Kritik

Boxi und der Verlorene Schatz Boxi and the Lost Treasure

„Boxi und der verlorene Schatz“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Da hat der kleine Kartomi aber Augen gemacht, als ihm die Karte in die Hände fällt: Da soll doch echt ein Schatz vergraben sein, hier in der Karton-Stadt! Das lässt sich der Junge natürlich nicht zweimal sagen und geht deshalb mit seinem Freund, dem Hund Boxi los, um eben diesen Schatz zu finden. Das stellt sich jedoch als deutlich kniffliger heraus, als er vorher gedacht hat. So begegnen sie immer wieder anderen Leuten, die ihre Hilfe brauchen, weshalb sie kaum zu ihrer eigenen Schatzsuche kommen. Außerdem ist diese Karte ein echtes Rätsel, bei dem sie schon ihre ganze Fantasie zusammennehmen müssen, wenn sie ans Ziel kommen wollen …

Ganz andere Bilder
Auch wenn die Zeit, als Ungarn eine der Hochburgen europäischer Animationskunst war, einige Jahrzehnte zurückliegt, es kommen doch immer mal wieder interessante Titel von dort. Sowohl der Heist Movie Ruben Brandt, Collector wie auch das Familienmärchen Geschichten vom See: Willy und die Wächter des Sees fielen beispielsweise durch sehr ungewöhnliche Designs auf, die in einem Meer von CGI-Lookalike für frischen Wind sorgten. Und das gilt definitiv auch für Boxi und der verlorene Schatz, das im Rahmen des Schlingel Filmfestes 2020 deutsche Premiere feiert.

Der Titel kündigt es schon ein bisschen anders: Ob es nun die Figuren sind, die Gebäude oder auch Bäume, in dem Film ist alles Kartons nachempfunden. Das bezieht sich nicht nur auf das Material, sondern gerade auch die Designs, die blockigen Elemente erinnern an die Minecraft-Optik. Lediglich die aufgemalten, sich ständig verändernden Gesichter erinnern daran, dass es ein am Computer erstellter Animationsfilm ist. Der Stil ist zwar schlicht, aber ungemein charmant. Ein bisschen so, als würde man gerade in der Kinderstube spielen. Das sieht aber nicht nur süß aus, sondern hat zudem den Vorteil, dass sich junge Zuschauer und Zuschauerinnen zu Hause selbst ihre Lieblinge nachbasteln könnten. Boxi und der verlorene Schatz regt dazu an, wieder die eigene Fantasie zu nutzen.

Geheimtipp nicht nur für die Kleinen
Inhaltlich ist der Film ebenfalls auf ein junges Zielpublikum ausgerichtet. Die Geschichte ist ungemein simpel, Boxi und der verlorene Schatz verzichtet zudem völlig auf Sprache. Selbst wenn Kartomi jemandem begegnet und sich mit ihm unterhält, hören wir nur ein wortloses Gebrabbel. Notwendig ist die Sprache aber auch nicht, da sowohl Inhalt wie Komik rein visuell funktionieren. Ohnehin gibt es hier nur wenig, das direkt als Gag durchgehen würde. In einer längeren Szene sollen die beiden beispielsweise einen verschwundenen Löwen ausfindig machen, täuschen sich aber immer wieder, wenn sie glauben ihn wiedererkannt zu haben. Lauthals darüber lachen wird man vermutlich kaum. Die Kunst des Films liegt eher darin, den Menschen ständig ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern.

Dass dem Film dabei eine Serie zugrundeliegt, merkt man ihm dabei durchaus an. Auch wenn es hier eine Rahmenhandlung gibt, so bleibt das alles doch sehr episodenhaft. Mit einer Laufzeit von rund einer Stunde versuchte Regisseur und Autor Béla Klingl zudem erst gar nicht, einen „richtigen“ Spielfilm zu drehen, findet eine gute Länge, bevor sich das Konzept abnutzt. Auch wenn Boxi und der verlorene Schatz eigentlich für die ganz Kleinen gedacht ist, der optische Einfallsreichtum und die die zu Herzen gehenden Mini-Geschichten machen den Film auch für erwachsene Animationsfans zu einem Geheimtipp.

Credits

OT: „Boxi a Film!“
IT: „Boxi and the Lost Treasure“
Land: Ungarn
Jahr: 2019
Regie: Béla Klingl
Drehbuch: Béla Klingl

Filmfeste

Schlingel 2020

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Boxi und der verlorene Schatz
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Boxi und der verlorene Schatz
Der Name ist Programm: Wenn in „Boxi und der verlorene Schatz“ ein kleiner Junge und sein Hund auf Schatzsuche gehen, dann ist das optisch Kartons nachempfunden. Die blockigen Designs sind simpel, aber charmant. Auch wenn das Wohlfühlabenteuer für die Kleinsten gedacht ist, bringt es selbst Erwachsene zum Lächeln.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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