Kritik

Yakari Der Kinofilm

„Yakari – Der Kinofilm“ // Deutschland-Start: 29. Oktober 2020 (Kino)

Für den kleinen Yakari gäbe es nichts Größeres, als endlich einmal auf Kleiner Donner zu reiten. Doch daraus wird wohl nichts: Noch niemandem ist es gelungen, das stürmische Wildpferd einzufangen, geschweige denn es zu zähmen. Auch als die Jäger seines Stammes eine Gruppe von Mustangs stellen, gelingt es dem Jungtier mal wieder zu entkommen. Kurze Zeit später kommt es dafür zu einem erneuten Zusammentreffen, als Yakari das Pferd aus einer misslichen Lage befreit. Großer Adler, das Totemtier des Jungen, ist so sehr von dessen Güte beeindruckt, dass er ihm daraufhin die Gabe verleiht, mit Tieren sprechen zu können. Eine Gabe, die ihm schon bald sehr nützlich sein wird, als er nicht ganz freiwillig ein großes Abenteuer antritt …

Auch wenn Yakari mit seinen acht Jahren noch recht jung ist, eigentlich handelt es sich dabei um einen alten Hasen. 1969 trat der Junge aus dem Stamm der Sioux erstmals in Erscheinung, damals in Form eines Comics von André Jobin und Claude de Ribaupierre. Die Reihe wird nach wie vor fortgesetzt, auch wenn Jobin seiner Textertätigkeit inzwischen an Joris Chamblain abgegeben hat. Hinzu kommen mehrere Zeichentrickserien und ein Musical, welche die Abenteuer Yakaris thematisieren. Auf einen Film mussten die Fans jedoch lange warten. Diese Wartezeit hat nun ein Ende, mit Yakari – Der Kinofilm wurde der erste Versuch unternommen, ein neues Medium für den alten Kinderhelden auszuprobieren, die Möglichkeit auf weitere Teile freilich mit einkalkuliert.

Am Anfang war …
Zu diesem Zweck kehrten Xavier Giacometti und Toby Genkel (Ooops! Die Arche ist weg), die zusammen Regie führten und am Drehbuch arbeiteten, noch einmal zu den Anfängen zurück. Genauer erzählt der Film, wie Yakari überhaupt an seine Fähigkeit gelang ist, mit Tieren zu sprechen. Und auch Kleiner Donner, der neben dem Jungen die zweite Hauptfigur der Comics ist, wird hier eingeführt. Tatsächlich besteht der Film maßgeblich daraus, wie der Junge das scheue Tier für sich gewinnt und aus der Begegnung mit der Zeit die Freundschaft wird, welche Leser und Leserinnen aus der Vorlage kennen.

Die Geschichte ist dafür nur ein Mittel zum Zweck, sofern man sie überhaupt als solche bezeichnen wollte. Yakari – Der Kinofilm wählt eine sehr episodenhafte Erzählweise, die keinem wirklichen roten Faden folgt. Während Yakari unterwegs ist, erst allein, dann in Begleitung von Kleiner Donner, begegnet er anderen Figuren, was entweder weitere Tiere sind oder Vertreter eines verfeindeten Stammes. Auf diese Weise wechselt der Film kontinuierlich von humorvoll über dramatisch bis zu actionreich, wenn es dem Verfolger zu entkommen gilt. Dabei ist zwar schon ein Ziel vorgegeben – der Junge will wieder nach Hause –, doch eigentlich ist der Weg dieses Ziel. Ein bisschen wie in einem Roadtrip, nur ohne Straßen und mit einem Pferd statt eines Autos.

Jetzt aber hurtig!
Viel Raum für Tiefe bleibt dabei nicht, zumal die Laufzeit mit 80 Minuten auch am unteren Ende eines Spielfilms ist. So gibt es zwar wiederkehrende Begegnungen. Doch die finden keinen echten Abschluss. Vor allem zum Ende hin musste das alles wahnsinnig schnell gehen, was nicht nur einige Abkürzungen mit sich bringt, sondern auch ein doch recht abruptes Finale, bei dem man das Gefühl hat, dass nicht alles zu Ende erzählt wurde. Der Zielgruppe dürfte das aber ziemlich egal sein, Yakari – Der Kinofilm ist ein kindgerechtes Abenteuer, das sich für ein friedliches und respektvolles Miteinander mit der Natur einsetzt. Da verzeiht man dann auch, dass die Darstellung der einzelnen Stämme schon sehr altmodisch ist und der kolonialistischen Blickweise entspricht, mit all ihren Klischees.

Visuell ist Yakari – Der Kinofilm dafür sehr ansprechend geworden. Die belgisch-französisch-deutsche Coproduktion setzt auf einen Mix aus 2D und 3D, verwendet für die Hintergründe malerische Landschaftsbilder, vor denen die am Computer animierten Figuren herumtollen. Das ist zwar schlicht, aber in sich stimmig. Die an klassischen Zeichentrickfilmen orientierte Gestaltung hält sich eng an die Original-Designs und sollte damit Fans der Comic-Vorlage gerecht werden. Auch wenn inhaltlich noch mehr drin ist als eine etwas schematische Origin Story, der Eröffnungsfilm vom Schlingel Filmfestival 2020 ist ein gelungener erster Kinoauftritt, dem noch weitere folgen dürfen.

Credits

OT: „Yakari“
Land: Belgien, Frankreich, Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Xavier Giacometti, Toby Genkel
Drehbuch: Xavier Giacometti, Toby Genkel
Vorlage: André Jobin, Claude de Ribaupierre
Musik: Guillaume Poyet

Bilder

Trailer

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Yakari – Der Kinofilm
„Yakari – Der Kinofilm“ adaptiert die 1969 erstmals erschienenen Comics rund um den Sioux-Jungen, der mit Tieren sprechen kann, und wird der Vorlage durchaus gerecht. Vor allem optisch überzeugt der Kinder-Animationsfilm, inhaltlich hält man sich ans Bewährte, was auch vom etwas überstürzten Ende abgesehen gut funktioniert.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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