Kritik

ShirazSeit sein Vater sie vor vielen Jahren alleine in der Wüste auffand, ist Selima (Enakshi Rama Rau) Teil der Familie von Shiraz (Himansu Rai), dem Sohn eines Töpfers. War sie als Kind noch seine Spielgefährtin, so wuchs seine Bewunderung und schließlich auch seine Liebe für Selima mit jedem Tag, doch offen aussprechen konnte Shiraz seine Gefühle bislang nicht. Als sie eines Tages von skrupellosen Sklavenhändlern entführt wird, nimmt Shiraz deswegen schnell die Verfolgung auf, kann aber nicht verhindern, dass seine Angebetete an den Hof des Prinzen Khurram (Charu Roy) verkauft wird, wo sie einer seiner Kurtisanen wird. Während Shiraz vor den Toren des Palastes auf ein Zeichen Selimas wartet oder eine Chance zu ihr zu gelangen, findet diese durch ihre Schönheit den Weg ins Herz des Prinzen, der Selima schon bald seinen anderen Kurtisanen gegenüber bevorzugt. Mit Sorge und Eifersucht beobachtet Dalia (Seeta Davi), eine der Kurtisanen, die sich eine Heirat mit dem Prinzen versprochen hat, das Geschehen und plant eine Intrige gegen ihre Nebenbuhlerin, bei der ihr der vor Liebe verzweifelte Shiraz gerade gelegen kommt.

Ein Denkmal für die Liebe
Während sich viele Autoren vor allem auf die wenig rühmliche Vergangenheit Franz Ostens in der Waffen-SS konzentrieren, verblasst hierbei das beachtliche filmische Erbe dieses Mannes, der mit Filmen wie Shiraz – Das Grabmal einer großen Liebe oder Die Leuchte Asiens einen bedeutenden und filmhistorisch wichtigen Beitrag zur Filmindustrie Indiens leistete. Dass diese Projekte gelangen, war auch dank der Unterstützung des Rechtsanwalts, Philosophen und Gelegenheitsschauspieler Himansu Rai möglich, der in Shiraz die Titelrolle übernimmt. Rais ambitioniertes Vorhaben war es, das indische Kino einem westlichen Publikum zu öffnen, ohne sich dem problematischen Exotizismus hinzugeben, sondern Filme zu schaffen, die ein asiatisches wie auch europäisches Publikum ansprechen sollten.

Die Mehrzahl der Filme, die aus dieser Kollaboration entstanden, sind Nacherzählungen indischer Mythen, Sagen oder besonderer historischer Ereignisse. So erzählt Shiraz, wie der deutsche Zusatz bereits andeutet, die Geschichte des wahrscheinlich berühmtesten Bauwerks Indiens, des Taj Mahal, auch wenn die Namen der Beteiligten im Film verändert wurden. Drehbuchautor William A. Burton basierte sein Skript daher auf ein zu der Zeit populäres Theaterstück aus der Feder Niranjan Pals, welches die Geschichte als großes Melodram anlegte. Dadurch gelingt dem Film ein universaler Ansatz, der kulturübergreifend funktioniert, erzählt Shiraz doch von Themen wie unerfüllter Liebe, Eifersucht, Verrat und Intrigen.

Große Gefühle, große Kulisse
Während die Geschichte aus heutiger Sicht den Plot vieler Bollywood-Streifen vorwegnimmt, überzeugt Ostens Film vor allem auf ästhetischer Ebene, wenn er sich auf die Wirkung der indischen Kultur verlässt. Land und Stadt, Kostüme und Architektur sind nicht bloße Zierde, sondern integraler Bestandteil dieser Welt und der Handlung, wie beispielsweise der stets präsente Bezug zu Wasser im Palast, der den Wohlstand und die Erhabenheit dieser Sphäre betont.

Vor eben dieser prächtigen Kulisse zeigt Osten große Emotionen, was beinahe opernhaft wirkt. Wer das Glück hat und die 2017 erschienene Restauration des British Film Institute sein Eigen nennen darf, wird zudem beglückt durch die Musik Anoushka Shankars, welche das Geschehen des Films nicht nur begleitet, sondern auch die emotionalen Höhen der Handlung hervorhebt.

Credits

OT: „Shiraz“
Land: Indien, Deutschland, UK
Jahr: 1928
Regie: Franz Osten
Drehbuch: William A. Burton
Musik: Anoushka Shankar (BFI-Restauration)
Kamera: Emil Schünemann, Henry Harris
Besetzung: Himansu Rai, Enakshi Rama Rau, Charu Roy, Seeta Devi

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Shiraz – Das Grabmal einer großen Liebe
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Shiraz – Das Grabmal einer großen Liebe
"Shiraz – Das Grabmal einer großen Liebe" ist eine Stummfilm-Romanze vor großer Kulisse mit großen Gefühlen. Überzeugen kann der Film vor allem auf ästhetischer Ebene, durch seine Musik und seine filmhistorische Bedeutung.
6von 10

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