Kritik

Aalto Architektur der Emotionen

„Aalto – Architektur der Emotionen“ // Deutschland-Start: 5. Februar 2021

Eines der berühmtesten Zitate, welches dem finnischen Architekten Alvar Aalto zugeordnet wird, lautet: „Die große Gefahr der modernen Architektur ist die Monotonie“. So richtig anfreunden konnten sich Aalto wie auch seine beiden Lebensgefährtinnen Aino und Elissa Aalto mit den vielen Vertretern der Moderne nicht und gingen deshalb einen eigenen und in vielerlei Hinsicht sehr erfolgreichen Weg, der den Namen auch über die Grenzen Finnlands zu einem Synonym für wegweisende, harmoniebedachte Architektur ist. Zahlreiche Projekte gehen auf das Konto der Architekten, der Seite an Seite mit seinen beiden Ehefrauen arbeitete, zuerst mit Aino, und nach ihrem Tod dann Elissa. Alleine in Deutschland zeugen Bauten wie das Aalto-Theater in Essen oder die Heilig-Geist-Kirche in Wolfburg-Klieversberg von dem Erfindungsreichtum und der Philosophie des Architekten, neben den zahlreichen Designs für Möbel, die er vor allem zusammen mit Aino entwarf.

In seinem Dokumentarfilm Aalto – Architektur der Emotionen, welcher unter anderem bei den Nordischen Filmtagen Lübeck wie auch dem diesjährigen Filmfest Braunschweig zu sehen ist, erzählt der finnische Regisseur Virpi Suutari von dem bewegten Leben der Aaltos, ihrer Lebens- und Kunstphilosophie. Einer chronologischen Struktur folgend beginnt der Film mit der ersten Begegnung Alvars und Aino, zeichnet deren diverse Einflüsse nach, ihrer besonderen Partnerschaft und ihren Umgang mit Vertretern der modernen Architektur wie Walter Gropius und Le Corbusier. Neben einer ganzen Reihe von Zeitzeugen, Experten und Biografen, greift Suutari zudem auf eine Vielzahl von Archivmaterialien sowie die Korrespondenz Alvar Aaltos mit seinen Ehefrauen zurück, welche einen teils sehr intimen Einblick in die besondere Beziehung zu Aino und später dann zu Elissa offenbaren.

Mit der Welt im Dialog
Das Vorhaben, ein bewegtes Leben wie das eines Alvar Aaltos zu erzählen, ist wahrlich eine Mammutaufgabe, der sich Suutari mit seinem Projekt gestellt hat. Von daher ist es wenig verwunderlich, dass die Informationsflut teils sehr hoch ist, die auf den Zuschauer während des Films einprasselt, begleitet er die Aaltos doch über fünf alleine schon historisch sehr bewegende Jahrzehnte der Weltgeschichte, nämlich von den Anfängen in den 1920er Jahren, als jemand wie Aalto noch als radikal galt wegen seiner Ideen, bis zu den 70er Jahren, in denen der Architekt für viele ein Sinnbild eines kapitalistischen Künstlers geworden war, zu einer fast schon geächteten Koryphäe. Spannend ist dabei zu beobachten, wie die Idee des Dialogs, eingeführt durch die bereits erwähnte Korrespondenz, sich als zentrales Gestaltungselement sowohl in den Möbeln wie auch in den Projekten widerspiegelt.

Dies ist dann auch eine der wahrlich spannenden Kernideen dieses Films. Immer wieder findet sich die Idee des Dialogs, der Harmonie in den Äußerungen Aaltos selbst wie auch denen des Gesprächspartner Suutaris. Doch es sind nicht zuletzt die Aufnahmen der Gebäude selbst, im Kontext ihrer jeweiligen Umgebung, welche zeigen, welche Prinzipien bei der Planung und Durchführung eine Rolle spielen, welche Fragen bezüglich sozialer, politischer oder gar wirtschaftlicher Natur zum Tragen kommen, wenn es um Form, Material und andere Aspekte eines Gebäudes oder eben eines Möbelstücks geht.

Doch es ist nicht nur ein Dialog mit der Zeit und der Welt, sondern auch einer der Ideen. Gerade in der für seine Zeit eher unüblichen Beziehung mit Aino und später auch Elissa Aalto zeigt sich ein Verständnis, was unabhängig ist von klassischen Rollenbildern und auf dem Prinzip der Gleichheit beruht. Inspirationen und Ideen können für beide von überall her kommen, von anderen Architekten, Künstlern wie auch anderen Beziehungen. Diese Offenheit findet sich gerade in den Projekten wieder, welche die Aaltos in ihrem Heimatland realisiert haben.

Credits

OT: „Aalto“
Land: Finnland
Jahr: 2020
Regie: Virpi Suutari
Drehbuch: Jussi Rautaniemi
Musik: Sanna Salmenkaillo
Kamera: Heikki Färm, Jani Kumpulainen

Bilder

Trailer

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Aalto – Architektur der Emotionen
„Aalto – Architektur der Emotionen“ ist ein informativer und detailreicher Dokumentarfilm über die Aaltos, ihre Kunst, ihre Beziehung und ihre Leben. Durch extensive Recherche und damit verbunden eine Vielzahl von Archivmaterialien gelingt Virpi Suutari ein spannender Einblick in ein interessantes Leben, in dem Kunst und Harmonie einhergingen.
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