Kritik

Zurück in die Zukunft Back to the Future

„Zurück in die Zukunft II“ // Deutschland-Start: 21. Dezember 1989 (Kino) // 15. Oktober 2015 (DVD/Blu-ray)

Kaum ist Marty McFly (Michael J. Fox) aus dem Jahr 1955 zurück ins Jahr 1985 gereist und freut sich darauf, wieder ein normales Leben zu führen, da steht schon Doc Brown (Christopher Lloyd) vor der Tür. Mehr noch, der exzentrische Erfinder verkündet ihm, dass sie gemeinsam ins Jahr 2015 reisen müssen, um die Kinder von Marty und Jennifer Parker (Elisabeth Shue) vor einer großen Dummheit zu bewahren. Das gelingt ihnen auch, wenngleich mit kleinen Komplikationen: Ausgerechnet Biff Tannen (Thomas F. Wilson), der große Widersacher von Martys Vater, hat Wind von der Zeitmaschine bekommen und bringt nun seinerseits die Vergangenheit ziemlich durcheinander …

Auch wenn das Ende von Zurück in die Zukunft ein neues Abenteuer ankündigte, welches dieses Mal in der Zukunft spielen würde, tatsächlich geplant war dieses nicht, als Robert Zemeckis (Falsches Spiel mit Roger Rabbit, Forrest Gump) seine vergnügliche Zeitreise drehte. Vielmehr war es der enorme Erfolg der Science-Fiction-Komödie, die 1985 an den US-Kinokassen alle anderen Filme überragte, welcher einen zweiten Teil provozierte. Genaugenommen war das Ende des Vorgängers sogar ein echtes Hindernis für Zemeckis und Bob Gale, der das Drehbuch schrieb. Denn das sah vor, dass Jennifer Teil der Reise wird. Und das war in mehrfacher Hinsicht problematisch.

Ein schwieriger Anschluss
Da deren Darstellerin Claudia Wells für den Nachfolger nicht zur Verfügung stand, musste sie ersetzt werden – durch Elisabeth Shue – und das bekannte Ende noch einmal komplett neu gedreht werden, dieses Mal mit der neuen Schauspielerin, damit es zu keinen Widersprüchen kommt. Das ist auch deshalb viel Aufwand, weil Jennifer für die Geschichte nahezu unwichtig ist und Zurück in die Zukunft II sie die meiste Zeit außer Gefecht setzt. Schon der Vorgänger war in Hinblick auf die Frauenfiguren etwas problematisch gewesen, Teil zwei offenbarte dann endgültig, dass man mit ihnen nichts anzufangen wusste. Auch sonst ist der Film von Kompromissen geplagt. Crispin Clover, der in Zurück in die Zukunft noch die Rolle des Vaters gespielt hatte, war ebenfalls nicht mit an Bord, weshalb dessen Figur auf eher plumpe Weise aus der Geschichte genommen werden musste.

Die Geschichte ist es auch, weshalb Zurück in die Zukunft II im Vergleich zum Vorgänger deutlich schlechter abschneidet. Hatten Zemeckis und Gale beim ersten Teil noch ein recht eindeutiges Ziel vor Augen – Marty muss wieder ins Jahr 1985 und vorher eine Entwicklung rückgängig machen – sprang man im zweiten Teil dauernd durch die verschiedenen Zeiten, geriet von einer chaotischen Szene in die nächste. Das wird dann bald zum Selbstzweck, die Slapstickszenen dominieren. Hinzu kommen schreckliche Albernheiten, wenn Fox beispielsweise in drei Figuren gleichzeitig schlüpft. Das war zwar technisch seinerzeit beeindruckend, tatsächlich komisch ist es hingegen nicht. Gale suchte da schon nach billigen Lachern.

Ein Ort, viele Varianten
Besser gelungen sind die Szenen, wenn es darum geht, wie McFly, Doc und Tanner kontinuierlich die Ereignisse beeinflussen, teils ohne es zu merken. Die fiktive Stadt Hill Valley in mehreren Versionen sehen zu dürfen – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft –, teils auch noch in mehreren Ausführungen, gehört zu den Höhepunkten von Zurück in die Zukunft II. Und natürlich macht es auch Spaß Michael J. Fox und Christopher Llyod dabei zuzusehen, wie sie verwirrt bis panisch durch die Gegend laufen, bei der Frage, was denn nun schon wieder alles schief gegangen ist. Wenn zum Ende hin der Film die Brücke zum Vorgänger schlägt, wird einem ohnehin warm ums Herz.

Doch das zeigt eben auch die Probleme des Zweitlings: Er funktioniert als eigenständiges Werk nur mäßig. Ein großer Teil des Witzes in der zweiten Hälfte besteht darin, die Szenen aus dem Vorgänger zu variieren – ein frühes Beispiel für Fanservice also. Das Ende wiederum ist nur ein Übergang zum dritten Teil, der dieses Mal nicht nur angeteasert, sondern auch in Form eines Trailers gezeigt wurde. Unterhaltsam ist das trotz allem schon, einige der absurderen Einfälle der Reihe wurden hier konsequent weitergedacht, auch die Zukunftsvision ist spaßig. Trotz des hohen Tempos geht es aber nicht immer wirklich voran, woran auch die vielen Wiederholungen ihren Anteil haben, die zwar für wohlige Déjà-vu-Erlebnisse sorgen, darüber hinaus aber wenig bieten.

Credits

OT: „Back to the Future Part II“
Land: USA
Jahr: 1989
Regie: Robert Zemeckis
Drehbuch: Bob Gale
Musik: Alan Silvestri
Kamera: Dean Cundey
Besetzung: Michael J. Fox, Christopher Lloyd, Lea Thompson, Thomas F. Wilson, Elisabeth Shue

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1990 Beste Spezialeffekte Ken Ralston, Michael Lantieri, John Bell, Steve Gawley Nominierung
BAFTA Awards 1990 Beste Spezialeffekte Ken Ralston, Michael Lantieri, John Bell, Steve Gawley Sieg

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Zurück in die Zukunft II
3.85 (76.92%) 13 Artikel bewerten

Zurück in die Zukunft II
„Zurück in die Zukunft II“ nahm das Erfolgsrezept des Vorgängers, wusste aber nicht so recht, wie dieses weiterentwickelt werden kann. Also gab es mehr Chaos, mehr Slapstick, dazu viele Fanservice-Momente. Das macht noch immer Spaß, auch wegen des erneut tollen Hauptdarstellerduos, aber nicht im Maße wie beim vorangegangen Kultfilm.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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