Kritik

37 ohne Zwiebeln

„37 ohne Zwiebeln“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Die Zeit rast. Das ist keine besonders neue Erkenntnis, jeder macht diese Erfahrung im Leben. Je älter man wird, umso weniger Zeit scheint man für alles zu haben. Manchmal ist man so sehr mit allem möglichen beschäftigt, dass der Blick auf die Uhr mit einem ziemlichen Schock verbunden ist: Wie kann es sein, dass es schon so spät ist? Der Kurzfilm 37 ohne Zwiebeln nimmt sich dieses Themenkomplexes an, tut dies aber auf eine ausgesprochen originelle und kurzweilige Weise. Im Mittelpunkt steht Lukas (Bernd Moss), der früher die Langsamkeit mochte, den seine Arbeit aber dazu zwingt, ständig auf Achse zu sein, an mehreren Orten gleichzeitig. Das trifft mittlerweile sogar beinahe wörtlich zu, wenn er immer wieder von einem Ort zum nächsten springt, ohne sich daran erinnern zu können, wie er dorthin gekommen ist.

Das hört sich nach einem Mystery-Thriller an, welcher das beliebte Motiv der Amnesie aufgreift. Tatsächlich ist 37 ohne Zwiebeln aber eine Komödie. Der Regisseur und Drehbuchautor André Erkau (Das Leben ist nichts für Feiglinge) zeigt humorvoll und leicht surreal, wie wir derart auf ein Ziel fixiert sein können, dass wir den Weg nicht mehr wahrnehmen. Der Kurzfilm ist damit natürlich auch ein Plädoyer dafür, alles mal ein wenig zu überdenken, langsamer zu machen, sich wieder bewusster zu werden. Das ist sympathisch und ist seit dem Erscheinen 2006 nicht unbedingt weniger aktuell geworden.

Credits

OT: „37 ohne Zwiebeln“
Land: Deutschland
Jahr: 2006
Regie: André Erkau
Drehbuch: André Erkau
Musik: Dürbeck & Dohmen
Kamera: Dirk Morgenstern
Besetzung: Bernd Moss, Linda Olsansky, Bjarne Mädel, Christian Kerepeszki

Filmfeste

Max Ophüls Preis 2006
Shorts at Moonlight 2020

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37 ohne Zwiebeln
3.6 (72%) 15 Artikel bewerten

37 ohne Zwiebeln
„37 ohne Zwiebeln“ erzählt von einem Mann, der ständig von einem Ort zum nächsten wechselt, ohne zu wissen, wie er dorthin gekommen ist. Der Kurzfilm ist eine originelle und humorvolle Auseinandersetzung mit einer Gesellschaft, die so sehr das Tempo sucht, dass sie sich selbst verliert.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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