Kritik

Zurück in die Zukunft Back to the Future

„Zurück in die Zukunft III“ // Deutschland-Start: 25. Mai 1990 (Kino) // 15. Oktober 2015 (DVD/Blu-ray)

Gerade erst ist es Marty McFly (Michael J. Fox) gelungen, die Zukunft wieder in Ordnung zu bringen, da gibt es neuen Ärger mit der Vergangenheit: Doc Brown (Christopher Lloyd) ist aufgrund einer Verkettung von Ereignissen im Jahr 1885 gelandet, mitten im Wilden Westen. Schlimmer noch ist aber, dass Doc offensichtlich einige Tage später von dem gefürchteten Gesetzlosen Mad Dog Tannen (Thomas F. Wilson) getötet werden wird. Und so bleibt Marty nichts anderes übrig, als doch noch mal in die Zeitmaschine zu steigen und seinen alten Freund zu retten. Einfach wird das nicht. Nicht allein, dass er einen Weg finden muss, Tannen aus dem Weg zu gehen. Es taucht auch noch die schöne Lehrerin Clara Clayton (Mary Steenburgen) auf, die dem Wissenschaftler den Kopf verdreht …

Das Thema Zeitreisen weckt natürlich gewisse Begehrlichkeiten, ermöglicht es doch Zeiten zu erleben, die man nur aus Büchern oder der eigenen Fantasie kennt. Der eine mag vielleicht zweihundert Jahre in die Zukunft reisen, um dort die Entwicklung der Technologie zu bewundern. Andere stellen sich vielleicht als Mittelalter-Fans heraus oder wollten schon immer mal historischen Persönlichkeiten begegnen. Im Fall von Michael J. Fox war es der Wilde Westen, der ihn besonders reizte, wie er während des Drehs von Zurück in die Zukunft angab. Eine Idee, die Robert Zemeckis und Bob Gale, welche gemeinsam den ersten Teil geschrieben hatten, gut gefiel – so gut, dass sie diese Jahre später aufgriffen, als es um den Abschluss der Trilogie ging.

Alles (fast) wie immer
Der schließt direkt an den Vorgänger Zurück in die Zukunft II an. Genauer wurden die beiden Filme direkt hintereinander gedreht, Teil zwei endete auch mit einem Trailer für das Finale, während Teil drei mit einer Zusammenfassung des vorangegangenen Endes beginnt. Tatsächlich sind beide Filme aber mehr oder weniger unabhängig voneinander. Es würde sogar reichen, nur den ersten Film gesehen zu haben, um von dort aus direkt zum dritten zu springen. Das Prinzip ist in der Reihe ohnehin immer dasselbe: Marty verschlägt es in die Vergangenheit, verändert durch sein Auftauchen die Zukunft, schlägt sich mit Familie Tanner herum und muss zum Ende gemeinsam mit Doc einen Weg finden, wieder in die Zukunft zu kommen.

Im Fall von Zurück in die Zukunft II war das etwas enttäuschend. Zemeckis und Gale hatten sich darin zu sehr in das Chaos verliebt, verließen sich zum Ende hin auch über Gebühr auf Fanservice. Zurück in die Zukunft III ist in der Hinsicht deutlich gelungener. Anspielungen an die beiden vorangegangenen Teile gibt es natürlich auch, sie sind aber weniger stark im Fokus. Indem der Film fast ausschließlich im Jahr 1885 spielt, kann er sich stärker auf die Geschichte konzentrieren, kann sich vor allem auf die Figuren konzentrieren. Denn anders als zuvor geht es dieses Mal auch um eine persönliche Entwicklung und nicht allein darum, irgendwie Herr über das Chaos zu werden, das auf Schritt und Tritt entsteht.

Unbekümmerter Spaß mit warmherzigen Ende
Das soll nicht heißen, dass das Drehbuch dieses Mal frei von Slapstick wäre. Auch dieses Mal finden sich eine Reihe alberner Szenen, welche etwas vom Ernst der Lage ablenken – da treffen peinliche Tanzeinlagen und blöde Unfälle auf Mordversuche. Es fügt sich jedoch alles harmonischer zusammen, die Gags sind insgesamt auch etwas gelungener. Einen größeren Anteil daran hat aber sicherlich auch der Spaß, welchen die Darsteller hier beim Dreh hatten. Gerade die Männer wirken hier wie kleine Jungs, die sich endlich einen lang gehegten Traum erfüllen können, wenn sie Cowboys spielen. Die Frauen bleiben hingegen auch beim dritten Anlauf ein Schwachpunkt. Mit Clara ist zwar jemand hinzugekommen, die mehr von ihrem Leben erwartet, als starke Männer anzuschmachten, sie darf zum Ende auch richtig Einsatz zeigen. Doch trotz der Verbesserung: Zurück in die Zukunft war immer ein Jungsclub.

Aber es ist eben ein charmanter Club mit zwei unwiderstehlichen Hauptdarstellern, ergänzt um den erneut enthusiastisch-widerwärtig auftretenden Thomas F. Wilson, der als eine Art Running Gag in jedem Zeitalter einen Bully spielen darf. Auch sonst gibt es ein paar Wiederkehrer, die sich jedoch mit schönen Gastauftritten begnügen müssen. Zurück in die Zukunft III ist nicht nur weiter in die Vergangenheit gereist, der Film erinnert auch gerne an die eigene Vergangenheit, ohne sich jedoch von dieser versklaven zu lassen. Vielmehr entlässt einen der Film zum Schluss in die Zukunft, mit der Aufforderung, sie selbst zu schreiben, anstatt sie sich vorschreiben zu lassen. Das ist ein bisschen naiv, aber mit so viel Wärme und Optimismus verbunden, dass man im Anschluss der eigenen Zukunft freudig entgegensieht – in welchem Zeitalter die auch sein mag.

Credits

OT: „Back to the Future Part III“
Land: USA
Jahr: 1990
Regie: Robert Zemeckis
Drehbuch: Bob Gale
Musik: Alan Silvestri
Kamera: Dean Cundey
Besetzung: Michael J. Fox, Christopher Lloyd, Mary Steenburgen, Thomas F. Wilson

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Zurück in die Zukunft III
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Zurück in die Zukunft III
„Zurück in die Zukunft III“ führt den zweiten Teil fort und bringt die spaßige Reihe rund um chaotische Zeitreisen zu einem versöhnlichen Abschluss. Im Gegensatz zum wild umherspringenden Vorgänger ist das Finale wieder fokussierter und kümmert sich stärker um die Figuren, ist trotz der üblichen Albernheiten rührend und optimistisch.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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