Kritik

Jurassic Park

„Jurassic Park III“ // Deutschland-Start: 2. August 2001 (Kino) // 31. Mai 2018 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich hatte sich der Paläontologe Dr. Alan Grant (Sam Neill) geschworen, nie wieder auf die Insel mit den geklonten Dinosauriern zurückkehren zu wollen, zu schlimm waren seine Erfahrungen gewesen, zu sehr geht ihm der anhaltende Rummel um den Jurassic Park nach wie vor auf die Nerven. Eher widerwillig lässt er sich daher darauf ein, zusammen mit seinem Assistenten Billy Brennan (Alessandro Nivola) über die Insel zu fliegen, um sie so einem reichen Pärchen zu zeigen – gegen eine Finanzierung ihrer Forschung. Was er zuvor jedoch nicht ahnte: Paul (William H. Macy) und Amanda Kirby (Téa Leoni) haben gar nicht vor, sich mit einem Rundflug zu begnügen. Stattdessen wollten sie von Anfang an auf der Insel landen, um ihren Sohn Eric (Trevor Morgan) zu suchen, der von einem Ausflug nicht wieder zurückgekehrt ist …

Schon bei Vergessene Welt – Jurassic Park hatte Regisseur Steven Spielberg unterwegs die Lust verloren, quälte sich ein wenig damit, den Film noch zu einem Abschluss zu bringen. Und so war es dann auch kein großes Wunder, dass bei dem dritten Teil der Dinosaga Joe Johnston (Captain America: The First Avenger) ran durfte, hatte er doch schon zuvor Interesse daran bekundet, eine Fortsetzung zu drehen. Doch nicht allein auf dem Regiestuhl hatte es Veränderungen gegeben. Mit Spielbergs Abkehr war auch sein Haus- und Hofkomponist John Williams weg vom Projekt. Drehbuchautor David Koepp, der bei den ersten beiden die Drehbücher geschrieben hatte, brachte zwar eine Idee ein, hatte ansonsten aber auch nichts mit dem dritten Teil zu tun. Michael Crichton, auf den die Filme zurückgingen, soll Jurassic Park III angeblich bis heute nicht gesehen haben, wurde darin doch nichts mehr aus seinen Büchern verwendet.

Frisches Blut, wenig Ideen
Nun muss der Austausch des Kreativteams nicht zwangsläufig zum Nachteil werden. So aufregend Jurassic Park 1993 auch gewesen war, schon beim vier Jahre später erschienenen zweiten Teil zeigten sich deutliche Abnützungserscheinen sowie ein Mangel an Ideen. Zumindest in der Theorie tat ein bisschen frisches Blut also ganz gut. Geholfen hat es jedoch nichts. Zwar wurden mit Alexander Payne und Jim Taylor zwei überaus talentierte Schreiber gewonnen, die später auch einen Golden Globe für About Schmidt erhielten, als Würdigung des besten Drehbuches. Doch auch ihr Können reichte nicht aus, um dem zuvor schon mehrfach überarbeiteten Skript etwas Interessantes zu entlocken.

Schon der Einstieg macht nur wenig Hoffnung darauf, dass der Film vielleicht etwas Neues ausprobieren könnte: Ein privater Ausflug auf die Insel Isla Sorna von Leuten, die dort nichts zu suchen haben, darunter auch das obligatorische Kind, der mit einer Katastrophe endet: Oh, hier gibt es Dinosaurier. Ein eilig zusammengetrommeltes Team soll dort nun nach dem Rechten sehen. Das ist der gleiche Auftakt wie in Verlorene Welt – Jurassic Park. Und auch sonst gab man sich wenig Mühe, das Erfolgsrezept zu überarbeiten oder wenigstens zu variieren. Es gibt nicht einmal vergleichbar trashige Szenen wie im Vorgänger, gerade zum Schluss, über die man sich wenigstens aufregen konnte. Hier läuft alles so streng nach Plan, dass man schon im Vorfeld weiß, wer aus dem Team als nächstes das Zeitliche segnet.

Einmal blasses Dinofutter bitter
Nicht dass es um das Team sonderlich schade wäre. Den besten Eindruck macht noch Sam Neill, der nach dem Fehlen beim Vorgänger wieder mit von der Partie sein darf. Allerdings fehlen die Kontrastpunkte, welche die erste Reise zum Jurassic Park so unterhaltsam machten. Gab es beim Auftakt der Reihe noch diverse nennenswerte Figuren, deren Interaktion Spaß machte, wird wie beim zweiten Teil nur Dinofutter versammelt. Immerhin, mit dem überraschend kompetenten Jungen ging man etwas über das nervige Quotenkind hinaus. Unterhaltsam ist der zynisch gewordene Grant auch, vor allem wenn er sich mit Schrecken an sein Abenteuer und die Personen dort erinnern muss. Er reicht jedoch nicht aus, um bei der Expedition wirklich mitzittern zu wollen.

Bei den Dinos gab man sich glücklicherweise mehr Mühe. Vor allem die Hinzunahme des Flugsauriers bringt ein neues optisches Element dazu, das man sich gut anschauen kann. Rein visuell gesehen ist Jurassic Park III ohnehin geglückt, zumindest wenn man das Alter des Films berücksichtigt. Es hinterlässt nur nicht mehr den Eindruck, den der epochale erste Teil noch mit sich brachte, der Gewöhnungseffekt ist zu groß. Man fand hier einfach kein Mittel, um das bereits Gezeigte noch einmal neu zu inszenieren. Am Ende bleibt dann zwar immer noch solides Action-Kino, wie beim zweiten Teil auch wird hier ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch über die Insel gehetzt, auf der Flucht vor immer neuen Riesenechsen. Ansehnlich ist das, temporeich auch, spannend jedoch eher weniger. Da ist kaum eine Szene dabei, die wirklich im Gedächtnis bleibt.

Credits

OT: „Jurassic Park III“
Land: USA
Jahr: 2001
Regie: Joe Johnston
Drehbuch: Peter Buchman, Alexander Payne, Jim Taylor
Musik: Don Davis
Kamera: Shelly Johnson
Besetzung: Sam Neill, William H. Macy, Téa Leoni, Alessandro Nivola, Trevor Morgan, Michael Jeter

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Goldene Himbeere 2002 Schlechteste Fortsetzung oder Remake Nominierung

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Jurassic Park III
4.44 (88.89%) 9 Artikel bewerten

Jurassic Park III
Business as usual auf der Dinosaurierinsel. „Jurassic Park III“ beginnt nicht nur ähnlich wie der Vorgänger, auch im weiteren Verlauf fehlt es an neuen Elementen. Da die Figuren zudem wieder reine Wegwerfware sind, ist der dritte Teil ein nur routinierter Actionfilm, der zwar ein paar neue Dinoarten einführt, ansonsten aber wenig Spannendes zusammenstellt.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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