Kritik

Der Sternwanderer Stardust

„Der Sternwanderer“ // Deutschland-Start: 18. Oktober 2007 (Kino) // 6. März 2008 (DVD/Blu-ray)

Für den jungen Tristan (Charlie Cox) ist eines klar: Er würde für die Liebe alles tun, sogar einen Stern vom Himmel holen! Genauer verspricht er Victoria (Sienna Miller), ihr den Stern zu bringen, der vor ihren Augen zu Boden gefallen ist, wenn sie ihn dafür erhört. Doch das stellt sich alles als deutlich komplizierter heraus als von ihm gedacht. Nicht allein, dass er dafür eine schwer bewachte Mauer überwinden muss, die schon immer das Reich der Menschen von der Fantasiewelt dahinter trennt. Der Stern entpuppt sich auch noch als äußerst widerspenstig, hat Yvaine (Claire Danes) doch so gar keine Lust, sich von Tristan entführen zu lassen. Und als hätte er nicht schon mit ihr genug Ärger, werden sie bald auch von der Hexe Lamia (Michelle Pfeiffer) und Prinz Septimus (Mark Strong) verfolgt …

In den 00er Jahren gab es einen regelrechten Wettkampf im Kino, jeder wollte auf einmal Fantasybücher verfilmen. Aus gutem Grund: Mit Der Herr der Ringe und Harry Potter waren 2001 kurz hintereinander gleich zwei megaerfolgreiche Reihen gestartet, die jeweils jährlich zwischen 900 Millionen und einer Milliarde Dollar in die Kinokassen spülten. Also versuchten sich in den Folgejahren eine Reihe von Studios und Filmemachern daran, auch irgendwie in diesem Genre mitzumischen. Wirklich aufgegangen ist der Plan aber nur manchmal, viele Versuche brachten zumindest aus kommerzieller Sicht eher enttäuschende Ergebnisse – darunter auch Der Sternwanderer.

Große Namen an allen Ecken und Mauern
Dabei war man mit allerlei Prominenz an den Start gegangen. Das betraf nicht nur die Besetzung, die vor allem in den Nebenrollen äußerst hochkarätig war. Auch die Vorlage stammte nicht von irgendjemanden: Neil Gaiman genießt als Verfasser von Fantasy-Romanen und Comics Kultstatus, diverse seiner Werke wurden bereits adaptiert – darunter Coraline und American Gods. Der zugrundeliegende Roman war bereits 1999 erschienen und damals inspiriert von einem Zufallsfund. Gaiman hatte unterwegs eine halb zerfallene Mauer entdeckt und sich vorgestellt, wie dahinter Feen leben könnten. Aus dieser Grundidee entwickelte er eine Geschichte, die Mitte des 19. Jahrhunderts spielt und das beliebte Motiv aufgreift, dass die Welt der Menschen und die der Fabelwesen sich kreuzen.

Der Sternwanderer ist dann auch kaum mit den Fantasy-Blockbustern zu vergleichen, die erfolgreich im Kino gelaufen waren. Vielmehr erinnert der Film an klassische Märchen, in denen die Magie und das Wunder im Mittelpunkt stehen, weniger die Action. Wobei es an Letzterer nicht mangelt. Gerade weil es hier gleich zwei Parteien sind, die Tristan und Yvaine auf den Fersen sind – die Hexen und der Prinz – geschieht eigentlich immer irgendwas. Hinzu kommen die vielen anderen Gestalten, welchen das Duo im Laufe der gut zwei Stunden begegnet. Die meisten davon sind menschlichen Aussehens, was Fantasyfans eventuell nicht genug sein wird. Die Nachbarwelt ist aufgrund der Fähigkeiten, Objekte und Fortbewegungsmittel anders, nicht aufgrund der Figuren an sich. Drachen, Orks, Riesen oder andere Fabelwesen sollte man deshalb nicht erwarten.

Mit Spaß und Karacho ins Abenteuer
Aber das muss ja nicht schlecht sein, zumal man mit den angebotenen Figuren mehr als genug zu tun bekommt. Den meisten Spaß machen dabei zwei Altstars. Michelle Pfeiffer durfte zwanzig Jahre nach Die Hexen von Eastwick erneut eine solche spielen und erfreut als verschlagene, diabolische Egomanin, die alles für ihr jugendliches Aussehen tun würde. Auch Robert De Niro hat einen überaus amüsanten Auftritt als Piratenanführer, der im Geheimen etwas anders ist, als er nach außen zeigt – mit ausgesprochen komischem Ergebnis. Allgemein ist der Humor in Der Sternwanderer deutlich ausgeprägter, als es in dem Bereich oft üblich ist. Ob es die vergeblichen Versuche sind, die beiden zu schnappen, die regelmäßigen Konflikte der Figuren oder auch die mörderische Familie des Prinzen, bei der nie jemand eines natürlichen Todes zu sterben scheint, das ist alles schon sehr unterhaltsam, auch des bestens aufgelegten Ensembles wegen, das sich nie zu schade ist, sich von einer lächerlichen Seite zu zeigen.

Gleichzeitig will der Film romantisch sein, was Regisseur Matthew Vaughn (Kingsman: The Secret Service, X-Men: Erste Entscheidung) jedoch weniger gelingt. Dabei ist die vorhersehbare Geschichte – natürlich wird sich Tristan gegen Victoria und für Yvaine entscheiden – weniger das Problem. Der Film verlässt sich jedoch darauf, dass es reicht, zwei attraktive Personen nur lange genug zusammen zu lassen, damit sich da Gefühle entwickeln. Da hätte man durchaus mehr Arbeit investieren dürfen. Andererseits passt es zu dem selbstironischen Ton, dass selbst die Liebesgeschichte nicht so ernst genommen wird und mit plakativem Kitsch arbeitet. Viel Zeit bleibt dafür ohnehin nicht, Der Sternwanderer ist ein turbulentes Abenteuer, irgendwo zwischen Nostalgie und Spott, dem mehr Erfolg zu gönnen gewesen wäre und das einen zumindest für eine Weile wieder daran glauben lässt, dass hinter der nächsten Ecke etwas Magisches auf einen wartet. Oder eben hinter der nächsten Mauer.

Credits

OT: „Stardust“
Land: UK, USA
Jahr: 2007
Regie: Matthew Vaughn
Drehbuch: Jane Goldman, Matthew Vaughn
Vorlage: Neil Gaiman
Musik: Ilan Eshkeri
Kamera: Ben Davis
Besetzung: Claire Danes, Charlie Cox, Michelle Pfeiffer, Mark Strong, Robert De Niro

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Der Sternwanderer
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Der Sternwanderer
In „Der Sternwanderer“ will ein junger Mann seine große Liebe für sich gewinnen, indem er ihr einen Stern besorgt – nur dass der keine Lust hat und zudem von Hexen und Prinzen verfolgt wird. Die hochkarätig besetzte Romanadaption ist ein großer, oft selbstironischer Spaß, der klassisches Märchen mit viel Humor und Romantik verbindet.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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