Kritik

Villa Empain

„Villa Empain“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Auch wenn man über die Geschichte eines Bau- oder Kunstwerks Bescheid weiß, ist es oft dennoch so, dass man als Betrachter immun gegenüber dieser ist. Die Prachtbauten der Gotik oder der Renaissance hinterlassen naturgemäß jenes Gefühl des Erstaunens und der Erhabenheit, aber ihre Geschichte erschließt sich einem nicht oder man kann das Wissen nicht mit dem eigenen Eindruck in Verbindung setzen. Umso schöner und dadurch wertvoller ist es, wenn man Teil einer solchen Erfahrung wird, wenn das Werk mit dem Betrachter in Kommunikation tritt und so dieser Moment einzigartig wird. Was sich auf den ersten Blick wie eine vage spirituelle Erfahrung anhört, ist durchaus möglich, so beschreibt beispielsweise Regisseurin Katharina Kastner einen solchen Moment, als sie zum ersten Mal die Villa Empain, heute ein zeitgenössisches Kunstmuseum in Brüssel, betrat.

Um diese Erfahrung teilen zu können oder dieser näherzukommen, drehte sie den Kurzfilm Villa Empain. In den knapp 24 Minuten des Films widmet sie sich der facettenreichen Geschichte des Bauwerks, wobei sie auf Texttafeln am Ende sowie Archivmaterial zurückgreift. Im Zentrum steht aber jene Erfahrung, der sie sich mittels der Kamera sowie dem Ton versucht anzunähern. Am Ende steht eine Kurzdokumentation, welche die Schönheit des Gebäudes, seines Äußeren wie auch der Innenräume zeigt, aber auch einlädt, sich auf die Erfahrung der Erhabenheit einzulassen, die Kunst für den Betrachter bereithält.

Erinnerungen in Stein und Bild
Auffällig an Villa Empain ist schon nach wenigen Minuten, dass Kastners Bilder nicht bloß eine Erfahrung beschreiben. Teils collagenartig werden Eindrücke von der Geschichte des Hauses, Impressionen von der Küste sowie gegenwärtige Bilder vermischt, so als ob versucht wird, den Assoziationsprozess des Betrachters nachzuverfolgen oder Entsprechungen zu dem Betrachteten zu finden. Die Struktur von Villa Empain folgt dabei keiner Chronologie oder der Abfolge der Räume, sondern springt zwischen den Bildern, den visuellen Ebenen und erstellt überraschende Assoziationsketten, die nicht zuletzt auf die Wirkung des Gebäudes eingehen. Kastners Herangehensweise ähnelt dem Versuch des japanischen Regisseurs Hiroshi Teshigahara sich den Bauwerken Antonio Gaudis in seinen Dokumentationen über dessen Projekte in Barcelona anzunähern.

Doch Kastners Ansatz ist nicht rein visuell, sondern berücksichtigt ebenfalls auditive Elemente. Olivia Degrez und Hélene Clerc-Denizot unterlegen die Bilder mit einem breiten Klangteppich, der maschinelle oder artifizielle mit natürlichen Klänge, wie den Wellen am Meer, miteinander verbindet. Beinahe traumartig ist dies in Verbindung mit den Bildern und betont abermals die Wirkung, welche die Kunst auf den Betrachter haben kann.

Credits

OT: „Villa Empain“
Land: Belgien, Frankreich
Jahr: 2019
Regie: Katharina Kastner
Kamera: Ivo Nelis
Musik: Olivia Degrez, Hélene Clerc-Denizot

Trailer

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Villa Empain
„Villa Empain“ von Katharina Kastner ist eine betörende Kurzdokumentation über die schöne Villa Empain in Brüssel. Durch eine suggestive sowie facettenreiche Bild- und Tonsprache versucht Kastner die erhabene Wirkung der Kunst verständlich zu machen, den Moment, in dem Kunst nicht nur seine Geschichte offenbart, sondern sich tatsächlich eine Kommunikation ergibt.
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