Kritik

Deep Logic

„Deep Logic“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Nachdem er viele Jahre sein Glück als Musiker auf den Bühnen Tokios versucht hat und ihm der große Durchbruch versagt geblieben war, begnügt sich Todo (Shun Todo) nun damit, anderen Künstlern auf ihrem Weg zu helfen und ihre Musik zu produzieren. Im Falle von Kuryu (Mina Kuryu), einer Straßenmusikerin, ist die Sache etwas anders, denn nicht nur ihre Musik, sondern auch die selbst hat den jungen Mann ganz bezaubert, der sich Hals über Kopf in sie verliebt. Noch während er sich um ihren ersten großen Auftritt kümmert und ihr bereits davon erzählt, wie sie ihre Musik promoten können, schmiedet er Pläne für die Zukunft und kauft einen Verlobungsring. Jedoch weiß Todo noch nicht, auf was er sich bei einer Beziehung zu Kuryu eingelassen hat. Die junge Frau wird nämlich nicht nur von einer bekannten Reporterin (Anon Shiina) beschattet, sondern ist auch von besonderem Interesse für die Ermittlungen einer Anti-Terror-Einheit der Polizei Tokios unter der Leitung des raubeinigen Chief Inspector Tsuychiya (Kanehisa Tsuchiya). Also ob dies noch nicht genug wäre, haben zudem die Terroristen, eine Gruppe namens „The Attackers“, angeführt von der mysteriösen UDA (Miki Udagawa), ein Auge auf Kuryu geworfen, die sie, koste es was es wolle, entführen wollen. So muss sich Todo bald um mehr als eine Verlobung Gedanken machen, denn sein Leben und das Kuryus schweben in größter Gefahr.

Zwischen Terror und Popcorn
Anlässlich der Feier ihres zwanzigjährigen Bestehens hatte die in Tokio ansässige Theatertruppe 6BanCEED die Produktionsfirma von Regisseur Kentaro Yamagishi (Pumpkin Girls) mit dem Auftrag betraut, einen Trailer zu einem Hollywood-Blockbuster zu erstellen, welcher die Mitglieder der Truppe in verschiedenen Rollen zeigte. Was zunächst als Gag für die Jubiläumsfeierlichkeiten geplant war, entpuppte sich für die von Yoichi Matsumoto angeführte Truppe als eine wahre Überraschung, denn besonders im Netz hatte der Trailer viele Fans, die es nicht abwarten konnten, den fertigen Film zu sehen, was sich Yamagishi und Matsumoto wohl nicht zweimal sagen lassen wollten und sich an die Produktion von Deep Logic, der nun unter anderem auf dem Japan Filmfest in Hamburg läuft, machten.

Im Kern ist Deep Logic Popcornkino, welches sich, wie schon gesagt, dem US-amerikanischen Blockbusterkino verpflichtet fühlt. Eine schier nicht enden wollende Kaskade von Verfolgungsjagden, Explosionen und Kämpfen zeigt sich dem Zuschauer in den über zwei Stunden Laufzeit. Unterhalten wird man, zumindest für eine Weile, gut, was nicht zuletzt an den mit viel Spielfreude agierenden Darstellern liegt, die ihre Rollen stets mit einem Hang zum Over-Acting ausfüllen, was innerhalb der ohnehin luftig-leichten Handlung ein zusätzlicher Unterhaltungsfaktor ist, zumindest stellenweise.

Leider sind viele der gerade aufgeführten Aspekte auch gleich Schwachstellen in dieser Geschichte, der etwas zu wenig sehr gut getan hätte. Alleine die zahlreichen Nebenbaustellen, in denen sich Yamagishis Film verfängt, sind nicht nur unübersichtlich, sondern mit Blick auf das Gesamtbild auch überflüssig. In seiner Liebe zum Unterhaltungskino, vor allem im Bereich Action nimmt sich Deep Logic einiges vor und liefert zu viel, sodass sich spätestens nach einer Stunde beim Zuschauer eine Übersättigung einstellt.

Absolutes Chaos
Nach der Hälfte seiner Laufzeit werden die Schwachstellen des Films noch deutlicher, der mit Inhalt nicht dienen kann und in dem Logik, entgegen dem Titel, weniger eine Rolle spielt. Vielmehr verliert sich die Handlung nun vollends im Chaos, sodass gar ein Film wie Richard Kellys amüsanter Southland Tales als ein Wunderwerk erzählerischer Prägnanz gelten könnte. Stattdessen regiert das Chaos in dieser Geschichte, die ihren Faden verliert, irgendwo zwischen den vielen Actionszenen, die zudem noch an eher durchschnittlicher CGI leiden.

Das Tragische an einem Film wie Deep Logic und damit auch ein positiver Aspekt ist das Engagement. Zweifelsohne ist dies ein Film, in dem sehr viel Leidenschaft und Herzblut steckt, wenn man sich alleine schon einige der Dialoge ansieht und mit welcher Inbrunst die Darsteller auch die größte Albernheit zum Besten geben. Doch leider ist es zu viel von allem, sodass man Kantaro Yamagishis Film und damit auch dem Drehbuch Yoichi Matsumoto eine konsequentere Überarbeitung gewünscht hätte.

Credits

OT: „Deep Logic“
Land: Japan
Jahr: 2020
Regie: Kentarô Yamagishi
Drehbuch: Yoichi Matsumoto
Musik: Ryota Horii
Besetzung: Shun Todo, Mina Kuryu, Anon Shiina, Kanehsa Tsuchiya, Miki Udagawa, Kazuyuki Ozawa, Yasuhiro Higuchi

Trailer

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Deep Logic
Kentaro Yamagishis „Deep Logic“ ist ein überlanger, die Geduld des Zuschauers strapazierender Actionfilm, der sich in der Nähe der Hollywood-Blockbuster sieht. Mögen auch einzelne Aspekte sowie die darstellerischen Leistungen stimmen, ist das Gesamtbild leider viel zu chaotisch und bisweilen sogar ziemlich eintönig.
4von 10

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