Kritik

Jurassic Park

„Vergessene Welt – Jurassic Park“ // Deutschland-Start: 7. August 1997 (Kino) // 31. Mai 2018 (DVD/Blu-ray)

Vier Jahre ist es her, dass die auf Isla Nublar ausgestellten Klon-Dinosaurier aus ihren Gehegen entkommen konnten und eine Schneise der Zerstörung hinter sich ließen – von den vielen Leichen ganz zu schweigen. Und eigentlich hatte der Mathematiker Dr. Ian Malcolm (Jeff Goldblum) mit diesem Ereignis auch schon abgeschlossen. Doch dann meldet sich John Hammond (Richard Attenborough) bei ihm und eröffnet ihm, dass es noch eine zweite Insel gibt, auf der die Dinosaurier gezüchtet wurden. Widerwillig macht sich Malcolm auf den Weg dorthin, in Begleitung des Foto-Journalisten Nick Van Owen (Vince Vaughn) und des Ingenieurs Eddie Carr (Richard Schiff). Denn ausgerechnet seine Freundin Dr. Sarah Harding (Julianne Moore) ist bereits auf der Insel. Und jemand muss sie von dort ja wegholen. Doch zu seiner Überraschung stellt er bald fest, dass die vier nicht die einzigen Menschen sind, die es dorthin verschlagen hat …

Wenn ein Film alle bis dato gültigen Rekorde an den Kinokassen bricht und noch dazu dank ausufernden Merchandisings gewaltige Summen einbringt, dann ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis der Nachfolger ansteht. Im Fall von Jurassic Park sollte es vier Jahre dauern, bis mit Vergessene Welt – Jurassic Park die Fortsetzung in die weltweiten Lichtspielhäuser trampelte. Dort hinterließ der Film mächtige Spuren, auch Teil zwei bedeutete einen wahren Geldsegen. Im Vergleich zum bahnbrechenden Erstling war das Ergebnis dennoch ein bisschen enttäuschend, um etwa ein Drittel brachen die Zahlen ein. Ganz so leicht ist ein Phänomen dann doch nicht zu wiederholen.

Bewährtes Team
Dabei waren die Vorbedingungen nicht schlecht. Erneut trat Blockbuster-Regisseur Steven Spielberg an, ließ sich musikalisch von seinem alten Weggefährten John Williams unterstützen. Michael Crichton, der den Jurassic Park zugrundeliegenden Roman geschrieben hatte und auch am Drehbuch beteiligt war, war dieses Mal zwar nicht dabei. Dafür hatte er zwischenzeitlich den Roman The Lost World verfasst, den David Koepp wie schon beim Vorgänger adaptierte, dieses Mal aber sehr frei. Mit Jeff Goldblum kehrte zudem einer der Hauptdarsteller des ersten Teils zurück. Von den geliebten Dinos ganz zu schweigen, die dieses Mal noch etwas zahlreicher sind, zumindest was die gefährlichen Arten betrifft.

Und doch, mit dem gefeierten Jurassic Park kann es Vergessene Welt nicht aufnehmen. Zum einen hat es der Nachfolger eines solches Films automatisch schwieriger. Lag der Reiz des Sci-Fi-Abenteuers eben auch darin, das erste Mal die sonst nur aus Büchern und Zeichnungen bekannten Urzeitwesen mit modernster Technik auf der Leinwand zum Leben erweckt zu sehen, ist der Effekt bei einer zweiten Begegnung automatisch geringer. Und das, obwohl die Spezialeffekte für sich genommen noch einmal besser ausgefallen sind, die Dinosaurier noch realistischer aussehen, sich sogar mehr als zwanzig Jahre später noch sehen lassen können. Es wird noch stärker interagiert, gerade die T-Rex richten einen Schaden an, den man praktisch spüren kann.

Hohes Tempo, wenig Spannung
Es entsteht daraus allerdings weniger Spannung als beim Auftakt. Dort hatte sich Spielberg viel Zeit gelassen, bis er die Riesenechsen auf die Menschen hetzte. Stattdessen kümmerte er sich erst einmal um die zweibeinigen Figuren, deren Verhältnisse untereinander, aber auch das Gefühl, einem echten wissenschaftlichen Wunder zu begegnen. All das fällt hier weg. Die Charaktere sind hier reine Wegwerfware, deren einzige Daseinsberechtigung die ist, von Dinos gejagt zu werden oder umgekehrt diese zu jagen. Selbst Malcolm, in Jurassic Park noch als Kontrastmittel ein echter Höhepunkt, ist auf einmal sehr blass. Der Nervenkitzel, wann und wo einer der Saurier auftauchen könnte, wurde aufgegeben. Denn jetzt sind die überall. Zudem steht im Vorfeld schon fest, wer dran glauben muss.

Schlecht ist Vergessene Welt – Jurassic Park deshalb nicht. In der inzwischen fünf Filme umspannenden Reihe siedelt sich der zweite Teil vielmehr irgendwo im Mittelfeld an. Statt Wunder und Terror ist hier Dauerfeuer angesagt. Auch damit kann man seinen Spaß haben, etwa zum Ende hin, wenn sich Spielberg vor der filmischen Ur-Echse Godzilla verneigt. Dass der Regisseur irgendwann im Laufe des Drehs aber keine Lust mehr auf die Fortsetzung hatte, wie er später zugab, merkt man dieser auch an. Mehr als eine laute Recyclingmaschine ist das hier nicht. Die kann man natürlich anwerfen, um sich irgendwie die Zeit zu vertreiben. Trotz einiger lustiger oder auch beeindruckender Szenen wäre die Filmwelt ohne den zweiten Teil aber nicht unbedingt ärmer.

Credits

OT: „The Lost World: Jurassic Park“
Land: USA
Jahr: 1997
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: David Koepp
Vorlage: Michael Crichton
Musik: John Williams
Kamera: Janusz Kamiński
Besetzung: Jeff Goldblum, Julianne Moore, Vince Vaughn, Pete Postlethwaite, Vanessa Lee Chester, Arliss Howard, Peter Stormare, Richard Schiff

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1998 Beste Spezialeffekte Dennis Muren, Stan Winston, Randal M. Dutra, Michael Lantieri Nominierung
Goldene Himbeere 1998 Schlechtestes Remake oder Sequel
Schlechtestes Drehbuch David Koepp
Rücksichtsloseste Missachtung von Menschenleben und öffentlichem Eigentum

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Vergessene Welt – Jurassic Park
Mehr Menschen, mehr Dinos, mehr Tempo, mehr Spektakel – so lautet das Konzept von „Vergessene Welt – Jurassic Park“. Am Ende springt aber deutlich weniger heraus als beim ersten Teil, der zu einem Phänomen geworden war. Die Charaktere sind nunmehr reine Wegwerfware, auch die Spannung ist deutlich geringer. Schauwerte gibt es genug, man kann mit dem Dauerfeuer seinen Spaß haben. Gebraucht hätte es den wenig inspirierten Nachfolger aber sicher nicht.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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