Fast Furious Hobbs Shaw

„Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ // Deutschland-Start: 1. August 2019 (Kino)

Man kann nicht unbedingt behaupten, dass der Agent Luke Hobbs (Dwayne Johnson) und der Ex-Elitesoldat Deckard Shaw (Jason Statham) besonders gute Freunde sind. Eigentlich hassen die beiden sich sogar und haben in der Vergangenheit nur sehr widerwillig zusammengearbeitet. Und so hält sich die Begeisterung auch in Grenzen, als sie erfahren, dass sie beide demselben Fall zugeordnet wurden. Doch es hilft nichts, zu groß ist die Bedrohung durch den Terroristen Brixton (Idris Elba). Dabei kreuzen sich ihre Wege mit dem von Hattie (Vanessa Kirby), die selbst in die Geschichte verwickelt ist und ihre eigenen Gründe hat, Brixton jagen zu wollen …

Erfolgreiche Filmreihen gibt es natürlich einige, gab es auch immer wieder in der Geschichte des bewegten Bilds. Kaum eine dürfte mit ihrem Erfolg aber ähnlich überrascht haben wie Fast & Furious. Schon vom ersten Teil The Fast and the Furious (2001) an sorgten die Actionstreifen rund um krachende Autorennen für volle Kassen. Doch erst als die Macher die Ernsthaftigkeit ablegten und genüsslich-überzogene Spektakel draus machten, angereichert mit viel Humor, wurde die Reihe zu dem heutigen Phänomen. Allein die letzten beiden Teile spielten zusammen 2,7 Milliarden Dollar ein. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Bis zum offiziellen neunten Teil müssen wir uns noch bis nächstes Jahr gedulden. Dafür steht mit Hobbs & Shaw nun das erste Spin-off der Reihe an.

Da geht noch was!
Darüber nachgedacht wurde schon länger, schon 2015 wurde das erste Mal öffentlich über solche Pläne gesprochen. Der Gedanke, noch ein paar Nebenfilme zu drehen, ist natürlich naheliegend. Nicht nur, dass die zu erwartenden Einnahmen ein gutes Argument darstellen. Es gibt zudem mittlerweile so viele Figuren in dem Fast & Furious-Universum, dass es sich auch inhaltlich anbieten würden, einzelnen davon mehr Platz einzuräumen. Gleichzeitig war da aber natürlich auch immer irgendwo Skepsis. Ausgerechnet bei der Reihe, in der das Thema Familie eine so große Rolle spielt, sollen die Figuren voneinander getrennt werden? Widerspricht das nicht dem Geist der Reihe?

Chris Morgan, der wie schon bei den letzten Teilen für die Geschichte bzw. das Drehbuch verantwortlich war, war sich dieser Problematik natürlich bewusst und fand eine ganz eigene Antwort dafür. Er nimmt das mit der Familie sehr wörtlich und fügte einfach noch ein paar weitere Hobbs- und Shaw-Angehörige hinzu, denen wir über den Weg laufen dürfen. Ohnehin, trotz der Reduktion des Stammpersonals, an Figuren mangelt es in Fast & Furious: Hobbs & Shaw sicher nicht, auch über die bereits angesprochenen Charaktere hinaus. Bei einigen hat man das Gefühl, dass sie auch ganz bewusst für weitere Teile aufgebaut werden sollen – ob nun aus der Hauptreihe oder für weitere Spin-offs sei mal dahingestellt.

Weniger ist mehr
Das ist einerseits schön, da sich die Neuzugänge auch wunderbar ins Fast & Furious-Universum einfügen und die entsprechenden Darsteller und Darstellerinnen die inzwischen typische Spielfreude mitbringen. Es führt allerdings dazu, dass ausgerechnet die beiden Hauptfiguren manchmal etwas kurz kommen und wir sie zu selten im gemeinsamen Einsatz sehen. Dabei gehören die entsprechenden Szenen zu den Höhepunkten des Films. Wer neu hinzugekommen ist, wird zwar nicht verstehen, warum sich die zwei so spinnefeind sind. Mitanzusehen, wie die beiden Action-Stars sich gegenseitig beschimpfen, so als wären wir hier auf einem Schulhof, das macht aber auch komplett ohne jeden Kontext Spaß.

Gleiches gilt für die erneut komplett überzogenen Action-Szenen. Zwar kommen die Autos, die eigentliche DNA der Reihe, erstaunlich kurz. Aber dafür gibt es Ersatz. Regisseur David Leitch hatte zuvor schon in John Wick und Atomic Blonde sein Händchen für schicke Kämpfe demonstriert. Dieses Talent ist dann auch in Fast & Furious: Hobbs & Shaw wieder eindrucksvoll zu sehen, wenn der Film von Minute zu Minute bescheuerter wird. Darin darf man sich wie schon bei der Hauptreihe nicht stören. Der Film ist nicht für Zuschauer und Zuschauerinnen gedacht, die mit dem Anspruch von Realismus an die Sache gehen oder die Einhaltung physikalischer Gesetze einfordern. Das Spin-off hält sich da eng an die Vorlage, ist erneut gut gelaunter und temporeicher Blödsinn, der sich selbst zu keinem Zeitpunkt ernst nimmt. Als Zwischenstopp ist dieser Gaga-Spionage-Express daher gut geeignet, auch wenn man sich hier im Anschluss etwas schwerer tun wird zu erinnern, worum es in den über zwei Stunden überhaupt ging.



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Fast & Furious: Hobbs & Shaw
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Fast & Furious: Hobbs & Shaw
Braucht es tatsächlich auch noch Spin-offs zu der Actionreihe? Das vielleicht nicht, trotz eines erweiterten Stammbaums holt „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ nicht alles aus den beiden Hauptfiguren raus, was ging. Die Nebengeschichte um die Jagd auf einen Terroristen macht aber erneut Spaß, sofern man sich auf den temporeichen Blödsinn einstellen kann – dafür sorgen schon die diversen Streitereien des Duos.
6von 10

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