Kritik

Du schon wieder You Again

„Du schon wieder“ // Deutschland-Start: 4. November 2010 (Kino) // 10. März 2011 (DVD)

Marni (Kristen Bell) ist überglücklich, gleich zwei gute Nachrichten in kurzer Zeit. Sie wird befördert und bekommt als PR Agentin einen neuen Job in New York. Zum anderen erfährt sie, dass ihr Bruder Will (James Wolk) heiraten wird. Doch dieses Glück ist nur von kurzer Dauer, als ihr bewusst wird, wer ihre neue Schwägerin wird: ausgerechnet die ehemalige Cheerleader-Königin Joanna (Odette Yustman), welche ihr in der Schule immer das Leben zur Hölle gemacht wird. Während Marni noch überlegt, wie sie mit der Situation umgehen soll, hat auch ihre Mutter Gail (Jamie Lee Curtis) zu kämpfen. Schließlich ist Joannas Tante Ramona (Sigourney Weaver) ihre alte Highschool-Freundin, zu der sie heute kein besonders gutes Verhältnis mehr hat …

Ach ja, die Schule. Für die einen war es die großartigste Zeit im Leben, als alles noch aufregend war, man große Freundschaften geschlossen hat und tun konnte, was man wollte. Für die anderen war es ein absoluter Albtraum, ständig anderen ausgeliefert zu sein, ohne etwas dagegen tun zu können. Wer sich eher in der zweiten Gruppe befand, vielleicht Mobbingerfahrungen gesammelt hat, kann deshalb gut mitfühlen, wenn sich Marnis Begeisterung eher in Grenzen hält, dass ihre Familie Zuwachs erhält. Nur dass das im Grunde sehr ernste Thema in Du schon wieder als Witz behandelt wird, die entsprechenden Szenen komisch verstanden werden sollen. Klappt aber nicht so gut.

Dümmliche Verharmlosung wichtiger Themen
Das gilt auch für den Rest des Films. Egal, welches Thema sich Drehbuchautorin Moe Jelline gerade vornimmt, es muss unbedingt als Gag verpasst werden. Da spielt es keine Rolle, ob jemand an Selbstzweifeln leidet, ob es um Eifersucht oder physische Schmerzen geht, Du schon wieder ist sich für nichts zu schade. Nun darf Humor natürlich auch schon mal etwas böser sein oder gar weh tun. Problematisch wird es jedoch, wenn dies im Rahmen einer so harmlosen Komödie geschieht. Anstatt sich mit irgendwas auch mal auseinanderzusetzen, gibt es im Sekundentakt dümmliche Witze, die gar nicht wissen, was sie mit dem Material anfangen sollen.

Das stößt dann besonders zum Ende hin übel auf, wenn sich Du schon wieder auf einmal ganz besinnlich und versöhnlich gibt. Da werden dann auch schon mal Charakterisierungen plötzlich geändert, damit es ins Konzept passt, Konflikte urplötzlich und ohne echte Überzeugungskraft aufgelöst – der Film braucht schließlich ein Happy End. Die angesprochenen Themen sind dabei durchaus interessant und diskussionswürdig. Kann sich ein Mensch im Laufe einiger Jahre ändern? Und wie geht man damit um, wenn der Peiniger von einst ein neues Leben sucht? An Stelle von Antworten oder wenigstens ein paar Gedanken fliegen einem aber Torten um die Ohren, zum Nachtisch gibt es eine Extraportion Zuckerguss obendrauf.

Viel Talent, wenig Spaß
Das ist auch deshalb ärgerlich, weil der Film noch nicht einmal lustig ist. Stattdessen regiert über weite Strecken die Langeweile. Lichtblicke setzen hier dann auch nicht die üblichen Quasi-Model-Jungdarstellerinnen, die aufzeigen sollen: Selbst wer blendend aussieht, kann ganz normale Probleme haben. Es sind die Veteraninnen, die der fluffigen Belanglosigkeit zumindest etwas Charakter verleihen. Wenn Jamie Lee Curtis (Halloween) und Sigourney Weaver (Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt) sich als Rivalinnen gegenüberstehen, dann macht das schwache Drehbuch nicht mehr ganz so viel aus. Und dann wäre da noch TV-Urgestein Betty White, die letzte der legendären Golden Girls, die in ihren leider zu kurzen Auftritten tatsächlich so etwas wie Spaß hineinbringt.

Wer sie oder auch eine der anderen verdienten Darstellerinnen mal wieder sehen möchte, kann das hiermit tun. Aber es ist fast schon kriminell fahrlässig, wie wenig deren Talent genutzt wird. Stattdessen gibt es zwei konturlose junge Frauen, beide am falschen Ende der Sympathieskala, die sich in einem Wettstreit befinden, dessen Ergebnis vorhersehbar und dessen Verlauf uninteressant ist. Der im Titel angedeutet Ärger darüber, jemanden wiederzusehen, trifft auch auf den Film zu. Wobei es noch nicht einmal dazu wirklich reicht, dafür ist die Hochglanz-Komödie zu sehr Wegwerfware.

Credits

OT: „You Again“
Land: USA
Jahr: 2010
Regie: Andy Fickman
Drehbuch: Moe Jelline
Musik: Cliff Eidelman, Nathan Wang
Kamera: David Hennings
Besetzung: Kristen Bell, Jamie Lee Curtis, Sigourney Weaver, Odette Yustman, James Wolk, Victor Garber, Betty White

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Du schon wieder
4.2 (84%) 25 Artikel bewerten

Du schon wieder
In „Du schon wieder“ erfährt eine junge Frau, dass ihr Bruder ausgerechnet die heiraten will, die ihr das Leben an der Schule zur Hölle gemacht hat. Daraus hätte man durchaus etwas machen können, die Themen geben einiges her. Stattdessen gibt es dümmliche Witze und faule Wohlfühlversöhnung, die über nichts nachdenken mag. Lichtblicke sind diverse Schauspiellegenden, die ein wenig über die Hauptgeschichte hinwegtrösten.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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