Kritik

Heat

„Heat“ // Deutschland-Start: 29. Februar 1996 (Kino) // 22. Februar 2017 (DVD/Blu-ray)

Im Leben von Neil McCauley (Robert De Niro) gibt es nichts, an dem er hängt, so wie er es von seinem Mentor einst gelernt hat. Nach diesem Prinzip lebt und arbeitet der Dieb mit seiner Crew, zu der unter anderem sein langjähriger Partner Chris (Val Kilmer) gehört und mit der er schon viele Aufträge erfolgreich zu Ende gebracht hat. Beim Überfall auf einen Geldtransporter hingegen kommt es zu einem Zwischenfall, als ein Neuer in ihrem Team die Wachbeamten erschießt und ihre Tat nicht länger mehr nur ein Raub ist, sondern ein Mord. Als sich Neal des neuen Mannes entledigen will, gelingt diesem die Flucht, was eine potenzielle Gefahr für ihn und sein Team darstellt, die schon einen neuen Auftrag in Aussicht haben. Parallel beginnt das LAPD mit den Ermittlungen beim Überfall auf den Transporter, angeführt von Lieutenant Vincent Hanna (Al Pacino), einem Workaholic, der neben seiner Arbeit kaum Zeit hat für etwas anderes, was zu Streitigkeiten mit seiner nunmehr dritten Ehefrau Justine (Diane Venora) führt. Über seine Kontakte gelingt es Hannas Team auf die Spur von McCauleys Team zu kommen, doch der erfahrene Dieb ahnt bereits, dass man ihm und seinen Männern auf den Fersen ist. In Hanna hat er jedoch einen Kontrahenten gefunden, der nicht nur wie er mit allen Wassern gewaschen ist, sondern auch bereit ist, für seinen Job alles zu geben.

Keine Bindung, keine Schwäche
Die Geschichte um die Jagd eines Ermittlers nach einem Bankräuber ist inspiriert von einem wahren Fall aus den 1960er Jahren, in dessen Verlauf es, wie im Film, zu einem Gespräch zwischen beiden kam, in dem sie auch über private Dinge sprachen. Zunächst hatte Regisseur Michael Mann den Fall als Vorlage für eine als Fernsehserie angelegtes Projekt nehmen wollen, doch bis auf den Fernsehfilm Showdown in L.A. wurde aus der Serie leider nichts. Viele Jahre später dann widmete sich Mann wieder der Geschichte und während der Produktion gelang es, mit Robert De Niro und Al Pacino für die beiden Hauptrollen gleich zwei weltberühmte Schauspieler zu besetzten, was vor allem im Vorfeld für reichlich Gesprächsstoff in der Branchenpresse sorgte.

Naturgemäß steht die Begegnung der beiden Schauspieler, der Dialog zwischen Hanna und McCauley dramaturgisch im Zentrum der Handlung – ein Gespräch zweier Männer, die zwar auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes stehen, die aber rein emotional nicht viel voneinander trennt. Bereits im Vorfeld werden per Montage die Arbeitsweisen, die Beziehungen, Verhaltensweisen und die Lebensphilosophien beider Figuren gegenübergestellt. Beide, Hanna und McCauley, sind Profis und leben für das, was sie tun und darüber hinaus nur für wenig anderes, was sie nur schwer fassbar macht und von beiden so gewollt ist. Der Kern der Geschichte und damit des Lebens beider Figuren wird von Robert De Niros Charakter auf den Punkt gebracht, wenn er sagt, man müsse so leben, dass man sich, falls Gefahr drohe, innerhalb von 30 Sekunden von allen Verpflichtungen trennen und dann aus dem Staub machen könne.

Das Thrillerkino eines Michael Mann ist nie reines Unterhaltungskino, sondern immer auch eine Auseinandersetzung mit Männerbildern gewesen. Schwächen zeigen oder diese zugeben macht einen Menschen verwundbar und damit zu einer Gefahr für sich selbst und andere. In Blutmond ist es FBI Profiler Will Graham, der sich ins Private zurückzieht, aus Angst die Kontrolle über sein Leben zu verlieren. Hanna und McCauley sind gleichfalls Kontrollfreaks, die in ihrer Arbeit maximale Professionalität von sich und anderen erwarten und im Gegenüber stets nach jenen Kerben im Panzer suchen, die sie für ihre Zwecke ausbeuten würden. Daraus macht Manns Drehbuch ein packendes Katz-und-Maus-Spiel, getragen von zwei Darstellern, die mit großem Engagement an ihre Figuren herangehen.

