Kritik

Der Mitternachtsmann The Midnight Man

„Der Mitternachtsmann“ // Deutschland-Start: 28. November 2019 (DVD/Blu-ray)

Nachdem er eine lange Gefängnisstrafe verbüßen musste, nimmt der ehemalige Polizist Jim Slade (Burt Lancaster) eine Stelle als Wachmann am Jordon College an, einer Universität in einer kleinen Stadt. Während er regelmäßig seine Bewährungshelferin Linda Thorpe (Susan Clark) treffen muss, hilft ihm sein ehemaliger Kollege Quartz (Cameron Mitchell) dabei, sich wieder ein Leben aufzubauen. Auch wenn die vielen Nachtschichten nicht gerade dankbar sind, ist es doch ein ruhiger Job, den Slade nun hat. Dies ändert sich allerdings, als eine Studentin tot aufgefunden wird. Zwar hat Sheriff Jack Casey (Harris Yulin) schnell einen Verdächtigen für die Tat gefunden, doch Slade ist alles andere als zufrieden mit dieser Lösung, vermutet einen anderen Täter. Da für die örtliche Polizei der Fall erledigt zu sein scheint, nimmt Slade kurzentschlossen selbst die Ermittlungen auf, wobei ihm Quartz so gut es geht hilft. Schon bald kommt Slade den wahren Hintergründen der Tat auf die Spur, die weit über die Stadtgrenzen hinausgehen und bringt sich damit in große Gefahr.

„Einmal ein Cop, immer ein Cop.“
Nach Der Mann aus Kentucky (1955) ist Der Mitternachtsmann die zweite Regiearbeit des Schauspielers Burt Lancaster. Wahrscheinlich wegen der Doppelbelastung als Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Regisseur kollaborierte Lancaster bei der Produktion mit Produzent und Autor Roland Kibbee, der mit Lancaster bereits an Filmen wie Der rote Kosar (1952) oder Vera Cruz (1954) arbeitete. Inspiriert wurde Lancaster von dem Kriminalroman The Midnight Lady and the Mourning Man aus der Feder David Anthonys.

In der Hauptrolle spielt Lancaster einen Routinier, den ruhigen, cleveren Ermittler. Hört man als Zuschauer den Grund für seine Gefängnisstrafe, kann man den Mord an seiner Frau kaum mit diesem scheinbar ausgeglichenen Mann in Verbindung bringen, der selbst in Stresssituationen die Oberhand behält. Doch dieser Eindruck täuscht, denn hinter dem etwas trotzig formulierten „Once a cop, always a cop“ steckt eine nicht zu verleugnende Traurigkeit, die Einsicht, dass diesem Mann nichts weiter geblieben ist als diese Rolle, die er bereits sein ganzes Leben gespielt hat. „Das ist es, was ich am besten kann“ heißt es von ihm an einer Stelle, ein Satz, dem man die Ergänzung, er habe ansonsten in allen anderen Belangen versagt, fast schon anhört.

Gerade dieser Moment der Schwäche, als die Gewalt seines Jobs seine Rolle als Ehemann beeinflusste, gibt Lancasters Ermittler eine sehr willkommene Erdung. Slade weiß um die Schwäche der Menschen, die Leichtigkeit, mit der man zur Waffe greift, weil andere Lösungen zu komplex und verletzend wären. Selbst in einer kleinen Stadt, innerhalb eines Jobs, der jemanden wie Slade weniger der hässlichen Fratze der Gewalt aussetzt, ist jeder anfällig Opfer oder Vollstrecker einer blutigen Tat zu werden.

Verstrickungen einer kleinen Stadt
Im Grunde versteht sich Der Mitternachtsmann, wie auch dessen Vorlage, als eine Detektivgeschichte. Auch wenn ein Jim Slade wohl nicht ganz an einen Sam Spade oder Philip Marlowe heranreicht, so nutzt Lancasters und Kibbees Skript dennoch viele Versatzstücke aus dem Bereich der Detektivgeschichte. Neben der Anlage des Ermittlers sieht man dies nicht zuletzt an der Struktur des Films, der sich von einem relativ banalen Vorfall zu einem Mord und letztlich zu einem groß angelegten Komplott entwickelt. Allerdings gelingt es selbst dem Skript nicht, Ordnung in diese Verstrickungen zu bringen, sodass der Film am Ende eher mehr Verwirrung stiftet als Klarheit.

Credits

OT: The Midnight Man
Land: USA
Jahr: 1974
Regie: Burt Lancaster, Roland Kibbee
Drehbuch: Roland Kibbee, Burt Lancaster
Vorlage: David Anthony
Musik: Dave Grusin
Kamera: Jack Priestley
Besetzung: Burt Lancaster, Susan Clark, Cameron Mitchell, Morgan Woodward, Harris Yulin

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Der Mitternachtsmann
„Der Mitternachtsmann“ ist ein solider Kriminalfilm, der mit einem tollen Burt Lancaster in der Hauptrolle punkten kann, sich aber gerade im Schlussteil etwas zu viel zumutet. Dennoch unterhält die Geschichte um einen Mann, der beweisen will, dass er zumindest in der Rolle als Polizist noch immer etwas taugt, hat er doch in der Rolle als Ehemann versagt.
7von 10

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