Kritik

Dust Devil

„Dust Devil“ // Deutschland-Start: 17. September 1992 (Kino) // 13. März 2020 (Mediabook)

Die Stadt Bethanie im Herzen Namibias in eine sterbende Stadt, denn durch eine Dürre, die bereits sieben Jahre andauert, sind sehr viele Einwohner weggezogen. Auch die Gesetzeshüter sind rar geworden und Sergeant Ben Mukurob (Zakes Mokae) ist einer der letzten Polizisten der Stadt sowie einer der ersten am Tatort eines furchtbaren Verbrechens. Eine Frau wurde grausam verstümmelt in ihrem abgebrannten Haus aufgefunden und abgesehen von seltsamen Symbolen an der Wand finden die Ermittler nichts, was sie weiter bringen könnte. Als Bens Freund, ein Mann erfahren in der Kunst der Magie und des Okkulten, einen übernatürlichen Ursprung in den Symbolen erkennt, hat Ben nur ein müdes Lächeln für ihn übrig. Zur gleichen Zeit flieht Wendy Robinson (Chelsea Field) aus dem Haus in Johannesburg, das sie mit ihrem Mann Mark (Rufus Swart) bewohnt. Nach einem weiteren Streit, der abermals in Schlägen gegen sie endete, hat sie endgültig genug, setzt sich ins Auto und macht sich auf den Weg nach Namibia. Auf ihrem Weg nimmt sie einen Anhalter (Robert John Burke) mit, zu dem sie sich schon bald sehr hingezogen fühlt. Jedoch verbirgt sich hinter der ruhigen Fassade des Fremden etwas Schreckliches, was ihn mit den Mordfällen, in denen Ben ermittelt verbindet.

Der Staub der Zeit
Während schon sehr bald der neue Film des Südafrikaners Richard Stanley Die Farbe aus dem All auch in Deutschland anläuft, lohnt es sich einen Blick auf seinen zweiten Film Dust Devil zu werfen, den er damals größtenteils in der Wüste Namibias drehte. Nach seinem ersten Film Hardware war dies abermals eine sehr ambitionierte Produktion für Stanley, der nicht nur die widrigen Umstände in der Wüste zusammen mit seiner Crew und seiner Besetzung meistern musste, sondern sich während der Post-Produktion auch mit den Produzenten des Films herumschlagen musste, die den Film kürzen wollten. Von den 120 Minuten von Stanley ursprünglicher Fassung ließen die Produzenten gerade einmal 85 Minuten übrig und zeigten generell, dass sie nicht so recht was anzufangen wussten mit dem Film, der sich keinem Genre zuordnen lässt. In neueren Veröffentlichungen, wie der aus dem Hause Koch Media, können sich interessierte Zuschauer ein Gesamtbild machen, enthalten diese neben der Kinofassung auch die Workprint-Fassung sowie den Final Cut des Films.

Wenn man sich einmal den Final Cut des Films angesehen hat, ist es schwierig sich eine kürzere Version dieser Geschichte vorzustellen, die zudem gleichzeitig diesen nicht verfälscht. Alleine die Themenbreite, die sich von der Geschichte des Landes Namibia über Rassismus bis hin zu Magie und Spiritualität zieht, reicht schon für einen sehr viel längeren Film. Dennoch gelingt es Stanley dies zu einem stimmigen, surrealen Ganzen zu verweben, das bestenfalls noch an der Oberfläche einem Horrorfilm ähnelt und des Öfteren die Nähe zu den phantasmagorischen Albträumen in den Werken eines Alejandro Jodorowsky sucht.

Alleine die visuellen Elemente des Films, vor allem die Wüste und der gelb-orangene Staub, implizieren eine Traumhaftigkeit und eine Auflösung der Realität. Das Städtchen Bethanie, welches wir in wenigen Einstellungen sehen, wirkt wie eine jener Geisterstädte aus einem Western mit Menschen, die sich von dem allgegenwärtigen Staub schützen, sowie Läden, deren Besitzer bereits das Weite gesucht haben. Konsequent ist dabei die Auflösung emotionaler Strukturen wie der Ehe von Wendy und Mark oder von Institutionen wie der Polizei, deren einziger Vertreter Ben bleibt. Symbole der Zivilisation fallen langsam aber sicher dem Staub zum Opfer, implizieren eine allgemeine Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit und des Todes, die den willkommenen Nährboden für den Dust Devil hergibt.

Jenseits dieser Welt
Immer weiter driftet der Film ins Surreale, ins Traumhafte und vermischt dabei Elemente der Magie und des Mythos. Die Bilder Steven Chivers gepaart mit der Musik von Simon Boswell komplettieren diese Sicht auf eine Welt, in welcher der letzte Kampf ausgefochten wird, in der sich drei Außenseiter treffen und um ihr Überleben kämpfen. „Nichts als Zeit“ bleibt am Ende und es zählen keine Unterschiede mehr aufgrund von Hautfarbe und Geschlecht, auch die Vergangenheit hat keine Relevanz mehr.

In seiner Rolle als Dust Devil stellt Robert John Burke eine zeitlose Gestalt dar, die rein filmisch ihre Wurzeln der Western eines Sergio Leone hat. Doch ist seine Figur auch ein Agent des Chaos und der allgemeinen Auflösung, die ihm folgt und der so viele sehr blutig zum Opfer fallen. Trotz allem umgibt ihn, wie die anderen Figuren auch, eine Einsamkeit und eine Gewissheit um das kommende Ende. So umgibt dann auch Stanleys Film eine gewisse Melancholie.

Credits

OT: „Dust Devil“
Land: UK, Südafrika
Jahr: 1992
Regie: Richard Stanley
Drehbuch: Richard Stanley
Musik: Simon Boswell
Kamera: Steven Chivers
Besetzung: Robert John Burke, Terri Norton, Chelsea Field, Rufus Swart, William Hootkins, Zakes Mokae

Bilder

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Dust Devil
3.91 (78.18%) 11 Artikel bewerten

Dust Devil
„Dust Devil“ ist ein sehr interessanter, visuell berauschender Film. Es ist schön zu sehen, dass dieser Film nun in einer adäquaten Fassung erhältlich ist, denn alleine schon die Vision dieses Filmemachers lohnt eine Sichtung und dürfte vor allem Fans eines anspruchsvollen Genrekinos begeistern.
8von 10

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