Alfons Zitterbacke Das Chaos ist zurück
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Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück

Alfons Zitterbacke DVD
„Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück“ // Deutschland-Start: 11. April 2019 (Kino) // 10. Oktober 2019 (DVD/Blu-ray)

Der 11-jährige Alfons Zitterbacke (Tilman Döbler) hat einen ganz großen Traum: Er möchte einmal Astronaut werden und durch das Weltall fliegen! Sein irdisches Leben ist hingegen alles andere als traumhaft. In der Schule kommt er auf keinen grünen Zweig, er wird von anderen gehänselt, daheim setzt es Ärger mit seinen Eltern (Alexandra Maria Lara, Devid Striesow). Und überhaupt: Alles was er anfasst, geht am Ende schief. Da bietet sich die Chance, dass er endlich einmal allen sein Können präsentiert. Gemeinsam mit seinem besten Freund Benni (Leopold Schill) will er an einem Wettbewerb teilnehmen und ein Fluggerät bauen. Eine Idee dafür hat er schon. Bei der Umsetzung stößt er jedoch Alfons jedoch bald an seine Grenzen …

Die DDR lebt! Zumindest im Kino, wo dieses Jahr nicht zuletzt wegen des Mauer-Jubiläums zahlreiche Werke an früher erinnern. Ob es nun Und der Zukunft zugewandt war, das von den Vertuschungen alter Schandtaten sprachen, die Wendefilme Zwischen uns die Mauer und Fritzi – Eine Wendewundergeschichte oder auch Was gewesen wäre, das im Rückblick von einer Beziehung erzählt, die endete und doch nie ein Ende fand. Da passt es prinzipiell gut ins Programm, wenn mit Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück ein Film herauskommt, der seine Ursprünge in der DDR hatte. Genauer basiert er auf einer Kinderbuchreihe des Autors Gerhard Holtz-Baumert, die sich damals großer Beliebtheit erfreute und schon mehrfach fürs Kino und das Fernsehen adaptiert wurde.

Das Leben kann echt hart sein …
Bei der ersten gesamtdeutschen Adaption sind die Verweise auf die DDR völlig verschwunden. Wer nicht die Vorlage oder frühere Fassungen kennt, der würde vermutlich gar nicht auf die Idee kommen, dass Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück seine Wurzeln im sozialistischen Staat hatte. Wobei der Film mit seinen kleinen Attacken gegen Konformismus durchaus auch in der Hinsicht aufgefasst werden kann. Denn hier geht es um einen Jungen, der – mal aufgrund seiner Persönlichkeit, mal aus purem Pech – mit den Vorstellungen der anderen kollidiert. Fantasie hat er, er ist auch ein netter Junge. Es geht nur alles schief, immer wird er von anderen missverstanden.

So jemandem drückt man meist gern die Daumen und hofft, dass das irgendwann einmal klappen wird. Wobei irgendwann natürlich nicht ferne Zukunft bedeutet, spätestens zum Ende des Films muss das klappen – so verlangt es das Kinopublikum. Wenn sich Alfons Zitterbacke daran hält, sind die Überraschungen dementsprechend gering. Die Geschichte um den kleinen Unglücksraben folgt bei all dem Einsatz für Individualismus einem nur wenig individuellen Pfad. Vieles von dem, was hier so geschieht, ist recht austauschbar. Das Drehbuchteam aus John Chambers, Anja Flade und Mark Schlichter wollte lieber nicht so wirklich viel riskieren, den jungen Zuschauern und Zuschauerinnen nicht wirklich etwas zumuten.

Huch, das ist ja komisch!
Dafür geht es anderweitig hoch her – wortwörtlich, die Experimente von Alfons können schon mal in einer kräftigen Explosion enden. Diese diversen Missgeschicke dienen jedoch weniger der Geschichte oder gar einem Erkenntnisprozess. Alfons Zitterbacke will damit vor allem die junge Zielgruppe zum Lachen bringen, die sich an simplen Slapstickeinlagen erfreut. Da darf dann auch schon mal auf Schuhe gekotzt werden oder in der Nase gepopelt. Und als wäre das nicht genug Kinderunterhaltung, gibt es noch einen Gastauftritt von Checker Tobi – die Macher wussten schon, womit sie die kleinen Racker rankriegen. Für Erwachsene sind diese Stellen weniger zu empfehlen. Höchstens solche, die sich ihr kindliches Gemüt bewahrt haben und bis heute über Toilettenhumor lachen können.

Andere Stellen sind dafür deutlich charmanter, mit einem kleinen Augenzwinkern versehen. Und wenn Alfons an seinem Leben verzweifelt, an seinem Namen, daran, nie wirklich irgendwo reinzupassen, dann wird sich das eine oder andere Elternteil vielleicht selbst darin wiederfinden. Für ein tatsächliches Coming-of-Age-Prädikat reicht das nicht aus, da der Erkenntnisprozess des Jungen trotz der ständigen Selbstzweifel überschaubar bleibt. Vielmehr sind es die anderen, die hier erkennen müssen, im Unrecht zu sein. Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück ist daher nur zum Teil dazu geeignet, den Nachwuchs auf das Leben da draußen vorzubereiten. Als kleine Bestätigung dafür, die eigenen Träume zu verfolgen und sich nicht zu sehr von der Meinung anderer abhängig zu machen, passt das aber schon ganz gut.



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Mit „Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück“ kommt ein ehemaliger Kinderheld der DDR zurück, angepasst an die heutige Zeit. Der sehr simple Slapstick-Humor ist nur von einem sehr jungen Publikum zu genießen. Dafür ist die Buchadaption eine charmante Aufmunterung, das Leben und die Menschen zu nehmen, wie sie sind, und eigene Träume zu verfolgen, selbst wenn sie sonst keiner versteht.
6
von 10