Kritik

Secret Society of Second-Born Royals Disney+ Der geheime Club der zweitgeborenen Royals

„Der geheime Club der zweitgeborenen Royals“ // Deutschland-Start: 25. September 2020 (Disney+)

Na toll, Sommerschule. Als ob Prinzessin Sam (Peyton Elizabeth Lee) nicht eh schon genug damit zu tun hätte, ihre eigenartigen Erfahrungen zu verarbeiten, die sie zuvor auf einem Konzert gemacht hat, soll sie mit anderen nun Spezialunterricht bekommen. Dabei würde sie viel lieber mehr Zeit mit ihrem Freund Mike (Noah Lomax) verbringen. Den anderen im Klassenzimmer geht es ganz ähnlich. Aber sie haben noch andere Gemeinsamkeiten: Tuma (Niles Fitch), January (Isabella Blake-Thomas), Royana (Olivia Deeble) und Matteo (Faly Rakotohavana) sind nicht nur jeweils die Zweitgeborenen von Königshäusern. Sie verfügen alle auch über ungeahnte Kräfte, die sie in einem geheimen Club trainieren sollen …

Zuletzt entwickelte sich der lang erwartete neue Streamingdienst von Disney zu einer Art Krankenlager, in der die diversen Opfer der Kinoschließungen ihren Lebensabend verbringen durften. Ob nun die Buch-Adaption Artemis Fowl, die Familienkomödie Magic Camp oder natürlich Mulan – die neuen Filme auf Disney+ waren größtenteils solche, die eigentlich mal für die Lichtspielhäuser gedacht waren. Sie haben aber noch etwas gemeinsam: Gesehen haben musste man keinen einzigen davon. Die gute Nachricht: Mit Der geheime Club der zweitgeborenen Royals kommt tatsächlich mal ein Film heraus, der nicht fürs Kinoprogramm geplant war. Die schlechte Nachricht: Besser ist das Ergebnis trotzdem nicht.

Neue Kräfte braucht das Land
Dabei wäre der Zeitpunkt eigentlich günstig gewesen. Durch den Ausbruch der Corona-Pandemie wurden nahezu alle Superheldenfilme verschoben, mit The New Mutants gab es dieses Jahr bislang gerade mal eine nennenswerte Comic-Adaption, die tatsächlich veröffentlicht wurde. Und das auch nur, weil Disney vertraglich dazu verpflichtet war. Durch den Wegfall der großen Konkurrenz spricht eigentlich nichts dagegen, es einmal hiermit zu versuchen. Tatsächlich ist das hier X-Men gar nicht mal so unähnlich, wenn eine Reihe junger Menschen entdecken, dass sie Superkräfte haben und gemeinsam gegen das Böse kämpfen und darin eine Art neuen Lebenssinn entdecken.

Während beim Comic-Kollegen die Helden und Heldinnen wider Willen jedoch Ausgestoßene sind, als Mutanten beschimpft und erst in der Gemeinschaft Halt finden, da stehen hier Prinzen und Prinzessinnen im Mittelpunkt. Dass das eine ziemlich absurde Kombination ist, ist klar, dürfte jedem klar sein. Nur wohl nicht den Drehbuchautoren, die dieses Szenario allen Ernstes durchziehen. Wenn sich später herausstellt, dass die adligen Supermenschen auch noch zusammen dafür kämpfen, dass die Monarchie aufrecht erhalten wird, dann meint man endgültig, in einer Art Satire gelandet zu sein. Doch auch wenn immer mal wieder kleinere Witze eingebaut werden, beziehen sich diese auf ganz andere banale Aspekte. Der Grundsatz wird nie in Frage gestellt.

Helden und Heldinnen von der Stange
Darüber könnte man sich nun ärgern oder sich an der unfreiwilligen Komik erfreuen, wenn Der geheime Club der zweitgeborenen Royals als eine Parodie durchgeht, die gar nicht weiß, dass sie eine ist. Tatsächlich dürften sich die meisten aber in erster Linie schrecklich langweilen. Dass die fünf auserkorenen Spitzenadligen nicht unbedingt die ausgeprägtesten Persönlichkeiten haben, ist dabei gar nicht mal der schlimmste Punkt. Feine Figurenzeichnung ist weder im Superhelden-Segment, noch bei Teeniefilmen – und ein solcher ist das hier – die Norm. Es passiert nur einfach so gar nichts Interessantes in der Geschichte. Bis endlich mal der Gegenspieler auftaucht und aus der Beschäftigungstherapie eine Aufgabe wird, vergeht viel Zeit. Und selbst dann bleibt das hier mäßig spannend. Die Actionszenen sind kurz, der Versuch, zu einer Art Aussage mit dem Film zu kommen, indem der Bösewicht à la Thanos aus Avengers: Infinity War eine diskussionswürdige Agenda verfolgt, bleibt oberflächlich.

Die ganz große Katastrophe ist das am Ende nicht. Zum einen ist das Ensemble nicht unsympathisch. Außerdem gibt es Pluspunkte für das oft unterschätzte Thema des Zweitgeborenen. Die Effekte hingegen sind etwas billig, zumindest wenn man den Film mit anderen Superheldenfilmen vergleicht, die gemeinerweise zum direkten Vergleich bei Disney+ angeboten werden. Irgendwie wird man dann auch das Gefühl nicht los, dass Der geheime Club der zweitgeborenen Royals vielleicht keine Kino-Resteverwertung ist, sondern vielmehr Teil einer TV-Serie hätte sein sollen. Eine solche wäre inhaltlich auch nach wie vor drin, zum Ende hin wird zumindest mit der Möglichkeit weiterer Einsätze gespielt. Wenn die so banal sind wie hier, braucht es das aber nicht unbedingt.

Credits

OT: „Secret Society of Second-Born Royals“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Anna Mastro
Drehbuch: Alex Litvak, Andrew Green
Musik: Leo Birenberg
Kamera: Jaron Presant
Besetzung: Peyton Elizabeth Lee, Niles Fitch, Isabella Blake-Thomas, Olivia Deeble, Faly Rakotohavana, Skylar Astin, Noah Lomax, Greg Bryk

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Der geheime Club der zweitgeborenen Royals
Die Idee hört sich nach einer Satire an, mindestens aber einer Parodie: In „Der geheime Club der zweitgeborenen Royals“ entdecken bislang wenig beachtete Prinzen und Prinzessinnen, dass sie Superkräfte haben und nur gemeinsam die Monarchie retten können. Tatsächlich meint der Film es aber ernst. Als Auftakt einer Serie wäre das vielleicht in Ordnung gegangen, als Film ist das aber zu wenig, inhaltlich wie visuell.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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