Kritik

La tua presenza nuda! Der Zeuge hinter der Wand

„Der Zeuge hinter der Wand“ // Deutschland-Start: 4. September 2020 (DVD)

Drei Jahre nach dem rätselhaften Unfalltod seiner Frau beschließt der erfolgreiche Autor Paul Bezant (Hardy Krüger) wieder zu heiraten. In sein luxuriöses Landhaus in der Nähe von Madrid zieht daher seine neue Frau Elise (Britt Ekland) ein und trifft dort auf Pauls Sohn Marcus (Mark Lester), der behauptet, er sei wegen einer Krankheitswelle an seiner Schule wie alle anderen Schüler beurlaubt worden. Zwar ist Elise nicht ganz überzeugt von der Geschichte, versucht aber sich nichts anmerken zu lassen und die Zeit zu nutzen, um sich mit ihrem Stiefsohn anzufreunden. Doch Marcus zieht sich lieber zurück, reagiert kühl und abweisend auf die Annäherungsversuche Elises, die es schon bald aufgibt, zu dem Jungen durchzudringen. Als dann schließlich Paul zu ihnen stößt, entwickelt sich ein Konkurrenzkampf zwischen Marcus und Elises um dessen Aufmerksamkeit. So behauptet Marcus, Elise habe Geld gestohlen und würde ihn nicht mögen, was zu Spannungen zwischen den Verliebten führt. Nachdem sich Elise bei Marcus’ Schule wegen der angeblichen Krankheitswelle erkundigt, kommt sie einem beunruhigenden Geheimnis des Kindes auf die Spur.

Verbotene Blicke
Mit Der Zeuge hinter der Wand legte das Regieduo James Kelley und Andrea Bianchi 1972 einen Psychothriller vor, der fest in der Tradition des europäischen Thrillerkinos verankert ist. Dieser war lange Zeit gerade in Deutschland nur zensiert zu erhalten wegen einiger recht freizügiger und suggestiver Szenen zwischen Schauspielerin Britt Ekland und dem damals noch jugendlichen Mark Lester. Aus heutiger Sicht ist der Film eine spannende Geschichte um Manipulation und (sexuelle) Machtspiele, die insbesondere durch Aspekte wie die Musik von Stelvio Cipriani, einem Komponisten, der im Genre schon für viele Soundtracks bekannt ist, punkten kann.

Die wunderschöne, sommerliche Landschaft Spaniens bildet den Hintergrund für die Geschichte des Film, der sich meist auf dem Besitz des von Hardy Krüger gespielten Autors abspielt. Bereits nach den ersten Minuten bemerkt des Zuschauer die ungewöhnliche Spannung zwischen den Charakteren, insbesondere Elise und Marcus, wobei gerade das Kind immer wieder zu provozieren scheint, Elise mit zweideutigen Äußerungen reizt oder sich ihr gar körperlich nähert. Der junge Mark Lester brilliert als Kind, welches sich in vielerlei Hinsicht wie ein Erwachsener verhält, gerissen ist und bei dem sich hinter jeder Äußerung eine Falle zu verbergen scheint. Im Gegenzug dazu wirkt Eklands Figur schon fast blass, was nicht zuletzt auch an ihrem hölzernen Spiel liegt.

Ein Geflecht aus Lügen
Neben diesen Aspekten spielt das clever geschriebene Drehbuch, an welchem Bianchi mitschrieb, von seine diversen Wendungen und den suggestiven Dialogen. Ohne zu viel vorwegzunehmen, aber wirklich nichts ist so, wie es scheint in dieser Geschichte, in der eine Frau sich in den Wahnsinn getrieben fühlt und sich bald schon als nächstes Opfer eines Mörder sieht, an ihrer Zurechnungsfähigkeit zweifelt und erkennen muss, dass sie ihrem noch jugendlichen Kontrahenten in vielfacher Hinsicht unterlegen zu sein scheint.

Credits

OT: „La tua presenza nuda!“
Land: Deutschland, Spanien, Italien, UK
Jahr: 1972
Regie: James Kelley, Andrea Bianchi
Drehbuch: Andrea Bianchi, Bautista Lacasa, Trevor Preston
Musik: Stelvio Cipriani
Kamera: Luis Cuarado, Harry Waxman
Besetzung: Britt Ekland, Hardy Krüger, Mark Lester, Lilli Palmer

Bilder

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Der Zeuge hinter der Wand
„Der Zeuge hinter der Wand“ ist ein cleverer Psychothriller, der besonders durch sein gutes Drehbuch und Mark Lester in der Rolle eines mit allen Wassern gewaschenen kleinen Satansbraten überzeugen kann. Zwar kann das Spiel Britt Eklands nicht ganz überzeugen, doch einen Blick ist der Film gerade für Bewunderer europäischen Thrillerkinos auf jeden Fall wert.
6von 10

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