Out of Sight

„Out of Sight“ // Deutschland-Start: 17. September 1998 (Kino) // 10. Oktober 2019 (DVD/Blu-ray)

Nach einem misslungenen Banküberfall sitzt der Kleinganove Jack Foley (George Clooney) mal wieder hinter Gittern. Als sich dann die Gelegenheit biete, nutzt er einen erfolglosen Fluchtversuch einiger Mitgefangener erfolgreich für die eigene Flucht, wobei er dabei genau U.S. Marshal Karen Sisco (Jennifer Lopez) in die Arme, die gerade einen anderen Gefangenen abholen sollte. Sein Komplize Buddy (Ving Rhames) kann die Frau zwar überwältigen, doch schon nach wenigen Stunden in deren Händen gelingt auch ihr die Flucht. Von da an setzt sie alles daran, Foley zu schnappen. Parallel zu Siscos Ermittlungen planen Foley und Buddy schon den nächsten Coup: den Überfall eines Geschäftsmannes, den sie bei einem früheren Gefängnisaufenthalt kennengelernt haben. Dieser soll in seinem Haus Diamanten von unschätzbarem Wert haben. Jedoch wollen auch andere sich die reiche Beute schnappen, und zudem wäre da noch Karen, die mit ihren Ermittlungen Jack und Buddy immer wieder gefährlich nahe kommt.

Gangster und Gentleman
Mit Out of Sight begann die lange und sehr fruchtbare Zusammenarbeit von Schauspieler George Clooney und Regisseur Steven Soderbergh, die in der Gründung der Produktionsfirma Section Eight Productions 2000 mündete. Bis 1997 hatte sich Soderbergh mit eigenwilligen Projekten fernab des Mainstreams immer mehr zu einem Kassengift für Produktionsfirmen entwickelt und mit Filmen wie der interessanten Pseudo-Dokumentation Schizopolis (1997) es bisweilen auch mit den Kritikern verscherzt. Mit Out of Sight, basierend auf einem Roman des US-amerikanischen Thrillerautors Elmore Leonard, der bereits die Vorlagen zu Filmen wie Quentin Tarantinos Jackie Brown lieferte, sollte diese lange Durststrecke enden und Clooney für eine ebenso lange Phase das Image des Gentleman-Gangsters verpassen.

Die Figur des Jack Foleys, wie auch die übrigen Charaktere des Filmes, verbergen immer mehr, als die Oberfläche vermuten lässt. Mögen sie es auch mit sozialen Normen und Werten nicht so genau nehmen, so umgibt sie ein gewisser Stil, eine Art Integrität oder Ehrenkodex, sodass man einen Jack Foley oder einen Danny Ocean (Ocean’s Eleven) wohl nie bei der Ermordung eines anderen Menschen sehen wird. Vielmehr liegt hinter der Fassade eine genaue Beobachtungsgabe, eine Gerissenheit, gepaart mit einer schnellen Zunge, eine Kombination, mit der sie ihren Widersachern immer einen Schritt voraus sind. Ironischerweise haben ihnen diese Eigenschaften bisher lediglich den Weg des Gauners eröffnet. Wenn Foley zu Anfang seines Filmes seine Krawatte wutentbrannt auf den Bürgersteig wirft, ist dies auch eine Absage an eine bestimmte Lebensvorstellung, was er mit dem darauf folgenden Bankraub abermals betont.

Der Charme der Indies
Die verschiedenen Perspektiven, durch Parallemontage verknüpft, geben Einblick in die verschiedenen Figuren, wobei neben der Chemie unter den Gangstern auch das Umfeld Karen Siscos interessant bleibt. Gerade die Dialoge mit ihrem Vater, einem mittlerweile pensionierten Marshal, gespielt vom unvergesslichen Dennis Farina, zeigen neben cleverem Sprachwitz auch das Dilemma einer Frau, die zwischen Privatem und Dienstlichem des Öfteren keinen Unterschied macht. So überrascht nicht, wenn ihr der Vater zum Geburtstag eine Waffe schenkt. Jennifer Lopez überzeugt neben Clooney als eine Frau, die mit ihren Prinzipien mehr als einmal in Konflikt gerät durch die unwahrscheinliche Anziehung, die sie zu diesem Ganoven verspürt. Gleichzeitig besitzt sie eben auch eben jene Gerissenheit und Stärke, die sie abermals mit Foley verbindet.

Aus seinen Referenzen macht Out of Sight derweil kein Geheimnis. Wenn Foley und Sisco in einem ersten intimen Gespräch von Filmen wie Bonnie und Clyde oder Network sprechen, geht es hier um mehr als nur Small-Talk, sondern zudem um das vorsichtige Herantasten auf der emotionalen Ebene. Darüber hinaus sieht sich Soderbergh, wie auch Drehbuchautor Scott Frank, in naher Verwandtschaft zu einem Kino, welches sich für den Menschen interessiert, seine Beziehungen, seine Stärken und seine Fehlbarkeiten. Das episodisch strukturierte Narrativ, die Dialoge sowie die Bilder des Kameramanns Elliot Davis tragen diese Handschrift gleichermaßen, vor allem, wenn es um die Darstellung der US-amerikanischen Landschaft zwischen dem sonnenverwöhnte Miami und dem verschneiten, industriellen Detroit geht. Diese Figuren und ihre Art zu reden rührt von diesen Orten her, diesem Schlag Menschen und dieser Kultur.

Out of Sight
4.1 (82%) 10 Artikel bewerten

Out of Sight
„Out of Sight“ ist ein sehr unterhaltsamer, elegant gefilmter Gangsterfilm, der sich unter anderem durch ein toll aufspielendes Ensemble auszeichnet. Steven Soderberghs Regie und das Skript Scott Franks stehen für ein an den Figuren interessiertes Kino, ein Unterhaltungskino, das intelligent, amüsant und kurzweilig ist.
8von 10

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