Kritik

Southland Tales

„Southland Tales“ // Deutschland-Start: 2. Oktober 2008 (DVD/Blu-ray)

Nach zwei verheerenden Terroranschlägen mitten in Texas hat sich die USA in einen Militär- und Überwachungsstaat verwandelt, der unter dem Deckmantel des Schutzes der Bevölkerung nicht nur Grenzkontrollen innerhalb des Landes eingeführt hat, sondern sich auch in einem mittlerweile drei Jahre andauernden Konflikt mit dem Nahen Osten befindet. Einen wichtigen taktischen Vorteil soll die Erfindung von Fluid Karma bringen, eine alternative Energie, die sich vor allem aus dem Ozean nährt und, durch die Erfindung eines Wissenschaftlers im Dienste der USA, die als die Lösung aller Energieversorgungsprobleme gesehen wird. Erste Testergebnisse an Soldaten haben zudem gezeigt, dass Fluid Karma telepathische Fähigkeiten geben und man in die Zukunft sehen kann. Eine entscheidende Figur innerhalb dieser Experimente stellt der verschollen geglaubte ehemalige Actionstar und Personenschützer Boxer Santoros (Dwayne Johnson) dar, der, nachdem er sich bis ins sonnige Los Angeles durchgeschlagen hat, mit der ehemaligen Pornodarstellerin Kysta Now (Sarah Michelle Gellar) zusammenkommt, welche wiederum Verbindungen zu einer neomarxistischen Widerstandsgruppe im Herzen von Venice Beach hat. Während Boxer Krysta bei der Realisierung ihres Drehbuchs zu einem Film über das Ende der Welt helfen will, nutzten derweil Mitglieder des Widerstands Fotos von Boxer und Krysta dazu, um Senator Bobby Frost (Holmes Osborne) zu erpressen und so die bevorstehende Präsidentschaftswahl zu beeinflussen. Darüber hinaus setzt Madeline Frost Santaros (Mandy Moore) alles daran, ihren an Amnesie leidenden Mann Boxer wieder zu sich zu holen, dessen Schicksal eng an das Fortbestehen der Erde geknüpft ist.

Eine Chronik des Scheiterns
In gewisser Weise steckt in Geschichten über das Scheitern eine nicht zu unterschätzende Faszination auf den Leser oder Zuschauer, denn gerade in diesen lässt sich allerlei Interessantes und Wahres über den Menschen an sich finden und im Falle von Richard Kellys ambitioniertem Projekt Southland Tales auch über die Logik Hollywoods. Nach seinem viel gerühmten ersten Film Donnie Darko, der bis heute Kultstatus genießt, verfolgte Kelly eine Geschichte, die er schon lange mit sich trug und die ein, wie er es immer wieder beschrieb, „interaktives Erlebnis“ darstellen sollte, in welchem der Film nur ein Element sein sollte, welches von einer Reihe von Comicbänden sowie einer Homepage über die Welt in Southland Tales begleitet und ergänzt werden sollte. Desaströse Rezensionen, insbesondere von der US-amerikanischen Presse besiegelten dann das künstlerische und kommerzielle Scheitern des Gesamtprojekts, von dem nur noch der Film übrig blieb, der sich aber in der heutigen Zeit eines treuen Fankreises rühmen darf.

Besieht man alleine den verschiedenen Handlungsstränge sowie der Charaktere in Southland Tales wird einem die Vision deutlich gemacht, die hinter dem Projekt steckt. Bei der ersten Sichtung ist dieses zweieinhalbstündige Epos verwirrend, laut und bisweilen sogar offensichtlich hässlich. Auch eine sehr wohlwollende Rezension des Films kann die vielen Unebenheiten und ästhetischen Fehltritte nicht verschweigen, die sich hier versammeln und die Southland Tales zu einem sehr unbefriedigenden Sehvergnügen machen. Jedoch darf man an dieser Stelle das Negative nicht über das Bild Amerikas setzen, welches Kellys Film zeigt, eines, das gerade in der heutigen Zeit immer aktueller wird.

Überfrachtete Leere
Alleine das bunte Sammelsurium an Figuren, die man als Zuschauer Mühe hat, auseinander zu halten, offenbart einen Querschnitt jener schräg-schrillen Charaktere, wie man sie aus der Welt der Politik, des Militärs und der Prominenz kennt. Kelly hebt die Unterscheidung dieser Welten auf und vermischt diese, was konsequenterweise zu einer Vermischung der Ebenen insgesamt führt, wenn auf einmal eine ehemalige Pornodarstellerin Politik macht oder sie hellseherische Fähigkeiten hat. Das Chaos hat Methode und zeigt eine Welt, die eine Apokalypse, wie man sie mittlerweile aus vielen Filmen und Roman kennt, nicht braucht, befindet sie sich doch gerade in einem komplexen Aufhebungsprozess des Lebens, der Zeit und des Raums. Zurück bleibt eine Leere, die Kellys Figuren in panischer Weise mit Inhalt, mit Bedeutung füllen wollen, weil keiner den Blick in die Dunkelheit des Abgrunds wagen will.

Auch auf ästhetischer Ebene setzt sich dieser Zersetzungsprozess fort, wenn beispielsweise Panzer durch eine Stadt im Nahen Osten auf der Seite mit Werbung von Panasonic oder Hustler versehen sind. Der Krieg als Medienereignis wird persifliert, die offensichtliche Geschmacklosigkeit als Element einer neuen Normalität verkauft, die keiner hinterfragen kann und deren Hintermänner an der absoluten Kontrolle der Realität interessiert sind.

Credits

OT: „Southland Tales“
Land: USA
Jahr: 2006
Regie: Richard Kelly
Drehbuch: Richard Kelly
Musik: Moby
Kamera: Steven B. Poster
Besetzung: Dwayne Johnson, Sean William Scott, Sarah Michelle Gellar, Justin Timberlake, Holmes Osborne, Miranda Richardson, Mandy Moore

Trailer

Filmfeste

Cannes 2006

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Southland Tales
4.2 (84%) 10 Artikel bewerten

Southland Tales
„Southland Tales“ ist ein Film irgendwo zwischen Dadaismus und Sozialsatire. Richard Kelly hat einen Film über das Ende der Welt gemacht, welches nicht durch Zombies oder einen Atomkrieg daherkommt, sondern durch die Zunahme von Leere und Chaos, wie wir sie auf allen Ebenen unseres Lebens erfahren werden. Dies ist verwirrend, hässlich und anstrengend, aber auch nicht uninteressant.
6von 10

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