Kritik

Der Wixxer

„Der Wixxer“ // Deutschland-Start: 20. Mai 2004 (Kino) // 25. September 2020 (DVD/Blu-ray)

In London gehen schon seit langem zwielichtige Gestalten und Mörder um wie der „grüne Bogenschütze“ oder der „Frosch mit der Maske“, doch die haben neuerdings Konkurrenz bekommen von einem weiteren Superschurken der sich „Der Wixxer“ nennt und offiziell die Jagd auf die anderen Schurken eröffnet hat. Nach dem Mord an dem „Mönch mit der Peitsche“ und dem Verschwinden einer ostdeutschen Touristin beauftragt Scotland Yard Inspektor Even Longer (Oliver Kalkofe) sowie seinen neuen Partner Very Long (Bastian Pastewka) mit den Ermittlungen in dem Fall. Noch immer traumatisiert vom Tod seines Partners Rather Short, gefällt es Longer gar nicht, dass dieser nun durch den überkorrekten und etwas tollpatschigen Very Long ersetzt werden soll, doch in dem Fall kann er jede Hilfe brauchen. Die Spur führt die beiden Ermittler zum Blackwhite Castle, einem der letzten ganz in Schwarz-Weiß gehaltenen Schlösser Englands, wo nicht nur der schmierige Earl of Cockwood (Thomas Fritsch) lebt, sondern in dessen Nähe auch der Mönch umkam. Zwar hat Cockwood nach wie vor Verbindungen in die Unterwelt, doch als sich weitere Morde ereignen, sind Longer und Long gezwungen, von ihrer Theorie Abstand zu nehmen. Derweil hat Cockwood andere Probleme neben dem Wixxer, denn er will mittels einer Heirat mit Jennifer Pennymarket (Tanja Wenzel) seine Position als Nachfolger des alten Schlossherren Lord Blackmore zementieren.

„Hier spricht Edgar Wallace sein Nachbar!“
Seine Ursprünge hat die Geschichte vom Wixxer in Das Frühstyxradio, bei der Oliver Welke und Oliver Kalkofe in verschiedenen Rollen zu hören waren und war schon damals als Parodie auf die Edgar-Wallace-Verfilmungen der 1950er und 1960er gedacht. Immer wieder bemühte man sich um eine Verfilmung des Stoffes, was Anfang der 2000er bei vielen Produzenten auf taube Ohren stieß, traute man einer deutschen Komödie doch nicht zu, dass sie für volle Kinosäle sorgen könnte. Trotz vieler Schwierigkeiten schafften es Der Wixxer dann doch ins Kino und sticht bis heute in der mittlerweile großen Flut deutscher Klamauk-Komödien hervor als eine Filmreihe, die sich zwar als Parodie versteht, aber ihre Vorlage doch ernst nimmt und sich zudem durch ihre hohe Anzahl an visuellen Gags noch heute sehen lassen kann.

Zunächst einmal wäre da die Auseinandersetzung mit den Vorlagen, der Atmosphäre und den unverwechselbaren Charakteren der Wallace-Filme und -Romane. Mag man auch über den literarischen Wert eines Edgar Wallace streiten, so muss man dennoch anerkennen, welche Bandbreite an Charakteren er schuf und die Version Londons, die Austragungsort diverser Möderhatzen war. Mit dem ironischen Verweis, es handele sich um die Stimme von „Edgar Wallace sein Nachbar“ ganz zu Anfang des Filmes, verdeutlicht der Film Tobi Baumanns zum einen seine Inspirationen, doch auch seine Andersartigkeit, die sich als Satire auf und als Hommage an die Vorlage versteht.

Neben dem London der Wallace-Romane, dem Blackwhite Castle und dem obligatorischen Moor gibt es da noch eine neue Welt, in der sich Girlgroups, Rosenverkäufer und sogar der unverwüstliche Achim Menzel tummeln. Es ist eine Welt, die irgendwo dazwischen angesiedelt ist, in der alles erlaubt ist, wie auch schon bei den Vorlagen. Gerade dieses Verständnis der Welt macht den großen Reiz dieses Films aus, der durch diese Aspekte seine Wertschätzung für das Original beweist.

In Schwarz-Weiß und in Farbe
Neben einer ganzen Reihe witziger Dialoge, die durch die Darstellung solcher Improvisationstalente wie Bastian Pastewka, Anke Engelke, Christoph Maria Herbst und dem großartigen Olli Dittrich besonders zur Geltung kommen, sind es auch die visuellen Details, die Der Wixxer wie auch dessen Fortsetzung besonders machen. Fast wie der Übergang in einer Märchenwelt, von Technicolor in das Schwarz-Weiß der Wallace-Filme gelingt der Übergang zwischen einzelnen Handlungsorten, ein Wechsel nicht nur der filmischen Form, sondern auch eine Verneigung vor dieser Welt, welche Wallace schuf. Es ist eine mit eigenen Regeln, mit denen man natürlich nach Belieben spielen kann, wie beispielsweise dem Auftritt Christoph Maria Herbsts als Hatler oder den Missverständnissen, welche die englische Sprache mit sich bringt, wenn Even Longer die Übersetzung für trap door (Falltür) nicht mehr einfällt.

Credits

OT: „Der Wixxer“
Land: Deutschland
Jahr: 2004
Regie: Tobi Baumann
Drehbuch: Oliver Kalkofe, Oliver Welke, Bastian Pastewka
Musik: Andreas Grimm
Kamera: Gerhard Schilo
Besetzung: Oliver Kalkofe, Bastian Pastewka, Thomas Fritsch, Tanja Wenzel, Olli Dittrich, Wolfgang Völzl, Anke Engelke, Christoph Maria Herbst

Trailer

Interview

Wie waren damals die Dreharbeiten zu Der Wixxer? Worin besteht die Kunst der Parodie? Und wie wird es mit dem Kino weitergehen? Diese und weitere Fragen haben wir Oliver Kalkofe in unserem Interview gestellt.

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Der Wixxer
„Der Wixxer“ ist eine sehr vergnügliche Parodie und Hommage an die Edgar Wallace-Filme. Durch hohen Sprachwitz, visuelle Gags sowie eine Liebe für die Vorlage gelingt eine sehr unterhaltsame Wiederbegegnung mit dem Wallace-England sowie seinen ganzen Schurken, aber auch mit seinen ganzen Albernheiten und Überzeichnungen.
7von 10

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