lassen.

Vielen Dank für das nette Gespräch.

Zur Person
Oliver Kalkofe wurde am 12. September 1965 in Engelbostel geboren. Er machte zunächst eine Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten und Wirtschaftsdolmetscher in Englisch und Französisch und begann anschließend ein Studium der Publizistik, Anglistik und Germanistik, das er jedoch vorzeitig abbrach. Nach ersten Erfolgen beim Radio wechselte er ins Fernsehen und feierte mit seiner Sendung Kalkofes Mattscheibe, in der er sich satirisch mit dem Mediengeschehen in Deutschland beschäftigt. Bekannt wurde er zudem durch die Krimiködie Der Wixxer, als Moderator der Sendung Die schlechtesten Filme aller Zeiten (SchleFaZ) und als Synchronsprecher.



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