Kritik

John Carpenter Ghosts of Mars

„Ghosts of Mars“ // Deutschland-Start: 18. Oktober 2001 (Kino) // 7. Mai 2002 (DVD)

Im Jahr 2176 ist es der Menschheit gelungen, durch technologischen Fortschritt und jahrelanges Terraforming den Planeten Mars bewohnbar zu machen und zu kolonisieren. Über den Mars verstreut gibt es ein komplexes Netzwerk aus Forschungs- und Militärstationen sowie Minen, welche die Rohstoffe des Planeten abbauen. Zu einem dieser Außenposten ist auch eine Gruppe Soldaten unterwegs, unter ihnen Leutnant Melanie Belard (Natasha Henstridge) und der machohafte Sergeant Jericho (Jason Statham), deren Mission es ist, den gefährlichen Verbrecher James „Desolation“ Williams (Ice Cube) aus dem Gefängnis zu einem Gericht zu überführen. Angeführt von Commander Helena Braddock (Pam Grier) macht die Truppe eine besonders grausige Entdeckung in der Arbeitersiedlung, denn offensichtlich hat ein Massaker unter den Arbeitern und ihren Familien stattgefunden. Durch eine Wissenschaftlerin erfahren sie von einer Ausgrabung, die eine mysteriöse Substanz aus dem Innern des Planeten zutage brachte, die in den Menschen ideale Wirte gefunden hat und sie in kurzer Zeit zu blutrünstigen Bestien verwandelt. Als die Truppe beschließt, so schnell es geht aus der Kolonie zu fliehen, sind sie bereits von einem ganzen Heer Infizierter umgeben, die nur nach dem Tod der Eindringlinge trachten.

Im Belagerungszustand
Wenn man einen Film wie Ghosts of Mars mit Rücksicht auf die Filmografie John Carpenters anspricht, dauert es nicht lange, bis man auf die sehr negativen Reaktionen, vor allem seitens der Kritik, auf den Streifen zu sprechen kommt. Bereits im Vorjahr waren mit Red Planet und Mission to Mars zwei Filme über Expeditionen auf dem roten Planeten an der Kinokasse gescheitert und leider sollte es auch Ghosts of Mars nicht anders ergehen. Nach einer ganzen Reihe sehr unerfreulicher Erfahrungen mit den Geschäftspraktiken der Traumfabrik Hollywood sollte dies auch der Film sein, der Carpenter dazu bewog, eine kreative Pause einzulegen, die er erst neun Jahre später mit The Ward unterbrach.

Ähnlich wie eigentlich der Großteil der Filme des Meisters ist auch Ghosts of Mars im Herzen eigentlich ein Western. Die neue Grenze des Weltalls gepaart mit dem Thema der Kolonialisierung sowie der unbekannten Bedrohungen, die dies mit sich bringt, bilden das thematische wie auch ästhetische Fundament dieses Films, der sich in vielen Punkten stark auf Werke wie Assault – Anschlag bei Nacht oder Das Ding aus einer anderen Welt bezieht. Gerade die Dialoge zwischen Henstridge, Cube und Statham erinnern zudem in ihrer Derbheit und dem Grad an Chauvinismus an ähnliche Eskapaden der Vampirjägertruppe aus Carpenters Vampire.

Wieder einmal inszeniert Carpenter einen Film, in welchem das Thema der Belagerung eine Rolle spielt. Die scheinbar immerwährende Nacht, die klaustrophobisch gefilmten Innenräume sowie das generelle Terrain des Planeten ergeben das Gesamtbild einer bedrohlichen, feindlichen Welt, die aus der Sicht der Menschen viel verheißt, aber doch fremd bleibt.

Heavy Metal-Action
Es gibt Elemente in Ghosts of Mars, die einfach nie wirklich zünden oder funktionieren wollen. Während es Carpenter früher gelang, eine Atmosphäre der Beklemmung und der Paranoia zu erschaffen, ist hiervon bestenfalls noch rudimentär etwas übrig, was nicht zuletzt dem allzu abstrakten Szenarios geschuldet ist. Wie in Vampire sind die Exploitation-Elemente, gerade in Sachen Gewalt, wieder sehr stark vertreten, ergeben aber kein kohärentes Gesamtbild, gerade weil der Film nicht so recht weiß, welches Genre er bedienen will. Wenn sich Carpenter auf Action verlagert, funktioniert der Film ganz gut und weiß, nicht zuletzt im Zusammenspiel mit der Metal-lastigen Musik, zu unterhalten, aber dann gibt es (leider) noch sehr viel Handlung drum herum.

Nichts drückt besser aus, was an diesem Film nicht funktioniert, wie die Besetzung. Die aus Species bekannte Natasha Henstridge gibt eine bestenfalls hölzerne Leistung ab, der man die körperlichen Belastungen der Dreharbeiten anmerkt. Warum jemand wie Jason Statham als chauvinistische und auch irgendwie nervige Figur verheizt wird, ist nur eines der Rätsel, welche dieser Film aufgibt.

Credits

OT: „John Carpenter’s Ghosts of Mars“
Land: USA
Jahr: 2001
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter, Larry Sulkis
Musik: John Carpenter
Kamera: Gary B. Kibbe
Besetzung: Natasha Henstridge, Ice Cube, Jason Statham, Clea DuVall, Pam Grier, Joanna Cassidy, Michael Descanso

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Ghosts of Mars
"Ghosts of Mars" ist ein leidlich unterhaltsamer, aber insgesamt schwacher Eintrag in der Filmografie John Carpenters. Mögen einzelne Aspekte auch zu überzeugen wissen, werden selbst hartgesottene Fans des Regisseurs ihre Probleme haben, wenn es darum geht, dieses inkohärente, vergessenswerte Machwerk zu verteidigen.
4von 10

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