Das Haus der geheimnisvollen Uhren

„Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ // Deutschland-Start: 20. September 2018 (Kino)

Der 10-jährige Lewis (Owen Vaccaro) wird nach dem tragischen Tod seiner Eltern in die verschlafene Kleinstadt Zebedee geschickt, um dort mit seinem Onkel Jonathan (Jack Black) in dessen mysteriös tickendem Haus zu leben. Bald stellt Lewis fest, dass sein Onkel und die fürsorgliche Nachbarin Mrs. Zimmerman (Cate Blanchett) ein großes Geheimnis hüten: Beide sind mächtige Magier, die auf der Suche nach dem Ursprung des geheimnisvollen Tickens in den Wänden des Hauses sind. Als sich Lewis der abenteuerlichen Mission anschließt, erweckt er versehentlich den bösen Zauberer Isaac Izard (Kyle MacLachlan) von den Toten. Gemeinsam müssen sich die drei gegen die mächtige und bedrohliche schwarze Magie stellen, um sich selbst und die Welt vor dem Untergang zu bewahren.

Horror für die Kleinen
Das neueste Produkt aus dem Hause Amblin – mit Klassikern wie Gremlins – Kleine Monster oder Hook verantwortlich für die infantilen Albträume einer ganzen Generation – basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuch des amerikanischen Schriftstellers John Bellairs aus dem Jahre 1973. Fast ein halbes Jahrhundert später fasst der renommierte Horrorregisseur Eli Roth (The Green Inferno) – verantwortlich für die adulten Albträume derselben Generation – die fantastische Geschichte um den Waisenjungen Lewis, seinen verkorksten Onkel und ein magisches Haus ins Auge.

Manch einer mag die Wahl des Regisseurs aufgrund seines Hintergrunds als zu waghalsig vermuten. Doch Roth passt sein Können der neuen Altersklasse ohne Schwierigkeiten an. Im Laufe des Films holpert der Zuschauer über kleinere wie größere Schrecken, wobei der Grundton vor allem dank des ewigen Quatschmachers Jack Black (Jumanji: Willkommen im Dschungel) ausgelassen ulkig ist. Obwohl der Löwenanteil der Witze eindeutig für das jüngere Publikum gedacht ist, funktioniert der überspitzte Humor meist erstaunlich gut. Gerade gegen Ende verdüstert sich die Atmosphäre jedoch zusehends, sodass spätestens bei einer finsteren Szene im Schwarzwald auch der Elterngeneration ein eiskalter Schauer über den Rücken laufen wird.

Überhaupt werden Atmosphäre und Setting in Das Haus der geheimnisvollen Uhren groß geschrieben. Das verzauberte Haus, vollgestopft mit unzähligen, tickenden Uhren, unheimlichem Krimskrams und magischen Bewohnern, bildet nicht nur ein fantastisches Universum, in das der Zuschauer von Anfang an mit Freude eintaucht, sondern ist dank der großartigen Arbeit des Animationsstudios auch herrlich anzusehen. In jedem Detail entdeckt man die Leidenschaft der Autoren, ebenso die der Production Designer. Außerdem erfreuen sich die liebenswerten Charaktere eines motivierten und einfallsreichen Casts. Neben Jack Blacks hochgezogener Augenbraue verzaubert die unvergleichliche Cate Blanchett als warmherzige, wie exzentrische Mrs. Zimmermann.

Süßes oder Saures?
Doch nicht jedes Rädchen dreht sich mühelos im Uhrwerk des Hauses. Einerseits wird man das Gefühl nicht los, dass man schon mal hier gewesen ist. Man kennt den elternlosen Jungen, die Zaubersprüche, die Enthüllung einer magischen Welt, die parallel zu unserer existiert. Oft erinnert Das Haus der geheimnisvollen Uhren allzu sehr an erstklassige Filme wie die des Harry Potter-Universums. Dabei orientiert er sich oft zu stark und in zu vielen Vergleichspunkten an seinen Vorbildern. Denn wenn es nicht Harry Potter ist, dann ist es Tim Burton oder Casper oder Matilda, oder, oder, oder.

Andererseits fällt die Dichte der eigentlichen Story, nämlich das Mysterium des Hauses und dessen Auflösung, anderen filmischen Elementen zum Opfer. Wie zuvor beschrieben ist die Welt um das tickende Haus wunderbar, überaus detailliert und ausgefeilt entworfen, sollte jedoch eigentlich nur die Basis für den Plot darstellen. Trotz des fantastischen Potenzials scheinen die Prioritäten schlussendlich anders gewichtet worden zu sein. Die Welt verliert sich in sich selbst, anstatt die Geschichte voranzutreiben. Probleme werden zu schnell und zu leicht gelöst, sodass der Kern der Story letztendlich viel zu flach ausfällt. Zudem bleibt im actionreichen Wirbelwind der Ereignisse keine Zeit für Vertiefung, sei es in der Komplexität des Plots, der Charaktere oder der emotionalen Ebene.

Das Haus der geheimnisvollen Uhren
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Das Haus der geheimnisvollen Uhren
Obwohl "Das Haus der geheimnisvollen Uhren" weder besonders innovativ, noch erschreckend tiefsinnig sein mag, gelingt es dennoch, den Zuschauer mit auf eine Reise zu nehmen, die mal spannend und unheimlich, mal witzig und herzerwärmend ist. Im Großen und Ganzen ist Regisseur Eli Roth der Schritt vom Horrorgenie zum Kinderfilmdebütanten geglückt. Das Ergebnis ist ein gruselig-magisches Abenteuer für Kinder und die, die es geblieben sind.
7von 10

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