Kritik

Cobbler Der Schuhmagier

„Cobbler – Der Schuhmagier“ // Deutschland-Start: 19. Mai 2015 (DVD/Blu-ray)

Wie schon sein Vater, sein Großvater und all die Leute davor führt Max Simkin (Adam Sandler) einen kleinen Laden in New York und repariert Schuhe. Und auch wenn es ihm nicht unbedingt an Aufträgen mangelt, so richtig aufregend ist sein Leben nicht gerade. Das ändert sich, als er eines Tages eine unglaubliche Entdeckung macht: Wenn er die Schuhe mit der Leder-Nähmaschine bearbeitet, die sein Vater ihm hinterlassen hat, und diese trägt, nimmt er das Aussehen der jeweiligen Besitzer an. Für Max bedeutet das, endlich mal etwas Neues zu erleben, wenn er sich beispielsweise in den attraktiven Nachbar Emiliano (Dan Stevens) verwandelt oder auch in seinen eigenen Vater (Dustin Hoffman), der vor vielen Jahren die Familie im Stich gelassen hat. Doch als er sich auf den lokalen Gangster Leon Ludlow (Method Man) einlässt, lernt er die Schattenseiten seiner neuen Fähigkeit kennen …

Auch wenn Adam Sandler – von wenigen Ausnahmen wie Der schwarze Diamant einmal abgesehen – nicht unbedingt ein Liebling von Filmkritikern ist, an den Kinokassen war er doch immer wieder ausgesprochen erfolgreich. Tatsächlich haben seine Werke allein in den USA mehr als 2,5 Milliarden Dollar eingespielt, was man ohne große Franchises wie Marvel oder Star Wars erst einmal schaffen muss. Wenn nun ein neuer Film mit dem Komiker nicht in die Kinos gebracht wird, weder daheim noch international, ohne dabei Teil eines Streamingdeals zu sein, dann darf man schon mal misstrauisch werden – umso mehr, wenn in dem Film lauter bekannte Gesichter zu sehen sind.

Was sollte das denn bitte?
Von den Kritikern wurde der Film dann auch wie zu erwarten war ungespitzt in den Boden gerammt, kaum einer ließ ein gutes Haar an Cobbler – Der Schuhmagier aus. Dabei wäre es nicht wirklich fair, die diversen Mängel der Komödie allein Sandler anzulasten. Vielmehr darf man sich fragen, was genau hier eigentlich Tom McCarthy geritten hat, der sowohl das Drehbuch mitgeschrieben wie auch Regie geführt hat. Ursprünglich hatte sich der Filmemacher einen Namen im Indie-Bereich gemacht, später drehte er unter anderem den herausragenden Investigativthriller Spotlight sowie den warmherzigen Geheimtipp Timmy Flop: Versagen auf ganzer Linie. Filme, die einen nicht vermuten lassen, dass er zwischendurch einen derartigen Flop angeliefert hat.

Dabei ist die grundsätzliche Idee zumindest originell. Sich durch die Schuhe in die Person verwandeln, der diese Schuhe gehört? Das ist etwas, was einem vielleicht während einer feuchtfröhlichen Nacht einfällt, in dem selbst die blödesten Sachen irgendwie genial klingen. Das dann aber auch im nüchternen Zustand verfilmen zu wollen – Respekt. Leider hat McCarthy jedoch entweder kein Interesse daran, die Absurdität des Szenarios auskosten zu wollen, oder es fehlen ihm die Ideen. Erst zum Schluss zeigt er, was man aus dem Wahnsinn alles hätte herausholen können, wenn Cobbler – Der Schuhmagier auf einmal auf den Pfaden diverser Comic-Adaptionen wandelt, jedoch auf eine Weise over the top, als hätte er gern eine Parodie gedreht.

Herz und Humor gesucht
Mit dem restlichen Film hat das jedoch herzlich wenig zu tun. Stattdessen ist Cobbler – Der Schuhmagier eine Mischung aus Verwechslungskomödie, wenn sich Max immer wieder als jemand anderes ausgibt, und ein bisschen Wohlfühlmoral nach dem Motto: Erst wer in den Schuhen anderer gelaufen ist, kann deren Leben wirklich verstehen! Beides ist für sich genommen natürlich legitim, in Kombination jedoch kaum interessant, zumindest nicht in der vorliegenden Form. Die Witze sind beispielsweise so einfallslos, als hätten sie von Sandler selbst sein können, auch weil der Film vorrangig mit Stereotypen arbeitet.

Damit fällt aber auch der Anspruch weg, durch einen Perspektivwechsel mehr über andere Menschen zu erfahren. McCarthy interessiert sich kaum für die Figuren, deren Schuhe Max in die Hände fallen. Es gibt keine überraschenden Entwicklungen oder Entdeckungen, weder im positiven, noch im negativen Sinn. Wenn der Wechsel nur zu noch mehr Klischees führt, denen die Komödie so ganz ohne Ironie begegnet, dann kann man sich das Ganze auch sparen. Die angestrebte Warmherzigkeit, sie hat mehr von einem Wiederaufwärmen. Cobbler – Der Schuhmagier ist sicher nicht der schlechteste Film, den man in der Filmografie Sandlers findet, aber einer der enttäuschendsten – allein schon des verschwendeten Potenzials wegen. Denn am Ende ist das hier so belanglos und frei von Magie, dass man sich nicht einmal mehr darüber aufregen mag.

Credits

OT: „The Cobbler“
Land: USA
Jahr: 2014
Regie: Tom McCarthy
Drehbuch: Tom McCarthy, Paul Sado
Musik: John Debney, Nick Urata
Kamera: W. Mott Hupfel III
Besetzung: Adam Sandler, Method Man, Dustin Hoffman, Steve Buscemi, Melonie Diaz, Ellen Barkin, Dan Stevens

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Cobbler – Der Schuhmagier
In „Cobbler – Der Schuhmagier“ entdeckt ein Schuster, dass er die Gestalt anderer Menschen annehmen kann, wenn er deren Schuhe trägt. Das ist als Idee schön bescheuert, wird aber zu wenig in dieser Hinsicht genutzt. Stattdessen gibt es eine Mischung aus Verwechslungskomödie und Wohlfühlmoral, die trotz vieler bekannter Gesichter gesichtslos bleibt.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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