Immer in Bewegung
Jedoch ist Heat, wie so viele Werke in Manns Filmografie, auch ein Abbild moderner Urbanität und der daraus resultierenden Lebensweise. Das Meer der Lichter des nächtlichen Los Angeles sowie das immer wiederkehrende Bild der lichtdurchfluteten Straßen sind auf visueller Ebene jene Metaphern, welche als Spiegel für das Leben ohne jene Bindung stehen. Differenziert wird zwischen dem „Alleinsein“ und der „Einsamkeit“ und jenen Menschen, die mit diesem Mangel an Bindung leben können, der das Temporäre verehrt und über das Konstante stellt.

Passend dazu inszeniert Mann seine Figuren als Menschen, die immer in Bewegung zu sein scheinen, immer auf dem Sprung und denen das Emotionale fast schon Angst bereitet. Diese Angst, wie es Hanna an einer Stelle beschreibt, ist es, was einen Menschen antreibt und am Leben erhält und die sich immer verändernde Stadt ist das Abbild dieser Geisteshaltung.

Credits

OT: „Heat“
Land: USA
Jahr: 1995
Regie: Michael Mann
Drehbuch: Michael Mann
Musik: Elliot Goldenthal
Kamera: Dante Spinotti
Besetzung: Al Pacino, Robert De Niro, Val Kilmer, Tom Sizremore, Diane Venora, Amy Brenneman

Trailer

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Heat
„Heat“ von Michael Mann ist großes Thrillerkino und einer der besten Filme der 90er Jahre. Mit einer phänomenalen Besetzung, tollen Bildern und einer packenden Geschichte gehört „Heat“ zu den besten Werken des Regisseurs und ist Pflichtprogramm für Cineasten.
9von 10

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Freier Autor

Eine Antwort

  1. Martin Zopick

    VORSICHT SPOILER!

    Mit riesigem Staraufgebot hat Michael Mann einen anfangs weitgefächerten Thriller gemacht. Was in der ersten Hälfte bisweilen noch etwas verwirrend daherkommt, entfaltet sich immer klarer im zweiten Teil. In der Mitte gestattet das geniale Drehbuch einen Kaffeeplausch der Kontrahenten. Und die sind hier recht ungewöhnlich: ein Cop Vincent (Al Pacino) und der Bandenchef Neil (Robert De Niro). Wie in einem Stundenglas konzentriert sich der Plot hier im schmalen Mittelteil, bevor er sich wieder in der unteren Hälfte breit entfalten kann. Neil und Vincent kennen und respektieren sich. Jeder tut das, was er am besten kann: der eine killt und überfällt, der andere jagt die Killer. Beide sind fast so etwas wie Kollegen. Kollegen auf Leben und Tod. Das nächste Treffen wird einer der beiden nicht lebend verlassen.
    Es gibt Einblicke ins familiäre Umfeld der beiden Alpha-Tiere. Vincent lebt in einer erkalteten Ehe mit Justine (Diane Venora) und Stieftochter (Natalie Portman). Neil hat eine Freundin und viele Helfershelfer (u.a. Val Kilmer, Jon Voight etc.). Beide gehen ihren vorgegebenen Weg. Unbeirrbar. Sie können nicht anders. Hier steht Ganovenehre gegen den Schutz der Gesellschaft. Michael Mann lässt den Plot zwischen Tod und Leben auf der Rasierklinge tanzen. Klar, dass der Killer nicht davonkommen darf. Da ist Vincents gekittete Ehe nur eine Zugabe.
    Besonders das verbale Duell von Vincent und Neil steht im Zentrum und beide Darsteller agieren äußerst souverän: mit freundlicher Mimik tauschen sie ganz cool ihre Argumente aus, wobei jederzeit eine Kanone gezückt werden könnte. Und trotz aller zur Schau gestellten Raubeinigkeit, lassen sie doch Verletzlichkeiten ahnen – dank Al und Robert.
    Letzterem war dann ja auch der Boden unter den Füßen – oder einem etwas höher gelegenen Körperteil – zu heiß geworden. (Titel!)

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