Kritik

Chaos auf der Feuerwache

„Chaos auf der Feuerwache“ // Deutschland-Start: 27. Februar 2020 (Kino) // 9. Juli 2020 (DVD/Blu-ray)

Ein Unglück kommt selten allein. Erst verliert Jake Carson (John Cena), der in Kalifornien ein Team von Feuerspringern anleitet, nach einem Streit die Hälfte seines Teams. Dafür hat er nun die drei Geschwister Brynn (Brianna Hildebrand), Will (Christian Convery) und Zoey (Finley Rose Slater) am Hals. Schließlich haben er und seine Männer (Keegan-Michael Key, John Leguizamo, Tyler Mane) die drei aus einem Brand gerettet und müssen nun auf sie aufpassen, bis ihre Eltern sie abholen. Und das ist eine echte Herausforderung, richten die drei doch ein gewaltiges Chaos an. Dabei bräuchte Jake jetzt unbedingt Ruhe, um sich auf eine ganz wichtige Mission vorzubereiten …

In Deutschland ist die Vorstellung ja ein bisschen fremd, dass riesige Wälder einfach so abbrennen könnten, und das regelmäßig. In Kalifornien ist dies jedoch traurige Realität, alljährlich brennt es dort lichterloh, während mutige Männer versuchen, die Katastrophe einzudämmen. An vorderster Front sind die Feuerspringer, die direkt über dem Brandgebiet abspringen und mit ersten Maßnahmen versuchen, die Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Von eben solchen Feuerspringen erzählt Chaos auf der Feuerwache, sehr betont sogar, wenn Jake immer wieder auf dem Unterschied beharrt, dass sie eben keine regulären Feuerwehrmänner sind.

Ein Witz zur Auflockerung
Als Thema ist das natürlich spannend, ließe sich als Dokumentarfilm, als Drama oder als Thriller interessant verpacken. Chaos auf der Feuerwache ist nichts davon, sondern versucht sich daran, aus dem Stoff eine Komödie zu machen. Mit dem eigentlichen Einsatz vor Ort hat der Film wenig am Hut. Der anfängliche Brand dient lediglich dazu, dass Jake und seine Männer auf die drei Kinder stoßen, die anschließend ihr Leben auf den Kopf stellen. Das ganze Equipment, was auf der Wache herumliegt – darunter diverse Löschutensilien –, ist lediglich dazu da, von den Kids zweckentfremdet zu werden, mit dem Ziel das Publikum zum Lachen zu bringen. Mit zweifelhaftem Ergebnis.

In den USA waren die Einspielergebnisse noch passabel, der Rest der Welt dürfte sich weniger für den Film erwärmen können – weshalb der Kinostart bei uns auch hin und her geschoben wurde. Tatsächlich hätte man hierzulande nicht wirklich viel verpasst, wäre der Start komplett gestrichen worden. Das Problem von Chaos auf der Feuerwache ist dabei weniger, dass aus dem ernsten Stoff eine Komödie gemacht wurde. Wenn Polizisten und Agenten humorvolle Auftritte haben dürfen, dann gilt das für Feuerwehrmänner ebenso. Schwierig wird es aber, wenn der Humor dermaßen schwach auf der Brust ist wie hier, trotz der vielen starken oder semistarken Männer, die wild durch die Gegend laufen.

Ein bisschen Licht, viel Schatten
Die beste Figur macht dabei noch John Cena. Der Ex-Wrestler zeigt wie schon in Der Sex Pakt ein ungeahntes komisches Talent, wenn er hier den No-Nonsense-Feuerspringer gibt, der sich wie der Leiter einer militärischen Einheit aufführt und dabei regelmäßig an den unbändigen Kindern verzweifelt. Solche Konstellationen hat es natürlich immer wieder mal gegeben, Arnold Schwarzenegger und Dwayne Johnson waren in ganz ähnlichen Filmsituationen. Nett ist es trotzdem. Weniger nett sind die anderen Männer in seinem Team. Tyler Mane als grimmiger und stummer Axe wirkt so, als wäre er einem Horrorfilm entlaufen, was anfangs noch irgendwie unterhaltsam ist, aber ohne Abwechslung bleibt. Ganz schlimm sind aber Keegan-Michael Key und John Leguizamo, die von der ersten Minute an nerven. Und auch bei den figurenunabhängigen Gags griff man des Öfteren ins Klo – wortwörtlich – oder zeigt ein erschreckend mieses Gefühl für Timing.

Der sehr ernüchternde Humor wird dabei auch noch von jeder Menge Zuckerguss überdeckt. Schließlich geht es hier darum, dass ein gefühlskalter Mann sein Herz wiederfindet, dazu noch seine Traumfrau, die von Judy Greer verkörpert wird. Dass das anfänglich schwierige Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern besser wird, der Kontrast zu einer wahren Freundschaft und Zuneigung, das ist ohnehin klar. Richtig viel Mühe gab man sich dabei jedoch nicht, die Entwicklung geht rasend schnell, ohne jeglichen Anspruch auf Glaubwürdigkeit. Wenn es dann auf den letzten Metern emotional zugeht, hält sich die Wirkung dementsprechend in Grenzen. Aufgrund der vereinzelt besseren Passagen ist Chaos auf der Feuerwache vielleicht nicht die ganz große Katastrophe, als die der Film von anderen bezeichnet wird. Sehenswert ist dieser aber mit Sicherheit nicht.

Credits

OT: „Playing with Fire“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Andy Fickman
Drehbuch: Dan Ewen, Matt Lieberman
Musik: Nathan Wang
Kamera: Dean Semler
Besetzung: John Cena, Keegan-Michael Key, John Leguizamo, Tyler Mane, Brianna Hildebrand, Christian Convery, Finley Rose Slater, Judy Greer

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Chaos auf der Feuerwache
Was geschieht, wenn ein Team aus Feuerspringern sich um eine Horde wilder Kinder kümmern muss? Sehr viel – und gleichzeitig nichts. „Chaos auf der Feuerwache“ ist nicht nur völlig vorhersehbar, sondern enttäuscht auch im Hinblick auf den Humor. Von wenigen Lichtblicken, darunter John Cena, einmal abgesehen, gibt es hier mit viel Zucker angereicherte Gags, die abwechslungsarm, teils ausgesprochen nervig sind.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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