Inhalt / Kritik

Die Olchis Willkommen in Schmuddelfing

„Die Olchis – Willkommen in Schmuddelfing“ // Deutschland-Start: 22. Juli 2021 (Kino)

Früher einmal, das war Schmuddelfing ein beliebter Ort bei Touristen. Doch das ist lange her, inzwischen meiden die Menschen die Kleinstadt. Aus gutem Grund: Der nahegelegene Müllhaufen verbreitet einen derart unerträglichen Gestank, dass die einheimische Bevölkerung kaum noch einen Fuß vor die Tür setzt. Eine Lösung muss her, das ist klar. Nur wie? Während der elfjährige Max gemeinsam mit dem exzentrischen Professor Brausewein und dessen Nichte Lotta an einer Maschine arbeitet, die den Gestank neutralisieren soll, will dessen Mutter als Frau des Bürgermeisters einen Wellnesstempel errichten. Beide Pläne haben jedoch eines nicht bedacht: die Olchis, grüne Wesen, die mit Vorliebe Müll futtern und in den Bergen aus Abfall ihr neues Zuhause gefunden haben …

Müll ist toll!

Neben der Frage nach Klimaschutz und Artenschutz steht beim Thema Umwelt vor allem ein Problem regelmäßig weit oben auf der Agenda: Was können wir gegen den vielen Müll unternehmen, den die Menschen ständig produzieren? Zwar wurden regelmäßig an Details gefeilt, etwa dem Verbot von Plastikstrohhalmen oder der Reduzierung von Plastiktüten. Aber selbst die optimistischsten Leute wissen, dass das nicht das Grundproblem löst. Dabei könnte das viel einfacher sein, wenn es nach Erhard Dietl geht. Der veröffentlichte bereits 1990 das erste von bereits mehr als 30 Büchern rund um die Olchis. Kleine grüne Wesen, die den Müll einfach auffuttern? Das wäre natürlich ideal, erfordert es vom Menschen doch keine Anstrengungen mehr. Im Gegenteil: Müll produzieren wird hier zu etwas Gutem, schließlich muss ein Olchi etwas essen.

Das ist auch in Die Olchis – Willkommen in Schmuddelfing so, dem ersten Film rund um die beliebten Figuren. Warum diese sich bei Kindern größerer Beliebtheit erfreuen, ist nicht schwer zu verstehen. Deren Lebensmotto ist, dass man sich um nichts sorgen machen muss und alles auch später erledigen kann. Lernen sollen ruhig andere, hier wird sich im Schlamm gewälzt und der Moment genossen. Ach ja, da darf auch so viel gefurzt und gerülpst werden, wie das Kinderherz begehrt. Pädagogisch ist das von eher zweifelhaftem Wert. Während der Einsatz für Außenseiter – und solche sind die Olchis bei ihrer Ankunft – durchaus sympathisch ist, sind andere Punkte doch eher fragwürdig. Vor allem die Verharmlosung der Müllproduktion ist heute nicht mehr wirklich zeitgemäß.

Schöne Bilder vom Abfall

Dafür sehen die Figuren lustig aus, mit ihren Knollnasen und den komischen Hörnchen auf dem Kopf, mit denen sie sogar Regenwürmer rülpsen hören können. Dem Regieduo Jens Møller (Mullewapp – Das große Kinoabenteuer der Freunde) und Toby Genkel (Yakari – Der Kinofilm, Ooops! Die Arche ist weg) gelingt es auch sehr schön, die ungewöhnlichen Designs auf die Leinwand und in 3D zu übertragen. Überhaupt ist Die Olchis – Willkommen in Schmuddelfing visuell gelungen. Selbst wenn die Schauplätze nicht sonderlich zahlreich sind und damit die Abwechslung überschaubar ist: Was da ist, wurde liebevoll und technisch kompetent umgesetzt. Auch wenn das natürlich nicht auf dem Niveau der US-Studios ist, kann man sich das hier doch gut anschauen.

Von der angenehmen Optik einmal abgesehen gibt es in Die Olchis – Willkommen in Schmuddelfing aber nichts, was ein erwachsenes Publikum ansprechen dürfte. Der Humor ist recht einfach gehalten, beschränkt sich oft auf das Spiel mit dem Widerlichen. Die Geschichte wiederum ist derart vorhersehbar, dass selbst die Kinder in der Pressevorführung immer wussten, was als nächstes geschieht. Sie ergibt auch nicht sonderlich viel Sinn. Wenn beispielsweise eine Gruppe von Dorfkindern sich für die Neuankömmlinge stark macht, die vorher den ganzen Film über nicht zu sehen waren, dann machte man es sich inhaltlich schon recht einfach. Auch der Sinneswandel der Mutter kommt ziemlich aus dem Nichts, wurde vom Drehbuchteam kaum vorbereitet. Ein weiteres Manko: Die Olchis selbst haben keine Persönlichkeit und unterscheiden sich nur aufgrund des Aussehens.

Solide, mit Luft nach oben

Solche Mängel sind schon schade, da sie dem Film unnötig schaden. Potenzial für mehr wäre auf jeden Fall da gewesen, Szenario, Figuren und Optik hätten das zumindest hergegeben. Für die jüngere Zielgruppe könnte das dennoch reichen. Die Olchis – Willkommen in Schmuddelfing zeigt, wie Kinder sich gegen die Bevormundung der Erwachsenen auflehnen und damit auch erfolgreich sind – ein bewährtes Rezept im Kinderfilm. Das anarchische Element trifft ohnehin auf offene Ohren und Herzen. Sollte der Film am Ende erfolgreich sein und Fortsetzungen nach sich ziehen, darf beim nächsten Mal gern mehr in den Inhalt investiert werden. So bleibt ein nur solider Animationstitel, der bei der derartigen Flut ähnlich ausgerichteter Produktionen schwere Konkurrenz hat.

Credits

OT: „Die Olchis – Willkommen in Schmuddelfing“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Jens Møller, Toby Genkel
Drehbuch: Toby Genkel, John Chambers
Vorlage: Erhard Dietl
Musik: Andreas Radzuweit

Bilder

Trailer

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Die Olchis – Willkommen in Schmuddelfing
„Die Olchis – Willkommen in Schmuddelfing“ erzählt, wie die grünen Müllfresser in die Kleinstadt kamen und sämtliche Pläne durcheinanderbringen. Das junge Zielpublikum darf sich an lustig gestalteten Figuren und einem anarchischen Element erfreuen. Der simple Humor und die teilweise fragwürdige Geschichte verhindern jedoch, dass da mehr als ein solider Animationstitel draus wird.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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