Kritik

La salaire de le peur Lohn der Angst

„Lohn der Angst“ // Deutschland-Start: 11. September 1953 (Kino) // 1. Dezember 2004 (DVD)

Wie viele andere ist auch Mario (Yves Montand) einer jener Ausländer, die ohne Arbeit und Geld in dem südamerikanischen Dorf Las Piedras gestrandet sind. So wie seine Kollegen, der Deutsche Bimba (Peter Van Eyck) oder der Italiener Luigi (Folco Lulli), ist auch für ihn die Aussicht, diesen Ort zu verlassen eher ein Traum, denn die Kosten für Visa und Flugticket sind enorm und niemand kann sie sich leisten, auch nicht Jo (Charles Vanel), ein Neuankömmling im Dorf, der trotz seines gehobenen Kleidungsstils und seiner Manieren nicht die Mittel hat. Schließlich bekommen die Männer die Chance, ihrer Lage endlich zu entkommen, doch der Auftrag, den sie dafür annehmen müssen, ist sehr gefährlich. Da auf einem Ölfeld der American South Pacific Oil (SOC) ein Feuer ausgebrochen ist, sucht die Firma Fahrer, die über unwegsames Gelände mehrere Ladungen Sprengstoff dorthin bringen, wo sie hoffen, mittels einer kontrollierten Explosion das Feuer zu stoppen. Mario nimmt, wie auch Jo, Luigi und Bimba, das Angebot direkt an, doch auf die Laster müssen durch Schlamm und Haarnadelkurven gelenkt werden, wobei sie zudem immer auf der Hut sein müssen, dass die Ladung Nitroglyzerin in den Tanks der LKWs nicht hochgeht. Schon bald wird ihnen klar, auf welches Himmelfahrtskommando sie sich eingelassen haben.

Aneinander gebunden
Auch wenn man die Regisseure der nouvelle vague in erster Linie mit dem französischen Kino der Nachkriegszeit verbindet, war Henri-Georges Clouzot nie ein Teil dieser Bewegung, die mit Filmemachern wie Jean-Luc Godard und Francois Truffaut ihren Anfang nahm in den 1950er Jahren. Vermutlich war es Clouzots pessimistische Haltung gegenüber Menschen und dem Leben an sich, wie man sie in Werken wie Die Teuflischen bemerkt, die ihn von den der Neuen Welle des europäischen Kinos so absonderten. Lohn der Angst, basierend auf einem Roman Georges Annauds, passt in dieses Muster, erzählt Clouzot doch von menschlicher Gier und moralischer Schwäche sowie dem Teufelskreis der Ausbeutung, der in einer Hölle auf Erden endet.

Bereits in den ersten Bildern von Lohn der Angst verdeutlicht Clouzot die Themen des Schicksals und der Hölle. Das Bild der Käfer, die durch eine Schnur miteinander verbunden sind, nicht mehr voneinander loskönnen, auch wenn sie es noch so sehr versuchen, ist eine mehr als deutliche Metapher für die Art von Leben, welches Mario und die anderen Männer in Las Piedras fristen. Als Außenseiter gebrandmarkt in dieser für sie nach wie vor fremden Welt, sind ihre Leben direkt miteinander verknüpft, wie auch später ihr Schicksal als die den Auftrag der Ölfirma annehmen. Ihre Lage hat diese Männer keinesfalls demütig gemacht, vielmehr noch hat die Verzweiflung über die Lage ihre teils hässlichen Charakterzüge verstärkt, ihre Angst in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

Allerdings sind Figuren wie Mario oder Jo als Repräsentanten einer Ordnung zu verstehen, die bereits eifrig dabei ist, diesen Teil der Welt in eine Art industrielle Hölle zu verwandeln. Die Welt der Bulldozer und Öl-Pipelines ist dabei die Natur zu zerstören, wird aber von den Männern im Film nach wie vor als erstrebenswerte Form der Zivilisation beschrieben, denken die doch mit rühriger Nostalgie an ihre Leben zurück, bevor sie in Südamerika strandeten. Ihr Welt ist eine sehr maskuline Welt, geprägt von dem Image des starken Kerls, der alle Hindernisse überwindet, was ihren Auftrag nicht zuletzt auch zu einer Art Sühne macht, einem Beweis dafür, dass sie in die industrialisierte Welt zurückkehren können.

Der Pfad in die Hölle
Der Pfad der Männer führt sie geradewegs in das Herz jener Hölle, die sie seit langem gefangen hält. Die allgegenwärtige Hitze oder die Flammen auf dem Ölfeld betonen sowie das Gefühl der Isolation verstärken den Eindruck einer Hölle oder eines Höllenkreises, wie ihn Dante und Vergil in Die Göttliche Komödie besuchen. Die Angst der Männer ist zugleich eine Furcht vor jenem Schicksal, dem sie nicht entkommen können, auf welches sie selbst durch ihr Handeln hingearbeitet haben. Die schnellen jump-cuts sowie die Nahaufnahmen ihrer Gesichter betonen die wachsende Anspannung der Gruppe, deren Leben immer noch voneinander abhängen, deren Mitglieder aber der Logik ihrer alten Welt folgend gegeneinander arbeiten.

Credits

OT: „La salaire de le peur“
Land: Frankreich, Italien
Jahr: 1953
Regie: Henri-Georges Clouzot
Drehbuch: Henri-Georges Clouzot, Jérome Geronimi
Vorlage: Georges Annaud
Musik: Georges Auric
Kamera: Armand Thirard
Besetzung: Yves Montand, Charles Vanel, Folco Lulli, Peter Van Eyck

Filmfeste

Cannes 1953
Berlinale 1953
Fünf Seen Filmfestival 2020

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Lohn der Angst
„Lohn der Angst“ ist ein spannender, existentialistischer Film über Gier, Furcht und die Frage, ob sich Menschen verbessern können. Henri-Georges Clouzot erzählt eine oft sehr ernüchternde und düstere Geschichte darüber wie Angst zu einem Motor werden kann, der Menschen gegeneinander aufbringt.
9von 10

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