Kritik

Countdown

„Countdown“ // Deutschland-Start: 30. Januar 2020 (Kino) // 5. Juni 2020 (DVD/Blu-ray)

Es war nur als Spaß gedacht, die Folge von ein bisschen Alkohol, den jeder auf der Party getrunken hat. Eine App, die dir sagt, wann du stirbst? Ist doch ulkig! Bis die Leute feststellen, dass da doch sehr viel mehr dran ist. Auch die junge Krankenschwester Quinn (Elizabeth Lail) wünscht sich bald, sie hätte dieses seltsame Zeug nie auf ihrem Handy installiert. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass es sie ständig an ihr nur wenige Tage entferntes Ableben erinnert wird Sie hat zudem diese eigenartigen, sehr unheimlichen Visionen, als würde sie von etwas verfolgt. Zum Glück ist sie nicht die einzige, Matt (Jordan Calloway) macht derzeit ganz ähnliche Erfahrungen und versucht nun mit ihr, dem Spuk ein Ende zu setzen …

Die Frage an sich ist durchaus berechtigt: Wenn du die Möglichkeit hättest, vorab den Zeitpunkt deines Todes zu erfahren, würdest du ihn wissen wollen? Argumente dafür und dagegen gibt es sicherlich, je nachdem, wie genau man sein Leben durchplanen möchte. In Countdown spielen Argumente jedoch keine wirkliche Rolle. Die anfänglichen Figuren installieren die App lediglich, weil sie die Idee irgendwie lustig finden, so als morbider Partygag. Warum aber auch die anderen auf den Todeszug aufspringen, das verschweigt der Film, vermutlich weil er sich selbst nicht damit auseinandersetzen wollte.

Dämlich geht die Welt zugrunde
Ohnehin scheint Regisseur und Drehbuchautor Justin Dec nicht wirklich viel daran gelegen zu sein, geistige Arbeit zu investieren oder alternativ andere investieren zu lassen. Vielleicht ist es aber auch seine geringe Meinung von der menschlichen Gesellschaft, die ihn dazu veranlasste, größtenteils äußerst dumme, manchmal auch äußerst unangenehme Charaktere zu entwerfen. Sofern man die Zweibeiner tatsächlich als Charaktere bezeichnen möchte, haben die meisten doch lediglich Funktionen zu erfüllen. Dafür braucht es keine echte Persönlichkeit. Oder eben Intelligenz.

Nun ist das ein Vorwurf, den man inzwischen den meisten Horrorfilmen machen kann. Irgendwie scheint es einen inoffiziellen Wettbewerb darum zu geben, wer die entbehrlichsten Figuren auf die Leinwand bringt. Es ist noch nicht einmal so, dass es allzu viele relevante Nervtöter gibt, denen man insgeheim ein frühes Ableben wünscht, von Quinns übergriffigem Boss (Peter Facinelli) einmal abgesehen, der wohl nur deshalb drin ist, um sich ein bisschen zeitgemäß zu geben. Für den Fall, dass Smarphones und Apps nicht ausreichen. Das ist überaus berechnend, dafür jedoch einer der wenigen Fälle, wo es überhaupt so etwas wie Ecken und Kanten sind, so schäbig die auch sein mögen.

Lasst uns Spaß haben!
Wobei, eine weitere Ausnahme gibt es schon. Dec war offensichtlich der Ansicht, dass kein Horrorklischee unerfüllt ist, wenn da nicht auch irgendwo noch ein Geistlicher herumhüpft, der die letzte Chance für die Figuren darstellt und das nötige Hintergrundwissen mit sich bringt, um den Feind zu besiegen. P.J. Byrne war sich dieser Klischees offensichtlich bewusst und legte seine Figur des Vater John deshalb derart übertrieben an, als ständige in seiner Rollenbeschreibung das Wort „Karikatur“. Das ist tatsächlich einigermaßen unterhaltsam, auch weil es so unangebracht ist. Schließlich ist Countdown ansonsten ein Horrorstreifen nach Schema F, was sich mit den an Horrorkomödien erinnernden John-Passagen reibt.

Wäre der Film wenigstens noch unfreiwillig komisch, um einen vergnüglichen Trash-Abend zu verbringen. Oder abgrundtief schlecht. Aber nicht einmal den Gefallen tut einem Dec. Vielmehr ist sein Spielfilmdebüt über weite Strecken lediglich langweilig, eine Mischung aus Final Destination, Wish Upon und anderen Genrevertretern. Der Anfang ist noch vergleichsweise vielversprechend, so lange nicht klar ist, auf welche Weise der Tod dann zuschlägt. Sobald einem dämmert, dass er das aber praktisch gar nicht tut, aus Liebe zum Teenie-Publikum (und deren Geldbörsen), findet das meiste abseits der Kamera ab, womit neben der Hoffnung auf gute Unterhaltung gleichzeitig jegliche Chance auf Perfidität gestorben ist. Ein paar harmlose Jump Scares, mehr hat Countdown nicht zu bieten.

Credits

OT: „Countdown“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Justin Dec
Drehbuch: Justin Dec
Musik: Danny Bensi, Saunder Jurriaans
Kamera: Maxime Alexandre
Besetzung: Elizabeth Lail, Jordan Calloway, Talitha Bateman, Tichina Arnold, P.J. Byrne, Peter Facinelli

Bilder

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Countdown
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Countdown
„Countdown“ erzählt von einer App, die den Menschen ihren Todeszeitpunkt verrät und anschließend darauf besteht, dass dieser Zeitpunkt auch eingehalten wird. Da wäre Potenzial gegeben für perfide Szenen, alternativ auch schwarzen Humor. Stattdessen gibt es aber nur entbehrlichen Jump-Scare-Horror für ein Fast-Food-Publikum.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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