Kritik

Apocalypto

„Apocalypto“ // Deutschland-Start: 14. Dezember 2006 (Kino) // 27. November 2014 (DVD/Blu-ray)

Mitten im tropischen Regenwald befindet sich ein kleines Dorf, welches vornehmlich aus Jägern wie Blitzender Himmel (Morris Birdyellowhead) und seinem Sohn Pranke des Jaguar (Rudy Youngblood) angeführt wird. Als er und sein Sohn im Wald auf eine Gruppe Indianer treffen, die auf der Flucht sind, ahnt Pranke des Jaguar schon, dass ihnen allen eine Veränderung bevorsteht, doch sein Vater sagt ihm, er solle keine Angst haben. Doch schon am nächsten Morgen wird das Dorf von einer Gruppe Menschenjäger überfallen, die viele Bewohner töten und den Rest in Gefangenschaft nehmen. Im letzten Moment gelingt es Pranke des Jaguar seine schwangere Frau und seinen Sohn in Sicherheit zu bringen, allerdings kommt er zu spät, um zu verhindern, dass sein Vater grausam hingerichtet wird. Der beschwerliche Weg in die Stadt, wo die Gruppe einem ungewissen Schicksal entgegensieht, führt sie an den zerstörten Feldern vorbei und an hungernden Menschen, sodass sich Pranke des Jaguar wie auch seinen Leidensgenossen nach und nach das gesamte Bild erschließt. In der Stadt und schließlich an einer mächtigen Stufenpyramide angekommen, haben sie alle Gewissheit: Sie sollen dem Sonnengott als Opfer dargeboten werden, da dieser eine schlimme Dürre und eine Seuche über die Menschen brachte. Auf dem Weg hinauf zum Opferaltar denkt Pranke des Jaguar an seine Familie, die den Gefahren des Dschungels ausgesetzt ist, auf ihn wartet und er weiß, er muss einen Ausweg finden.

Bilder einer Jagd
Nach ihrer Zusammenarbeit an dem umstrittenen Die Passion Christi kam Regisseur Mel Gibson und Drehbuchautor Farhad Sarfinia die Idee zu Apocalypto, weil sie über die Essenz des Actiongenres nachdachten und dabei immer wieder auf das Bild kamen, wie ein Mann um sein Leben rennt. Darüber hinaus fanden beide die Idee reizvoll, die Zivilisation der Maya zu erforschen und in das Zentrum der Geschichte zu stellen, wobei sie, ähnlich wie schon bei Die Passion Christi, viel Wert auf Authentizität legten und man die Darsteller in die Sprache der Mayas einwies. Entstanden ist dabei ein in mehrfacher Hinsicht faszinierender Film, der einen Blick auf eine Zivilisation und deren Untergang wirft, wie sie diesen selbst herbeiführte und welche Folgen dies auf das Weltgeschehen hatte.

Im Allgemeinen begleitet das Bild der Jagd den Film und wird zu einer zentralen Metapher innerhalb der Geschichte. Bereits in den ersten Minuten wird der Zuschauer Zeuge einer atemlosen Treibjagd im Dschungel, während derer sich eine Vielzahl von Jägern auf einen heiser kreischenden Tapir stürzen, diesen in Netzen einfangen und schließlich in eine tödliche Falle treiben. Später im Film wird einer der Anführer, der von Rudy Youngblood gespielte Pranke des Jaguars, ebenfalls zum Ziel einer Gruppe Jäger. Dieses Klima der Paranoia und der Angst, die zwischen Jäger und Gejagtem changiert, betont die Getriebenheit einer Zivilisation, die sich in den letzten Atemzügen befindet. Entgegen der reichen Kultur, die hier und da im Film aufblitzt, betonen die Bilder die Barbarei und den Blutrausch einer Zivilisation, die im Prozess der Selbstzerfleischung begriffen ist, wobei auch hier die Rollenvergabe wechselt.

Visionen vom Untergang
Aus diesem Bild der Jagd ergibt sich der, wie der Titel des Films schon deutlich macht, apokalyptische Ton des Films. Der besonders hellhörige und aufmerksame Pranke des Jaguar ahnt bereits die Veränderung bei der Begegnung mit den Männern im Dschungel und beobachtet beunruhigt die Umgebung auf dem Weg in die Stadt von den verdorrten Feldern bis hin zu den mit Beulen übersäten Menschen. Vom Blut, den Leichen und den begeisterten Schreien der Menge am Opferalter ganz zu schweigen.

Sehr detailreich inszeniert Gibson eine Kultur, die sich selbst vergessen hat in einem Strudel der Gewalt, des Hedonismus und der Barbarei. Wie schon in Die Passion Christi zeigt er eine Menge, die mit Schaum vor dem Mund nach mehr Blut verlangt und dadurch auf die Aufhebung des Elends hofft. Dies ist eine sehr provokante Vision, besonders wenn Gibson im gleichen Atemzug das Eintreffen der europäischen Kolonialherren vorbereitet, doch in ihrer Gesamtheit sehr packend erzählt.

Credits

OT: „Apocalypto“
Land: USA
Jahr: 2006
Regie: Mel Gibson
Drehbuch: Mel Gibson, Farhad Safinia
Musik: James Horner
Kamera: Dean Semler
Besetzung: Rudy Youngblood, Raoul Trujillo, Mayra Sérbulo, Dalia Hernández, Jonathan Brewer, Gerardo Taracena, Morris Birdyellowhead

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2007 Bestes Make-up Nominierung
Bester Ton Nominierung
Bester Tonschnitt Nominierung
BAFTA Awards 2007 Bester fremdsprachiger Film Nominierung
Golden Globe Awards 2007 Bester fremdsprachiger Film Nominierung

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Apocalypto
4.24 (84.76%) 21 Artikel bewerten

Apocalypto
„Apocalypto“ ist eine Mischung aus Action- und Historienfilm über eine Zivilisation, die dem kurz vor dem Untergang steht, den sie selbst in die Wege leitet. Insbesondere die dynamische Kameraarbeit sowie die detailreiche Inszenierung machen „Apocalypto“ zu einer faszinierenden Vision einer Welt, deren tatsächliche Realität man heute nur noch erahnen kann.
8von 10

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