Jungfrau 40 männlich sucht

„Jungfrau (40), männlich, sucht…“ // Deutschland-Start: 29. September 2005 (Kino) // 19. September 2019 (DVD/Blu-ray)

40 Jahre ist Andy (Steve Carell) inzwischen. Doch so richtig angekommen im Leben der Erwachsenen ist er noch immer nicht. So verbringt er seine Freizeit damit, Action-Figuren zu sammeln oder Videospiele zu zocken. Soziale Kontakte hat er kaum, vor allem nicht zu Frauen. Als bei einer Pokerrunde mit seinen Kollegen David (Paul Rudd), Jay (Romany Malco) und Cal (Seth Rogen) vom Elektroladen rauskommt, dass er noch nie Sex hatte, fallen diese aus allen Wolken. Das muss schleunigst geändert werden! Ganz so einfach ist das jedoch nicht, da die wohlmeinenden Männer selbst so ihre Schwierigkeiten mit dem anderen Geschlecht haben …

Männer denken nur an Sex, grundsätzlich, zu jeder Zeit. Das wissen wir zumindest aus Filmen, die in den meist jungen Kerlen gerne Tiere auf zwei Beinen sieht, die alles dafür tun würden, um die Frau ins Bett zu bekommen. Oder in den Busch. Auch Filme über männliche Jungfrauen gab es so einige, meistens Komödien, voll unbeholfener Versuche, den Sexstatus zu ändern, von einer Katastrophe in die nächste schlittern. Grundsätzlich ist das bei Jungfrau (40), männlich, sucht… nicht wirklich anders. Mit dem Unterschied eben – der Titel verrät das bereits –, dass da eben kein junger Hüpfer seine ersten Sporen verdient, sondern ein Mann im mittleren Alter.

Alles beim alten
Auf den Ablauf hat das erstaunlich wenig Einfluss. Steve Carell (Foxcatcher), der die Idee für den Film hatte und gemeinsam mit Regisseur Judd Apatow (Dating Queen) das Drehbuch schrieb, wendet hier das bekannte Szenario einfach auf eine andere Altersgruppe an, belässt sonst aber nahezu alles beim alten. Da gibt es natürlich amüsierte bis entsetzte Gesichtsausdrücke der anderen, als sie von dieser Besonderheit erfahren – wie kannst du noch Jungfrau sein?? –, das war es ansonsten aber auch fast schon. Denn für Andy selbst ist es gar nichts Besonderes mehr, hat er sich inzwischen doch mehr oder weniger damit abgefunden und in einer Mischung aus Resignation und Scham dem Werben um eine Frau entzogen.

Dann und wann zeigt Jungfrau (40), männlich, sucht… diese Neigung zur Nachdenklichkeit, hinterfragt Geschlechterrollen, spielt mit Klischees oder diskutiert, welche Bedeutung Sex für die Menschen hat. Oft wollen Apatow und Carell aber nur einfach Spaß haben, wenn sie eine Horde von Mannskindern auf die Welt da draußen loslassen. Das führt erwartungsgemäß meist zu einer Katastrophe. Nicht nur Andy selbst stolpert von einer skurrilen bis peinlichen Situation in die nächste. Den anderen geht es nicht wirklich besser, wenn sie zwar alle schon mit Frauen geschlafen haben, diese deswegen aber nicht zwangsweise verstehen. Wobei die weiblichen Figuren – so viel Fairness muss sein – teils genauso verkorkst sind. Sie machen daraus nur kein vergleichbar großes Thema.

Wie, schon wieder?
Teilweise ist das natürlich schon lustig, wenn man erwachsene Männer sieht, die wie kopflose Hühner durch die Gegend laufen, in der Hoffnung, vielleicht doch mal ans Ziel zu kommen. Auf Dauer ist es aber etwas wenig, was bei einem Film, der immerhin 130 Minuten lang ist, zu einem echten Problem werden kann. Beim Versuch, die Geschichte auf eine solche Länge zu strecken, kommt es zu viel Leerlauf und Wiederholungen. Gags wie eine Brustbehaarung oder das Aufsagen mutmaßlicher Merkmale von Homosexualität kommen einem ewig vor. Irgendwann ist man dann so weit, Andy wirklich zu wünschen, dass er sein erstes Mal endlich hinter sich bringt, um nicht nur ihn selbst, sondern auch das Publikum zu erlösen.

Wobei Jungfrau (40), männlich, sucht… durchaus auch seine charmanten Momente hat oder das Blödsinnige auf eine nette absurde Stufe anhebt. Hochkarätig besetzt ist die Komödie sowieso: Wenn Apatow einen Film dreht, muss man sich über einen Mangel an Stars keine Gedanken machen. Doch trotz der Ansammlung talentierter und sympathischer Größen, das hier ist letztendlich ein bisschen viel Lärm um nichts. Es ist auch, derber Sprüche ungeachtet, alles recht harmlos. So als hätten da wirklich ein paar Teenies darüber nachgedacht, was Sex eigentlich sein könnte. Für die liebenswerte Chaostruppe kann man schon reinschauen, für den plumpen Humor lohnt es sich hingegen weniger.



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Jungfrau (40), männlich, sucht…
4.05 (80.91%) 22 Artikel bewerten

Jungfrau (40), männlich, sucht…
Stell dir vor, ein Mann mit 40 ist noch Jungfrau! Aus diesem Szenario wird bei „Jungfrau (40), männlich, sucht…“ eine recht harmlose Komödie, die sich darauf beschränkt, Filmklischees auf einen ungewohnten Protagonisten anzuwenden. Teilweise funktioniert das ganz gut, auch wegen der sympathischen Darsteller. Die einfallslosen Witze machen die 130 Minuten aber zusammen mit der mangelnden Entwicklung zu einem echten Geduldsspiel.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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