Kritik

Didi auf vollen Touren

„Didi auf vollen Touren“ // Deutschland-Start: 27. November 1986 (Kino) // 28. August 2020 (DVD/Blu-ray)

Der frischgebackene Fernfahrer Didi (Dieter Hallervorden) erhält von seinem Chef (Gert Haucke) den ersten Auftrag: Fünfzig Fässer Altöl müssen zu einer französischen Deponie gebracht werden. Gutgelaunt macht sich Didi mit seinem imposanten Truck auf den Weg, nichtsahnend, dass der Fuhrunternehmer Grueter wiederum nur für Herrn Schulz (Hans Peter Hallwachs) von der Chemie AG arbeitet, welcher nach einem Aufsehen erregenden Unfall auf deren Gelände stillschweigend hochexplosives Material verschwinden lassen muss. Kaum ist Didi losgefahren, informiert Schulz anonym die Presse über den Giftmülltransport nach Frankreich, was schließlich bis in hohe Politikerkreise vordringt und die französische Polizei auf Didis Fährte lockt. Was niemand weiß: In den Fässern ist wirklich nur Altöl, Schulz setzt Didi lediglich als Köder ein, um seine über tausend Fässer mit dem schädlichen Stoffen ungestört entsorgen zu können. Unterdessen erfährt Marcel (Bernard Menez), Mitarbeiter der besagten Deponie und von Grueter in die Sache eingeweiht, von der Polizeiaktion und fährt Didi entgegen, um diesen von dessen geplanter Route abzubringen. Das gestaltet sich allerdings alles andere als einfach …

Schon frühere Didifilme kamen mit Unterstützung aus Frankreich zustande, sei es im Bereich Schauspiel oder Regie, nicht zuletzt natürlich bei den teilweise waghalsigen Stunts, welche mit deutschen Teams zu der damaligen Zeit nicht möglich gewesen wären. Didi auf vollen Touren geht einen Schritt weiter und ist eine deutsch-französische Koproduktion, weist zudem einen wesentlich höheren Anteil an französischen Schauspielern im Cast auf. Wieder musste hier viel auf Deutsch nachsynchronisiert werden, was aber weit weniger auffällt als im bereits dezent synchronisierten Der Schnüffler.

Spiel mit Erwartungen
Was dem Film vorzüglich gelingt, ist zum einen das Kokettieren mit den Erwartungshaltungen des Zuschauers. Wenn Didi zum Beispiel stolz vor zwei Truckerfahrern über die eingebauten Teile in seinem Gefährt spricht, welche teilweise solch exotische Namen haben, dass sie nur erfunden sein können, dann der Firmenchef hinzukommt und die Aufzählung fortführt, während Didi dümmlich grinst und nickt, liegt die Vermutung nahe, dass er in der Pointe als Aufschneider lächerlich gemacht werden soll. Tatsächlich geht das Ganze aber in eine völlig andere Richtung.

Zum anderen vermag der Film gekonnt mit den Wissensständen von Zuschauer und Charakteren umzugehen. Während Didi davon ausgeht, Altöl zu transportieren, glaubt der Zuschauer zu wissen, dass es sich in Wahrheit um hochexplosives Material handelt, nur um etwas später zu lernen, dass sich in den Fässern nichts anderes befindet als ebenjenes Altöl. So ist der vermeintliche Wissensvorteil gegenüber Didi schnell aufgehoben, wird gegenüber Marcel jedoch wiederhergestellt, da dieser zwar weiß, Didi glaube es sei Altöl, selbst aber davon überzeugt ist, die beiden transportierten das hochexplosive Material.

Mehr Action als Komödie
Abgesehen davon wird aus dem potenziell starken Drehbuch leider zu wenig herausgeholt. Der Film fokussiert sich zu sehr auf die Actionelemente, als dass die Komödie wirklich zu Tage treten könnte, echte Lacher gibt es wenige. Gepaart mit einigen Längen führt das dazu, dass am Ende alles zu schnell aufgelöst werden muss, der Film gar zu einem abrupten Standbild-Ende kommt.

Verantwortlich für die Kameraarbeit zeichnete der Anfang dieses Jahres verstorbene Joseph Vilsmaier, welcher einige Tatort-Folgen, vor allem aber einen Großteil der Fernfahrer-Serie Auf Achse fotografierte. Gerade diese thematisch verwandte Erfahrung kam ihm hier natürlich zugute, zumindest in den Szenen mit Didis Truck. Andere Szenen sind sicherlich kompetent eingefangen, stechen aber nicht besonders hervor. Während hier anders als in den bisherigen Didifilmen kein Charakter besonders ausgearbeitet ist (filmübergreifend die fiktive Didi-Figur dafür schon eher), lassen sich im Cast doch wieder einige bekannte Namen finden. Etwa Günther Ungeheuer als Direktor der Chemie AG, während Hallwachs eine Rolle übernimmt, die er in ähnlicher Form in Otto – Der Außerfriesische wieder aufgreifen sollte und die ihm sehr zu liegen scheint. Hallervorden und Menez haben eine gute Chemie, auf die man sich auch in den schwächeren Momenten des Films verlassen kann.

Credits

OT: „Didi auf vollen Touren“
Land: Deutschland, Frankreich
Regie: Wigbert Wicker
Drehbuch: Felix Huby, Christoph Treutwein, Dieter Hallervorden
Musik: Uwe Borgwardt
Kamera: Joseph Vilsmaier
Besetzung: Dieter Hallervorden, Bernard Menez, Pierre Tornade, Hans Peter Hallwachs, Gert Haucke, Günther Ungeheuer

Bilder

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Didi auf vollen Touren
Entgegen des Titels ist „Didi auf vollen Touren“ nie mit Vollgas unterwegs, agiert zeitweise sogar mit angezogener Handbremse. Zwar verfügt der Autofilm über einen leistungsstarken Storymotor und wird von einem spielfreudigen Hauptdarsteller gefahren, allerdings kommt er manchmal nur holprig auf eckigen Rädern voran und landet am Ende in einer Sackgasse.
6von 10

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