Kritik

Der Spion von nebenan

„Der Spion von nebenan“ // Deutschland-Start: 12. März 2020 (Kino) // 3. Juli 2020 (DVD/Blu-ray)

JJ Cena (Dave Bautista) ist ein hartgesottener CIA-Agent, der es selbst in den brenzligsten Situationen schafft, sich irgendwie aus der Affäre zu ziehen. Dachte er zumindest. Nachdem sein letzter Einsatz aber völlig in die Hose geht, schickt ihn sein Boss Kim Trang (Ken Jeong) auf eine ganz besondere Mission: Zusammen mit seiner Kollegin Bobbi Ault (Kristen Schaal) soll er Kate Newton (Parisa Fitz-Henley) und deren Tochter Sophie (Chloe Coleman) observieren, in der Hoffnung, so einem Gangsterboss auf die Spur zu kommen. Stattdessen kommt ihnen aber Sophie sofort auf die Spur und zwingt die beiden, ihr diverse Gefallen zu tun im Ausgleich für ihr Schweigen …

Ein an die zwei Meter hoher Koloss von einem Mann, der kaum durch eine normale Tür passt, da braucht es schon jemand sehr Besonderen, um ihn aufhalten zu können. Ein patentes Mittel, zumindest Filmen zufolge, sind in der Hinsicht Kinder. Da kann der Schrank noch so voluminös sein und über Bärenkräfte verfügen, gegen einen kleinen Naseweis sind sie regelmäßig machtlos. Arnold Schwarzenegger hat das vor bald 30 Jahren schon in Der Kindergarten Cop vorgemacht, bis heute erscheinen Komödien, in denen die Superhelden von Kids vorgeführt werden. Kürzlich erwischte es John Cena in Chaos auf der Feuerwache, bei Der Spion von nebenan ist nun Dave Bautista an der Reihe.

Ein komischer Kämpfer
Wenn Fachfremde sich an der Schauspielerei versuchen, ist das bekanntlich nicht immer ein Grund zur Freude. Zumindest die Kombination aus Wrestling und Komik hat sich aber in den letzten Jahren bewährt: Neben dem besagten Cena zeigte Dwayne Johnson schon mehrfach, dass es da offensichtlich einen größeren gemeinsamen Talentpool gibt. Und auch Dave Bautista konnte schon mehrfach beweisen, dass er zu mehr in der Lage ist, als andere Männer durch die Gegend zu werfen. Bestes und bekanntestes Beispiel hierfür sind seine Auftritte als Drax in Guardians of the Galaxy und anschließenden Marvel-Filmen, wo er mit trockenem Humor hervorstach.

Der Spion von nebenan geht zumindest teilweise in eine ähnliche Richtung. So ganz konnte man sich aber nicht entscheiden, welche Art Witze man denn nun eigentlich erzählen wollte. Dann und wann versucht man sich an einer Art Meta-Humor, wenn der Film parodistische Elemente auftischt. An anderen Stellen wird mit politisch wenig korrekten Gags gespielt, ohne sich aber ganz dazu durchringen zu können – schließlich sollen hier ja die Familien als Gesamtpaket abgeholt werden. Im Zweifel gibt es deshalb dann doch wieder die Standards rund um einen Zwei-Meter-Berg und ein vorlautes Kind, das ihn um den Finger wickelt und allein deshalb schon lustiger ist.

Ein Spion alter Schule
Auch sonst hielt man sich insgesamt eher an das, was bereits etabliert ist. Dass es zum Beispiel irgendwann zwischen dem gefühllosen Klotz JJ und der alleinstehenden Kate knistern wird, das ist so offensichtlich, dass das nicht mal als Spoiler durchgeht. Der Bösewicht wird sich ebenfalls an den Plan halten und seinen Beitrag zu einem actionreichen Finale leisten, sonst hätte man ihn nicht so früh thematisiert. Dann und wann weicht Der Spion von nebenan zwar von dem Erwartbaren ab, eine Wendung ist sogar so absurd, dass sie fast schon irritierend ist. Darauf hoffen sollte man aber nicht, die Actionkomödie will gar nicht groß anders sein als die vielen Kollegen.

Das kann man dann schade finden oder langweilig, etwas mehr Unkonventionalität und Mut hätten sicher nicht geschadet. Gröbere Fehler oder Grund zum Ärger bleiben einem dadurch aber im Gegenzug erspart: Das Korsett sitzt, das Tempo passt, der Film tut, was er soll. Wer diese etwas altmodischen Action-Komödien mag, der macht hier daher nichts verkehrt, zumal das Ensemble einiges aus dem Stoff herausholt. Gerade das Zusammenspiel von Bautista und der kleinen Coleman funktioniert, zudem hat Stand-up-Comedian Kristen Schaal eine Reihe guter Szenen als Hacker-Nerd und JJ-Superfan, was dem Film als zweiter humorvoller Kontrast dient.

Credits

OT: „My Spy“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Peter Segal
Drehbuch: Jon Hoeber, Erich Hoeber
Musik: Dominic Lewis
Kamera: Larry Blanford
Besetzung: Dave Bautista, Chloe Coleman, Kristen Schaal, Parisa Fitz-Henley, Ken Jeong

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Der Spion von nebenan
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Der Spion von nebenan
In „Der Spion von nebenan“ muss ein grobschlächtiger CIA-Agent eine Familie beobachten und wird plötzlich in deren Leben integriert. Insgesamt hält sich die Action-Komödie an das Erwartbare, funktioniert aber gut, gerade auch wegen des sympathischen Duos, und wird durch paar lustige Einfälle aufgewertet.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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