Die Wurzeln des Gluecks

„Die Wurzeln des Glücks“ // Deutschland-Start: 5. September 2019 (Kino)

Bei den Rosenmercks geht es mal wieder drunter und drüber. Familienoberhaupt Harry (James Caan) verstörte nicht nur seine Familie durch seinen Plan, von New York nach Israel zu ziehen. Auch seine neuen Mitbürger sind wenig begeistert über diese Entscheidung, hat sich Harry doch in den Kopf gesetzt, ausgerechnet dort Schweine züchten zu wollen. Währenddessen hat seine Ex-Frau Monica (Rosanna Arquette) daheim ganz eigene Probleme, vor allem mit ihren erwachsenen Kindern Annabelle (Efrat Dor) und David (Jonathan Rhys Meyers). Sie will endlich wieder ein normales Verhältnis zu den beiden haben. Doch ihr bleibt dafür nicht mehr viel Zeit, denn Monica ist schwer krank …

Eigentlich ist die Französin Amanda Sthers ja eher als Autorin bekannt, zahlreiche Romane und Theaterstücke hat sie bereits verfasst. Seit einiger Zeit zieht es sie aber auch auf die große Leinwand und versucht sich als Regisseurin und Drehbuchautorin ein zweites Standbein aufzubauen. Dafür konnte sie bislang auch diverse größere Schauspieler und Schauspielerinnen gewinnen. In ihrem zweiten Spielfilm Madame waren es immerhin Toni Collette und Harvey Keitel. Und auch bei ihrem dritten Werk im Regiestuhl hat sie ein namhaftes und talentiertes Ensemble um sich herum versammelt.

Briefe ohne Empfänger
Als Vorlage diente dieses Mal ein eigener Roman. Genauer handelt es sich um einen Briefroman namens Schweine züchten in Nazareth aus dem Jahr 2010. Nun ist Papier sehr geduldig, was sich bei Die Wurzeln des Glücks gleich doppelt zeigt. Zum einen bedeutet das bloße Schreiben von Briefen nicht automatisch, dass daraus auch eine Kommunikation wird. Briefe müssen nicht zwangsweise gelesen werden, vom Beantworten ganz zu schweigen. Während diese gebrochene Kommunikation als durchgängiges Thema klar zu erkennen ist, hat der Film aber ein anderes Problem: Was geschrieben funktioniert, muss es in Bildform nicht unbedingt.

Briefe einfach vorlesen zu lassen, ist beispielsweise nicht unbedingt die ganz große Filmkunst. Das wäre sicherlich eleganter gewesen. Schlimmer ist aber, dass auch die zwangsläufig episodenhafte Natur eines Briefes hier übernommen wurde. Die Wurzeln des Glücks erzählt keine wirklich durchgängige Geschichte. Stattdessen gibt es eine Reihe von Parallelhandlungen rund um die einzelnen Familienmitglieder, die sich mal treffen, oft aber auch nicht. So etwas kann gutgehen, wie es dieses Jahr das deutsche Drama All My Loving vorgemacht hat, das nach und nach drei kaputte Geschwister porträtierte. Sthers ist das hier jedoch nicht gelungen.

Wer seid ihr überhaupt?
Dass in einem Film über eine kommunikationsgestörte Familie die gemeinsamen Szenen eher wenig zahlreich sind, ist irgendwie naheliegend. Bei Die Wurzeln des Glücks ist die Distanz aber so groß, dass man erst gar nicht mehr erkennt, dass es sich überhaupt um eine Familie handelt. Die Geschichten in New York und die in Israel haben keine gemeinsame Thematik, wirken so, als wären sie aus völlig verschiedenen Filmen zusammengestückelt. Hinzu kommt, dass Sthers verschweigt, weshalb Harry überhaupt nach Israel gegangen ist, was bei einem derart einschneidenden Ereignis befremdlich ist. Auch sonst hält sich die Filmemacherin dezent zurück, wenn es um Kontexte oder Erklärungen geht. So etwas kann Teil des Plans sein, wenn das Publikum miteinbezogen wird. Hier ist es eher frustrierend, weil einfach nicht genug Material vorliegt, aus dem man etwas machen könnte.

Ein paar nettere Momente kommen in den etwas mehr als anderthalb Stunden schon zusammen. Wenn man sich im Anschluss aber eher an ein putziges Ferkel als die diversen Zweibeiner erinnert, dann ist das vielleicht doch keine so gute Idee gewesen, derart viel Mut zur Lücke zu zeigen. Man entwickelt kein rechtes Gefühl dafür, wer diese Menschen sein sollen, auch die Konflikte bleiben nebulös. Die dramatischen Absichten des Films laufend deshalb auch weitestgehend ins Leere, es gibt schlichtweg nicht genug Gründe, sich für das Schicksal der Figuren zu interessieren. Als Komödie ist Die Wurzeln des Glücks marginal besser, aber auch nicht in dem Maße, dass sich ein Kinobesuch lohnen würde.

Die Wurzeln des Glücks
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Die Wurzeln des Glücks
„Die Wurzeln des Glücks“ erzählt von einer Familie, bei der eine Menge im Argen liegt und vor allem die Kommunikation gestört ist. Leider scheitert aber auch die Tragikomödie selbst an dem Versuch, alle näherzubringen. Die diversen Parallelhandlungen finden nicht zusammen, vieles erschließt sich nicht, die diversen Figuren bleiben einem so fremd, dass einem ihr Schicksal nicht sonderlich nahegeht.
4von 10

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