Kritik

Die Toten vom Bodensee Der Blutritt

„Die Toten vom Bodensee: Der Blutritt“ // Deutschland-Start: 7. September 2020 (ZDF) // 11. September 2020 (DVD)

Während sich 3000 Menschen dicht an dicht drängen, um den traditionellen Blutritt anzuschauen, wird nur wenig vom Geschehen entfernt die Pferdewirtin Marlene Stöhr mit einer Armbrust angeschossen und liegt seither im Koma. Doch wer könnte es auf sie abgesehen haben? Und weshalb? Micha Oberländer (Matthias Koeberlin) und Hannah Zeiler (Nora Waldstätten) gehen dieser Frage nach und entdecken, dass eine ganze Reihe von Menschen ein mögliches Motiv hatten. Einer davon ist Oliver Stöhr (Marlon Boess), der Sohn des Opfers, der sich zuvor mit ihr gestritten hatte und gerade erst zurückgekehrt war …

Zuletzt waren die Zuschauerzahlen bei Die Toten vom Bodensee etwas rückläufig, von den mehr als acht Millionen Zuschauern, die man vor zwei Jahren mit Die vierte Frau noch erreichte, ist man ein gutes Stück entfernt. Und doch ist es bemerkenswert, wie treu das Publikum im Laufe der letzten sechs Jahre gewesen, wie konstant es jedes Mal dabei ist, wenn Oberländer und Zeiler gemeinsam auf Mörderjagd gehen. Und damit das auch so bleibt, wird schon länger nicht mehr am Konzept gefeilt oder nennenswert viel ausprobiert. Timo Berndt, der seit dem dritten Teil Stille Wasser alle Drehbücher geschrieben hat, weiß was funktioniert und hält deshalb weiter daran fest.

Was ist denn hier passiert?
Wer sich zu den Fans der Krimireihe zählt, der darf sich daher auf den nunmehr elften Film Der Blutritt freuen. Wie immer taucht um Grenzgebiet zwischen Deutschland und Österreich eine Leiche auf – wenngleich es dieses Mal „nur“ mit einem Koma losgeht –, weshalb das eingespielte Duo als jeweiliger Vertreter des eigenen Landes mit den Ermittlungen beginnt. Der Ablauf entspricht dem klassischen Whodunnit: Mehrere Leute kommen als Täter in Frage, nach und werden diese abgeklappert, Theorien aufgestellt, dann wieder verworfen, nur um am Ende festzustellen, dass es doch alles ganz anders war.

Der eine Reiz der Reihe lag dann auch genretypisch darin, dass man selbst mitgrübeln darf, wer der Schuldige ist. Die Toten vom Bodensee neigt dabei, trotz der eher bodenständigen Anmutung, dazu, an der Stelle gerne ein wenig weithergeholte Theorien zu verwenden. Gerade bei den Motivationen begnügte man sich oft mit absolutem Quatsch. Der Blutritt ist in der Hinsicht keine Ausnahme. Zwar trieb man es im Verlauf der Jahre teilweise schon noch wilder, dieses Mal kann man wenigstens nachvollziehen, warum wer was tut. Hinzu kommt, dass die Geschichte ungewohnt verschachtelt ist, mehrere Stränge sich treffen, anstatt sich ganz einfach aus der Affäre ziehen zu wollen. Dennoch hat man als Zuschauer nahezu keine Möglichkeit, wirklich auf die Lösung zu kommen, dafür ist einiges einfach zu willkürlich und wenig plausibel, gerade auch im Hinblick auf Zufälligkeiten.

Ein Paar, das keines ist
Der zweite große Punkt war immer die Dynamik zwischen den beiden. Anfangs wurde da noch sehr viel Wert auf die Kontraste zwischen der analytisch-kühlen Zeiler und dem jovial-impulsiven Oberländer gelegt. Ein bisschen taucht das noch auf, wobei das vor allem im Zusammenhang mit Raphael Stadler (Christopher Schärf) geschieht, der Gefühle für die Österreicherin hat, aber regelmäßig an ihrer unnahbaren Art scheitert. Ansonsten ist leider ziemlich die Luft raus. Wenn die beiden zusammen ermitteln, wird daraus eine reine Pflichtveranstaltung ohne große Reibung, aber auch ohne Spaß oder Charme. Da war früher doch eindeutig mehr Leben drin.

Insgesamt ist Der Blutritt immer noch in Ordnung. Wer die beiden liebgewonnen hat und einen neuen Fall braucht, wird bedient. Die Abnutzungserscheinungen sind inzwischen aber kaum noch zu übersehen, sowohl bei den Figuren wie auch beim Setting, das kaum noch miteinbezogen wird. Einschneidende Ereignisse gab es filmübergreifend natürlich immer wieder, vor allem in Bezug auf Zeilers Vater, der die ersten Folgen noch geprägt hat, später der Tod von Oberländers Frau. Es bräuchte aber auch grundsätzlich mal wieder etwas Neues, Frisches, um die inzwischen etwas müde Routine zu durchbrechen.

Credits

OT: „Die Toten vom Bodensee: Der Blutritt“
Land: Deutschland, Österreich
Jahr: 2020
Regie: Michael Schneider
Drehbuch: Timo Berndt
Musik: Christopher Bremus
Kamera: Matthias Pötsch, Lukas Gnaiger
Besetzung: Nora Waldstätten, Matthias Koeberlin, Hary Prinz, Christopher Schärf, Jule Ronsted, Marlon Boess, Rafael Gareisen

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Die Toten vom Bodensee: Der Blutritt
Der nunmehr elfte Teil des Dauerbrenners „Die Toten vom Bodensee“ zeigt sich routiniert, aber auch etwas müde. Während der Fall an sich noch in Ordnung geht, sieht man einmal von den diversen wenig plausiblen Ereignissen absieht, ist gerade beim Duo selbst die Luft raus. Da bräuchte es dringend neue Impulse.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

3 Responses

  1. Peter

    ja, der Film geht noch in Ordnung. Was mich allerdings tierisch genervt hat, ist dass die Polizei mal wieder nicht aufpasst und das Opfer in der Klinik doch noch umgebracht werden kann. Scheiß Drehbuchautoren kann ich da nur sagen, schon x-mal gesehen und trotzdem wird es immer wieder dramaturgisch eingebaut.

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  2. Dieter Pankhalla

    …die Österreicher sollten lieber ihren „Almdudler“ trinken als Filme zu drehen.
    Bei diesen Autoren und Regiesseuren muß man ja Psychologie studiert haben,um Handlung und Zusammenhänge und Auflösungen zu erraten !

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