John Carpenter Collection

„Die Fürsten der Dunkelheit“ // 5. Mai 1988 (Kino) // 28. November 2019 (Kino)

Der Einladung eines Priesters (Donald Pleasence), eines langen Freundes, folgend, beraumt der Physikprofessor Howard Birack (Victor Wong) einige seiner vielversprechendsten Studenten ein, darunter Brian Marsh (Jameson Parker) und Catherina Danforth (Lisa Blount), um einen mysteriösen Fund in einer alten Kirche zu untersuchen. Im Keller des Gotteshauses findet sich ein Kanister mit einer geheimnisvollen grünen Flüssigkeit, der von ihnen allen studiert und getestet wird. Eine Schrift, die in der Nähe des Zylinders lag, deutet darauf hin, dass es sich bei der Flüssigkeit um einen Sohn Satans handeln soll, den der Teufel einst höchstpersönlich dort einschloss. Während die Studenten Probleme haben, der Schrift zu glauben und einige sich schon wieder auf den Weg nach Hause machen wollen, bemerken sie, dass sie gefangen sind. Von ihnen unbemerkt hat eine Horde Obdachloser (unter anderem gespielt von Alice Cooper) die Kirche umstellt, vermutlich kontrolliert von der bösen Macht, die von dem ausgeht, was sich im Kanister befindet. Jedoch ist die Bedrohung draußen fast harmlos zu dieser unter ihnen, denn die Präsenz im Zylinder hat schon längst menschliche Wirte unter ihnen gefunden und plant nichts Geringeres, als die Herrschaft Satans auf Erden.

Universum im Chaos
Die Natur des Bösen ist der Kern John Carpenters apokalyptischer Trilogie, die mit Das Ding aus einer anderen Welt (1982) begann und 1994 mit Die Mächte des Wahnsinns ihren Abschluss fand. Fand im ersten Teil die Ankunft des Bösen noch durch Außerirdische statt, die von den Menschen Besitz ergriffen, ist der Ursprung in Fürsten der Finsternis spirituell-religiöser Natur. Die Inspiration für die Geschichte kam Carpenter, als er sich mit der Theorien der Atommodelle und Materie bzw. Anti-Materie beschäftigte. Davon ausgehend entstand die für einen Horrorfilm sehr attraktive, zugleich sehr beunruhigende Ausgangsfrage, auf welche Weise das Böse unsere Welt unterwandert hat und ob es überhaupt aufzuhalten ist.

Gerade diese Herangehensweise zeigt sich in dem betont langen Aufbau des Films, der von seiner Struktur her Ähnlichkeiten mit Das Ding aus einer anderen Welt aufweist. Weniger das Gefühl der Paranoia umgibt die Bilder Gary B. Kibbes, der nach diesem Film noch an vielen weiteren Carpenters arbeiten sollte, ein Schatten der Apokalypse, des Ankommens des Bösen auf der Welt. Ob Naturphänomene wie die vielen Ansammlungen von Insekten oder die Bewegungen der Himmelskörper, als Zuschauer ist man einer Unruhe ausgesetzt, die man nicht beschreiben kann, die aber allgegenwärtig zu sein scheint. Einzig der von Donald Pleasence gespielte Pfarrer scheint feinfühliger auf das Chaos in diesem Universum zu reagieren, den sich steigernden Einfluss einer Macht, die nichts Gutes vorhat. Wie in so vielen Filmen Carpenters trägt der von ihm mitkomponierte Soundtrack des Films einen nicht geringen Anteil zu diesem fast schon prophetisch-düsteren Aufbau bei.

Zudem versucht sich Carpenters Skript immer wieder an einer Verbindung der spirituellen Elemente seiner Handlung mit der Physik. Wenn beispielsweise Lisa Blounts Charakter mit einem Kommilitonen über die Verfassung von Schrödingers Katze, einem der berühmtesten Gedankenexperimente der Physik, streitet, spiegelt dies spätere Diskussionen über die Natur der seltsamen grünen Flüssigkeit wider, ob diese tatsächlich das ultimative Böse beherbergt. All diesen Ausflügen in (pseudo-)wissenschaftliche Gefilde zum Trotz funktioniert Carpenters Film aber immer noch am besten, wenn er „einfach nur“ ein Horrorfilm ist. An mehr als einer Stelle drohen diese Konzepte den Film zu überlagern, was nicht unbedingt zum Vorteil der Geschichte ist und diese bisweilen zäh werden lässt.

Der Aufstand der Ausgestoßenen
Ein weiterer, sehr viel gelungener Aspekt findet sich in einem der Themen, die Carpenters Werk durchfließt: dem Aufstand der Ausgestoßenen. Nicht umsonst sind es die Schwachen, die Insekten und die Obdachlosen, die als Erstes auf die mysteriöse Macht reagieren, die gegen die Elite, verschlossen in ihrer Kathedrale aus Wissen und Religion, zurückschlagen und gewaltsam Raum wiedererobern. Ähnlich den Kriminellen in Assault – Anschlag bei Nacht oder den von der Gesellschaft vergessenen Menschen in Sie leben ist es nicht ohne Ironie, wenn ein essentieller Teil der Apokalypse eine Rache dieser Ausgestoßenen beinhaltet. Wie eine Bestätigung wirkt da die Reaktion der Charaktere auf diese Menschen, denen sie mit Ignoranz, Ekel und einem starken Gefühl des Befremdens begegnen.



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Die Fürsten der Dunkelheit
„Die Fürsten der Dunkelheit“ ist ein in vielen Teilen sehr stimmiger Horrorfilm John Carpenters. Vor allem in technischer und formaler Hinsicht funktioniert vieles in diesem Film, vor allem der langsame, stimmungsvolle Aufbau, der die für die Geschichte nötige apokalyptische Grundatmosphäre herstellt. Auch wenn der Film bisweilen etwas überladen wirkt, ist er durchaus eine oder mehrere Sichtungen wert.
7von 10

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