Kritik

Loos Ornamental

„Loos Ornamental“ // Deutschland-Start: 25. Mai 2008 (Kino) // 6. Februar 2009 (DVD)

Innerhalb der Künste mag man der Architektur einen Sonderplatz einräumen, verbindet man sie doch am ehesten mit der Betonung des Zwecks in unserer Zeit. Räume, Häuser und Wohnblocks sind vielfach auf ihren Zweck bestimmt, selbst wenn ihre Entwürfe in vielerlei Hinsicht eine moderne Ästhetik aufweisen. Doch selbst dies ist wohl eher ein Sonderfall und auf eine bestimmte Gesellschaftsschicht bezogen, weniger auf eine breite Präsenz dieser Ästhetik. Dann wieder sind es eben jene Richtungen der Architektur, beispielsweise der Bauhaus-Stil, der heute vielfach Sinnbild für massentaugliches Bauen gilt, für hässliche Betonblöcke und Enge, alles Aspekte, die man bei den ursprünglichen Vertretern dieser Richtung kaum findet.

Viele dieser Fälle deuten auf einen interessanten Balanceakt hin innerhalb der Architektur, wenn es um Kunst und Funktionalität gilt. In seinen radikalen Essays Ornament und Verbrechen und Ins Leere gesprochen distanziert sich der österreichische Architekt Adolf Loos deswegen vom Verständnis der Baukunst als Kunst überhaupt. Lediglich das Denk- und das Grabmal seien für ihn Kunstwerke im eigentlichen Sinne, wohingegen ein Haus auf seine Funktion beschränkt sei. Das Ornament würde verursachen, dass etwas bald unmodern werde und deswegen hinfällig, sodass sich die moderne Architektur, die sich als Kunst versteht, davon entfernen soll.

In seiner Dokumentation Loos Ornamental geht der österreichische Regisseur Heinz Emigholz den Gedanken und dem Stil eines Adolf Loos auf die Spur. In den 72 Minuten seines Films lässt er dafür weniger Zeitzeugen zu Wort kommen, sondern konzentriert sich auf die Objekte des Architekten, also Ladenlokale, Villen und Häuser, die Loos entworfen hat. Ausgehend von dessen, Idee Architektur als Biografie zu begreifen, erzählen diese Räume von der Person Adolf Loos, aber zeugen auch von seinen Ideen zur modernen Architektur und zur Kunst generell.

Verwandelte Räume
Die relativ kurze Laufzeit der Dokumentation ist in gewisser Hinsicht trügerisch, denn wenn sich Emigholz etwas nimmt, dann ist es Zeit. Lange verharrt seine Kamera an der Außenfassade sowie den Innenräumen der Buchhandlung Manz, des Haus Scheu oder des Haus Steiner, lässt die Stile und die Details auf den Zuschauer wirken. Zwar mögen Menschen vor den Fenstern vorbeigehen, mögen bisweilen Autos vorbeifahren oder Busse, doch steht die Zeit scheinbar still, scheint das Objekt in gewisser Weise gleichzeitig erhaben zu sein und dann doch wieder zu dieser Welt dazuzugehören.

Insgesamt liefern diese meditativen Momente einen Einblick in die Ideenwelt des Menschen Adolf Loos, der versuchte Kunst und Funktion miteinander zu verbinden, etwas Zeitloses zu schaffen, also die höchste und schwierigste Aufgabe des Künstlers zu erfüllen. Dabei verzichtet Emigholz auf jegliche Ablenkungen, unterlegt seine Bilder mit keiner Musik und nutzt wenige Schnitte. Der Fokus liegt auf den Räumen, ihrem Leben, ihrer Gestaltung und der Zeit, die sie beinhalten, doch auch das Leben, für das sie stehen.

Credits

OT: „Loos Ornamental“
Land: Österreich
Jahr: 2008
Regie: Heinz Emigholz
Drehbuch: Heinz Emigholz
Kamera: Heinz Emigholz

Trailer

Filmfeste

Berlinale 2008

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Loos Ornamental
„Loos Ornamental“ ist eine sehr kontemplative Dokumentation über den Architekten Adolf Loos, die durch ihre stillen Aufnahmen auf ihren Zuschauer eine nicht geringe Faszination ausübt. Dieser ist es nämlich, der diese Bilder aufnehmen kann, die Details sichten und die Geschichten dieser Räume erzählen darf.
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2 Responses

  1. Besucher

    Offensichtlich sprechen Sie von „ADOLF Loos“ (1870-1933). Im letzten Absatz heisst es aber „Einblick in die Ideenwelt des Menschen „ALFRED“ Loos? Sprechen wir noch immer vom gleichen Architekten?

    Probleme mit der Autokorrektur? Auch Google scheint den Unterschied zwischen Alfred und Adolf nicht zu kennen.

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