Kritik

Black Sun

„Black Sun“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Nach dem Tod seines Vaters macht sich dessen Sohn (Enes Yurdaun) auf den Weg zurück in seine Heimat, eine Insel inmitten der türkischen Ägäis. Eilig hat er es jedoch nicht, wieder nach Hause zu kommen, denn er macht noch einige Umwege, sieht sich die Landschaft an, geht schwimmen und checkt in ein Hotel ein, von wo aus er zu Hause anruft. Als er dann noch die Fähre auf die Insel verpasst, ist die Beerdigung schon lange abgeschlossen und er kann sich, zusammen mit seiner Mutter und Schwester nur noch damit begnügen die Essensreste von der Trauerfeier zu essen.

So richtig schlau wird man aus dem Protagonisten aus Arda Çiltepes Kurzfilm Black Sun, der auf dem diesjährigen Filmfest Braunschweig zu sehen ist, nicht gerade. Ohne viel zu sagen, reist er durch die heiße Landschaft, hält ab und zu, um etwas zu trinken, schwimmen zu gehen oder sich die Unterhaltung eines alten Metzgermeisters mit seinem Angestellten anzuhören über die Qualität des Fleisches und die Klimaerwärmung. Zusammenpassen will hier eigentlich nicht sehr viel, und man reagiert als Zuschauer etwas überrascht, als man hört, die Reise des Mannes hat tatsächlich ein Ziel.

Rätselhafte Vorboten
Doch gerade hier ergibt sich der Kern dieses Kurzfilms, der keinesfalls ein Ankommen, sondern eine Zwischenphase beschreibt, das Ungefähre und nicht das Feststehende. Die Trauer und Verwirrung transportiert sich nicht nach außen hin, auch wenn sie scheinbar immer wieder einen Punkt sucht, um sich festzumachen. Überall lassen Vorausdeutungen auf eine Veränderung sehen, wie beispielsweise der alte Metzger ihm zu verstehen gibt, der von Signalen aus dem Weltall berichtet. Die Neuigkeit über eine Sonnenfinsternis gefolgt von der Schlagzeile eines erneuten Verfalls der türkischen Lire passen da in das Bild einer Veränderung, die nicht gerade positiv besetzt zu sein scheint.

Diese Themen finden ihre Entsprechung in der Form von Black Sun, im Schnitt und in dessen Bildern. Ästhetisch folgt der Film einer Art Home-Video-Form, die auf das Innere des Protagonisten verweist, an das man als Zuschauer nie wirklich vordringt. Der Schnitt wirkt abrupt, disharmonisch, was insgesamt die Erfahrung der Figur fragmentarisch erscheinen lässt.

Credits

OT: „Siyah Güneş“
Land: Türkei, Deutschland
Jahr: 2019
Regie: Arda Çiltepe
Drehbuch:  Arda Çiltepe, Julia Tielke
Kamera: Julia Tielke
Besetzung: Enes Yurdaun, Seren Sirince, Semith Gülen, Ariya Toprak, Ercan Kesal, Nur Sürer, Sencar Sagdiç

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Black Sun
„Black Sun“ ein bisweilen enigmatischer, hermetischer Kurzfilm über eine Übergangsphase im Leben, vielleicht auch in der Welt. Arda Çiltepe gelingt ein narrativ wie visuell ambivalenter Film, der seinem Zuschauer Rätsel aufgeben wird.
6von 10

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