Kritik

Galaxy Quest

„Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall“ // Deutschland-Start: 13. April 2000 (Kino) // 3. Juli 2006 (DVD/Blu-ray)

Seit vielen Jahren schon gibt es die Science-Fiction-Serie „Galaxy Quest“ nicht mehr, die in den 80ern erfolgreich im Fernsehen lief. Doch noch immer gibt es zahlreiche Fans, werden regelmäßig Fanconventions abgehalten, um den Helden von einst ganz nahe zu sein. Die nutzen diese Gelegenheit dann auch gerne, um sich feiern zu lassen – und noch einmal ein bisschen Kohle zu machen. Vor allem Jason Nesmith (Tim Allen), der in der Show den Captain des Raumschiffs spielte, genießt die Aufmerksamkeit. Aber selbst er hätte nicht gedacht, wie weit sein Ruhm reicht, denn eines Tages stehen ein paar Außerirdische vor seiner Tür und erbitten seine Hilfe im Kampf gegen einen intergalaktischen Diktator. Ehe es sich Jason versieht, ist er mit Gwen DeMarco (Sigourney Weaver), Alexander Dane (Alan Rickman), Fred Kwan (Tony Shalhoub), Tommy Webber (Daryl Mitchell) und Guy Fleegman (Sam Rockwell) an Bord eines echten Raumschiffs und muss versuchen, sein theoretisches TV-Wissen in die Tat umzusetzen …

1999 war ein ergiebiges Jahr für Fans von Science-Fiction-Filmen. Das Ereignis schlechthin war natürlich Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung, das sechzehn Jahre nach dem Ende der Original-Trilogie ein neues Kapitel aufschlug. Und auch Star Trek-Anhänger kamen auf ihre Kosten, wenngleich nicht ganz so wie gedacht. Denn einige Monate nach dem durchwachsenen Star Trek: Der Aufstand kam mit Galaxy Quest ein Film heraus, der einerseits ausgesprochen sehenswert war, randgefüllt mit Stars, und die Serie eindeutig zum Vorbild genommen hatte. Nur handelte es sich eben nicht um ein ernsthaftes Weltraumabenteuer als vielmehr eine Komödie, die sich über vieles lustig machte, was in dem Klassiker so vor sich ging.

Die Kunst des unsinnigen Fernsehens
Eine direkte Parodie wie seinerzeit Spaceballs, das Star Wars veralberte, ist das hier jedoch nicht. Vielmehr greift die Komödie Eigenheiten auf, die durchaus universeller sind. Manchmal meint man sogar, Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall wäre eine Art Meta-Komödie, die sich mit dem Fernsehen und dort gängigen Mechanismen auseinandersetzt, ein bisschen, wie es Scream für das Horrorgenre getan hat. Wunderbar ist beispielsweise Gwen DeMarco, die als einziges weibliches Teammitglied keine wirklich sinnvolle Funktion in der Serie hatte, was zu einer Reihe von Running Gags führt. Aber auch die Männer bekommen ihr Fett ab, wenn sie Handlungen ausüben, die das Drehbuch vorsieht, ohne dass je jemals ernsthaft darüber nachgedacht hat. Bis es zu spät ist.

Es ist die Kombination aus TV-Traumwelt und Filmrealität, die Galaxy Quest ihren Witz verleiht, wenn mit den Gesetzen des Fernsehens eine tatsächliche Gefahr abgewendet werden muss, die wiederum genauso übertrieben und unsinnig ist wie die Serie selbst. Vor allem, wenn dann auch noch Figuren mitmischen, welche die Grenze zwischen beiden nicht setzen können, das eine für das andere halten. Das ist manchmal clever, die Dekonstruktion eines Genres, welches dem Publikum jede Menge Willen zur Gutgläubigkeit abfordert. Manchmal kann es aber auch ausgesprochen albern werden, gerade in Hinblick auf die Außerirdischen, welche die Regeln der Menschen nicht verstehen und bei aller technologischen Überlegenheit immer ein bisschen dämlich wirken.

Ein großer gemeinsamer Spaß
Das hängt nicht mit einer minderwertigen Leistung des Ensembles zusammen. Im Gegenteil: Galaxy Quest ist einer dieser Filme, bei denen man bei jeder Einstellung das Gefühl hat, dass alle Beteiligten richtig viel Spaß hatten. Ob nun Tim Allen als selbstverliebter Möchtegern-Captain, Sigourney Weaver, die hier mit Selbstironie eine ganz andere Weltraumheldin als damals in Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt spielt, Alan Rickman als ständig genervter Charakterdarsteller, der den Rummel um den Blödsinn nicht verstehen kann. Sehr unterhaltsam ist auch der damals noch relativ unbekannte Sam Rockwell, der als Gastschauspieler eigentlich gar nicht dabei sein sollte, sich aber danach sehnt, doch auch mal mit den Großen spielen zu dürfen und ein bisschen vom Ruhm abzubekommen.

Trotz des ausgeprägten Humors und der spöttischen Anspielungen auf Vorlage und die kultische Verehrung durch Nerds, Galaxy Quest blickt nicht wirklich auf den Sci-Fi-Klassiker und dessen Fans herab. Der Film ist stattdessen gleichzeitig eine Art Hommage, erkennt einen Wert in den Geschichten, die den Menschen so viel bedeuten. In Abenteuern, die so viele zusammenbringen können und träumen lassen. Zum Schluss gibt es deswegen auch ein bisschen was fürs Gemüt, was nicht annähernd so originell ist wie das Szenario. Doch zu dem Zeitpunkt hat man die Crew so sehr ins Herz geschlossen, so sehr über ihre absurden Erlebnisse gelacht, dass man es gar nicht anders wollte. Denn manchmal sind Klischees dann irgendwie doch was Schönes, wenn es nach einem Tag voller Alienschlachten und Beinahekatastrophen wieder nach Hause geht.

Credits

OT: „Galaxy Quest“
Land: USA
Jahr: 1999
Regie: Dean Parisot
Drehbuch: David Howard, Robert Gordon
Musik: David Newman
Kamera: Jerzy Zielinski
Besetzung: Tim Allen, Sigourney Weaver, Alan Rickman, Tony Shalhoub, Sam Rockwell, Daryl Mitchell, Enrico Colantoni, Justin Long

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Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall
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Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall
In „Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall“ werden ehemaliger Darsteller einer Science-Fiction-Serie in ein richtiges Abenteuer hineingezogen und müssen theoretisches TV-Wissen gegen reale, sehr feindliche Aliens einsetzen. Der Kontrast zwischen Serienlogik und „Realität“ sowie die diversen parodistischen Spitzen gegen unsinnige Drehbücher machen Spaß, verstärkt durch ein bestens aufgelegtes Ensemble.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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