Kritik

Black Christmas 2019 DVD

„Black Christmas“ // Deutschland-Start: 12. Dezember 2019 (Kino) // 23. April 2020 (DVD/Blu-ray)

Auf dem Campus des angesehenen Hawthorne College laufen die Vorbereitungen unter den Studenten für die Weihnachtsferien. Auch Riley (Imogen Poots) versucht sich in Festtagslaune zu bringen, doch das Trauma der Vergewaltigung durch einen Mitstudenten beschäftigt sie immer noch zu sehr, besonders, da ihr abgesehen von ihren Verbindungsschwestern keiner Glauben schenkt. Ihre Freundinnen versuchen, sie aufzumuntern, können sie sogar überreden, bei ihrer seit langem geplanten Tanzperformance anlässlich der Weihnachtsfeier auf dem Campus aufzutreten. Als Riley Brian, jenen Studenten, der sie vergewaltigte, sieht, ändert sie kurzerhand den Text des Liedes, münzt es um auf ihr Erlebnis mit ihm und macht ihn lächerlich vor der Studentenschaft. Am nächsten Tag, als Riley und ihre Freundinnen, sich auf das Weihnachtsfest versuchen einzustimmen, ist die Stimmung getrübt, denn nicht nur ist einer von ihnen verschwunden, alle, auch Riley, haben anonyme, bedrohliche Nachrichten erhalten. Als Riley sich mit einer Freundin über den Auftritt streitet, den sie als Auslöser für die Nachrichten sieht, werden sie attackiert von einem maskierten Angreifer und müssen fortan um ihr Überleben kämpfen.

Horror und Feminismus
Über die Jahre hat Bob Clarks Black Christmas (1974) nicht nur einen gewissen Kultstatus erlangt, sondern bildete auch das Fundament für einen Roman sowie eine Neuverfilmung. Regisseurin Sophia Takal ist nicht nur Fan des Horrorgenres, sondern bewundert Clarks Original, wie sie selbst sagt, wegen der weiblichen Charaktere, die ihr, speziell im Rahmen der Diskussion über die Rollen von Frauen in der Gesellschaft vor dem Hintergrund von #MeToo, so aktuell und relevant wie noch nie erschienen. Dies war Grund genug für sie, wie auch Produzent Jason Blum, eine weitere Neuverfilmung von Black Christmas anzugehen, die sich betont feministisch gibt, aber gleichzeitig sich ihrer Wurzeln im Slasher-Genre bewusst ist.

Wenn man heutzutage auf bestimmte Filme zurückblickt, kommt es durchaus vor, dass ein allzu nostalgischer Blick, sofern man dies so nennen kann, einem den Blick für die negativen Aspekte einer Inszenierung versperrt. Bei all dem Kultstatus, den beispielsweise John Carpenters Halloween genießt, wird oft unter den Tisch fallen gelassen, wie eindimensional die Figuren im Film sind oder wie amateurhaft das Spiel mancher Darsteller ist. Dennoch ist für jeden, spätestens, wenn man die ersten Töne des „Halloween Theme“ hört, klar, warum Carpenters Film einen solchen Status innehat. Über Bob Clarks Black Christmas kann man Ähnliches wohl kaum sagen, der Ruf als „erster Slasher“ reicht vielen wohl aus, um ihm das Label „Kult“ zu verleihen.

Auf wen genau sich Sopia Takal bezieht, wenn sie von guten Frauencharakteren in Clarks Film spricht, bleibt wohl ihr Geheimnis, doch auf die Charaktere in ihrer Neuverfilmung trifft dies zu keiner Zeit zu. Dies liegt nicht am mangelnden Talent ihrer Darsteller – gerade Imogen Poots versucht das Beste aus dem zu machen, was man ihr anbietet – sondern vielmehr daran, dass Takals und April Wolfes Drehbuch eine politisch-gesellschaftliche Agenda über Charakterentwicklung und generell das Handwerk eines Drehbuchschreibers setzen. Darüber hinaus scheint sie ein Missverständnis von Feminismus anzutreiben, welches sich in hysterisch-plumper Weise in den Dialogen wiederfindet und jenen militanten Zweig der Frauenbewegung huldigt, der sich in radikalen Positionen verrennt.

Das Einmaleins des Slasher
Wer sich auf die Neuverfilmung von Black Christmas einlässt, wird einen Ableger jenes Kinos bekommen, in dem #MeToo sich dem Zuschauer nicht länger anbietet, sondern sich geradezu aufzwingt. Eine Neuinterpretation des Slasher-Genres mit femininen Bezügen klingt theoretisch durchaus reizvoll, verkommt aber in diesem Film zu reiner Pose, einer pseudo-politischen Masche, die nicht länger unterhalten will, sondern aufklären und aufzeigen. Hat Jordan Peeles Get Out noch gezeigt, auf welch intelligente Weise sich eine sozialkritische Agenda mit den Konventionen des Horrorgenres verknüpfen kann, so bleibt Sophia Takals Black Christmas ein zahnloser Tiger, dessen Charaktere keinesfalls „stark“ sind, sondern Erfüllungsgehilfen für eine fragwürdige, bereits überholte und, um ehrlich zu sein, dumme politische Agenda.

Wenn man einmal diese Aspekte der Geschichte außen vor lässt, bleibt nur wenig Positives zurück. Gute Ansätze verkümmern unter tumben Dialogen, berechenbaren Gewaltszenen und einem Finale, dessen Auflösung wohl selbst den geduldigsten Zuschauer auf die Probe stellen wird.

Credits

OT: „Black Christmas“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Sophia Takal
Drehbuch: Sophia Takal, April Wolfe
Musik: Will Blar, Brooke Blair
Kamera: Mark Schwartzbard
Besetzung: Imogen Poots, Liliy Donoghue, Aleyse Shannon, Brittany O’Grady, Cleb Eberhardt, Cary Elwes

Trailer

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Black Christmas (2019)
„Black Christmas“ von Sophia Takal ist die filmgewordene Entgleisung von #MeToo. Die plumpe Programmatik des Drehbuchs beweist ein Missverständnis des Genres sowie das Fehlen eines Spannungsaufbaus, der in jedem Falle spätestens bei der lächerlichen Auflösung verpufft. Mag die Intention auch noch so edel gewesen sein, aber mit „Black Christmas“ haben sich alle Beteiligten keinen Gefallen getan.
3von 10

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