Kritik

Merz gegen Merz Staffel 2

„Merz gegen Merz – Staffel 2“ // Deutschland-Start: 9. April 2020 (TV) // 12. Mai 2020 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich hatten es Anne (Annette Frier) und Erik Merz (Christoph Maria Herbst) ja wieder miteinander versuchen wollen, nachdem eine Reihe turbulenter Ereignisse sie wieder zusammengeführt hat. Und doch droht schon wieder neues Chaos. So will Annes Vater Ludwig (Michael Wittenborn) die Firma verlassen und überlässt Erik die Leitung – während Anne aufgrund einer Fusion gegangen werden soll. Dabei weiß die gar nicht, ob sie überhaupt noch arbeiten will oder nicht doch was ganze Neues anfangen möchte. Eriks Eltern (Bernd Stegemann, Carmen-Maja Antoni) wiederum haben sich dermaßen verschuldet, dass sie auf einmal bei ihrem Sohn einziehen wollen. Und dann wäre da ja noch Leon (Philip Noah Schwarz), der Sohn von Anne und Erik, der sich in dem Schlamassel so gar nicht mehr wohl fühlt …

Merz gegen Merz war eine schöne Überraschung im öffentlich-rechtlichen Programm, das zeigte: Auch deutsche Serien können lustig sein! Das war natürlich nicht die ganz große Überraschung, schließlich steckte Ralf Husmann dahinter, der mit Stromberg eine absolute Kult-Sitcom kreiert hatte. Im Anschluss war es um ihn jedoch etwas ruhiger geworden, keine weitere Schöpfung konnte an diesen Erfolg anschließen. Die Geschichte um ein Paar, das sich in täglichen Kriegserklärungen gegenseitig zu überbieten versucht, war jedoch offensichtlich populär genug, dass rund ein Jahr nach der ersten Staffel bereits die zweite vorliegt.

Die ganz normalen Chaoten
Grundsätzlich hat sich an dem Szenario wenig geändert. Noch immer steht im Mittelpunkt ein Paar, das keins mehr ist, sich manchmal zusammenrauft, manchmal auch einfach nur rauft. Noch immer ist das lustvoll übertrieben, gleichzeitig aber nah genug am normalen Leben, dass sich so manch vertraute Situation in das Chaos schleicht. Ein größerer Punkt ist beispielsweise, dass Anne in eine Midlife-Crisis hineinschlittert. Oft wird eine solche Krise anhand eines Mannes gezeigt. Aber natürlich dürfen auch Frauen sich irgendwann fragen: War das schon alles? Besteht mein Leben nur aus Arbeit, Haushalt, Kind und Ehe? Wer bin ich überhaupt?

Insgesamt bewegt sich die zweite Staffel von Merz gegen Merz dann auch weg von dem Dauerkonflikt zwischen den Eheleuten. Das wird der eine oder andere vielleicht bedauern, weil die ständigen Streitereien zwischen Annette Frier (Lucky Loser – Ein Sommer in der Bredouille) und Christoph Maria Herbst (Der Vorname) doch zu den Stärken der Serie gehören. Das tun sie noch immer: Egal ob sie nun versuchen, sich in Anwesenheit von Anwälten gesittet zu verhalten, oder mal wieder daheim der Haussegen schief hält: Es ist wunderbar, den beiden Vollblut-Komiktalenten bei ihrer Arbeit zuzusehen. Dafür muss es nicht einmal zwangsläufig laut werden, manchmal reichen Blicke oder abfällige Geräusche, um die Verachtung deutlich zu machen.

Erwachsen ist, was du draus machst
Gleichzeitig dürfen aber auch die Nebenfiguren mehr von sich zeigen, was der Abwechslung der Serie ganz gut tut. Vor allem die Eltern von Erik sorgen mit ihrer aufdringlich-derben Art für jede Menge Ärger beim Umfeld und damit entsprechende Erheiterung beim Publikum. Weniger komisch als vielmehr etwas tragisch ist der Handlungsstrang um Leon, der versucht inmitten von wenig vorbildhaften Erwachsenen selbst erwachsen zu werden. Eine Art Coming-of-Age-Story also, eingebettet in eine Quasi-Scheidungskomödie, verbunden mit humorvollem Office-Chaos. Merz gegen Merz ist damit weniger die Geschichte von zwei Menschen, die gegeneinander kämpfen, auch wenn der Titel das nach wie vor behauptet. Hier kämpft stattdessen jeder gegen jeden.

Das ist insgesamt noch ein wenig unterhaltsamer geworden als bei der ohnehin schon gelungenen ersten Staffel. Gerade weil hier mehr als ein halbes Dutzend Leute herumlaufen, die auf irgendeine Weise verkorkst sind, passiert eigentlich ständig was. Dafür muss man jedoch in Kauf nehmen, dass ein wenig die Richtung in der Geschichte fehlt. Was zuvor noch ein mehr oder weniger klares Ziel hatte, wird hier zu einer Achterbahnfahrt, die zunehmend entgleist und bei der man irgendwann gar nicht mehr weiß, wovon Husmann und seine beiden Co-Autoren überhaupt noch reden. Am besten lehnt man sich dabei ein wenig zurück, lässt die da vorne einfach mal machen und genießt, dass es in anderen Familien noch schlimmer zugeht als bei der eigenen.

Credits

OT: „Merz gegen Merz“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Felix Stienz
Drehbuch: Ralf Husmann, Dietmar Jacobs, Lars Albaum
Kamera: Brendan Uffelmann
Besetzung: Christoph Maria Herbst, Annette Frier, Philip Noah Schwarz, Michael Wittenborn, Claudia Rieschel, Bernd Stegemann, Carmen-Maja Antoni

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Merz gegen Merz – Staffel 2
Das streitsüchtige Paar ist zurück und ist sogar noch chaotischer! In der zweiten Staffel bewegt sich „Merz gegen Merz“ etwas weg von der reinen Scheidungs-/Paarkomödie und lässt auch die restlichen Familienmitglieder für richtig viel Ärger sorgen. Das ist noch etwas lustiger als beim Auftakt, zudem unvorhersehbarer, hat aber auch die Folge, dass man manchmal schon gar nicht mehr weiß, worum es eigentlich in der Serie geht.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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